Parlamentswahl in Pakistan
Stadt-Land-Gefälle ist in Pakistan eklatant

karachi/Münster -

Am 11. Mai 2013 wählen die Pakistaner ein neues Parlament. Das Entwicklungsland ist auf einem engagierten Weg in die Demokratie, dennoch gibt es noch zahlreiche Defizite. Der Terror der Extremisten von Al Kaida und den Taliban hat den Wahlkampf überschattet und in den vergangenen Wochen Dutzende Tote gefordert.

Montag, 06.05.2013, 09:05 Uhr

Man darf sich Pakistan nicht als ein Land mit einer einzigen Nation vorstellen – es ist ein multikulturelles, multiethnisches Land nach der „Zwei- Nationen-Theorie“ (Muslime und Hindus). Es gleicht einem Haus mit japanischer und koreanischer Elektrik, italienischem Geschirr, iranischen Teppichen, schwedischen Möbeln, deutschen Autos mit saudischem Benzin. Das macht es so schwierig, es zentral zu regieren.

Pakistan ist ein föderaler Staat mit vier Provinzen, die sich in ihrer Kultur, Religion und Wirtschaft erheblich unterscheiden: Sindh, Belutschistan, Punjab und Khyber-Pakh­tunkhwa. Außerdem gibt es noch das Territorium der Hauptstadt Islamabad und Stammesgebiete unter Bundesverwaltung. Die finanziellen Ressourcen werden zentral in Islamabad verwaltet, die Provinzen erhalten Zuweisungen nach der Zahl ihrer Einwohner. Weil im Punjab mehr als die Hälfte der Bevölkerung beheimatet ist, erhält es die meisten Mittel. Und mehr als 70 Prozent des Militärs und der Verwaltung sind ebenfalls im Punjab zu finden. Die kleineren Provinzen beschuldigen es deshalb, schuld an ihrer erheblich schlechteren Entwicklung zu sein, weil es die nationalen Ressourcen „ausplündere“. Ein Streit, dessen Ende nicht absehbar ist.

Zumal Punjab auch im Parlament die Mehrheit der Abgeordneten stellt. Kein Gesetz kann ohne die Zustimmung der Punjabis beschlossen werden.

Praktisch jede große Partei konzentriert sich in ihrer Arbeit auf die städtischen Distrikte. Denn es gibt eine erhebliche Entwicklungslücke zwischen Islamabad, Karachi oder Lahore und den ländlichen Gebieten. Mehr als die Hälfte der Pakistaner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Die hohe Arbeitslosigkeit ist ein großes Problem – Hunderte von Menschen begehen jährlich aus Verzweiflung Selbstmord, weil sie ihre Familie nicht ernähren können. Noch immer ist fast jeder Zweite Analphabet. In vielen Distrikten fehlen Elektrizität, sauberes Trinkwasser, Gesundheitsversorgung oder eine funktionierende Infrastruktur mit guten Straßen. Es ist Ironie des Schicksals, dass die Reichen im Land ihr Trinkwasser aus Frankreich importieren lassen, während die Armen auf dem Land ihr Wasser kilometerweit aus Brunnen in Krügen nach Hause schleppen müssen.

Landlords haben noch großen Einfluss

Pakistan ist ein Entwicklungsland, mehr als die Hälfte ist landwirtschaftlich geprägt. In den ländlichen Gebieten haben noch immer Stammes-Chefs oder Landlords das Sagen. Und das einfache Volk folgt deren Anweisungen bei der Wahl. Schließlich ist es abhängig von dem Wohlwollen der Mächtigen – Arbeit, Wasser oder Strom könnten sonst verloren gehen oder abgedreht werden.

...

Die Probleme des Landes werden durch eine schlechte Verwaltung und Regierung verschärft. Während der vergangenen 60 Jahre wurde Pakistan von Militärs, von Politikern, von Bürokraten oder Technokraten regiert. Es gab keine Kontinuität in der Politik – Regierungen änderten stets den Kurs und die Gesetze ihrer Vorgänger – manchmal auf drastische Weise. In der Geschichte des Landes war das zuletzt amtierende Kabinett das erste, das seine fünfjährige Amtsperiode auch zu Ende brachte. Militärs waren vier Mal an der Regierung, und auch unter zivilen Ministerpräsidenten forderte die Opposition das Militär manchmal unverhohlen auf, die Macht wieder zu übernehmen. Die Parteien blieben erfolglos mit ihren Versprechen, die Armut, die Energiekrise, die Inflation, die Korruption, den Terror und Extremismus im Land wirkungsvoll zu bekämpfen. Immer wieder sahen sich auch führende Politiker mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert. Die ermordete Regierungschefin Benazir Bhutto und Ex-Premier Nawaz Sharif gehören ebenso dazu wie Ex-Premier Raja Pervez Ashraf und Präsident Asif Ali Zardari. Die Organisation Transparency International bestätigt, dass Korruption in Pakistan ein millionenschweres Problem darstellt.

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1644559?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F199%2F1560026%2F1753679%2F
Geiselnehmer wollte von der Polizei erschossen werden
Bombendrohung in Turnhalle: Geiselnehmer wollte von der Polizei erschossen werden
Nachrichten-Ticker