„War Requiem“ erinnert an die Opfer der Bombardierung Münsters vor 70 Jahren
Klangmächtiges Versöhnungswerk

Münster -

Zum Gedenken an die Opfer des Krieges erklang am Donnerstag im Dom Benjamin Brittens „War Requiem“ – genau 70 Jahre nach der Bombardierung Münsters. Der englische Komponist verknüpft die Vertonung der lateinischen Totenmesse mit Gedichten eines im Ersten Weltkrieg gefallenen britischen Soldaten. Rund 200 Sängerinnen und Sänger des Domchores und des Philharmonischen Chores wirkten mit.

Freitag, 11.10.2013, 12:10 Uhr

 
  Foto: Jürgen Peperhowe

Etwas seltsam wirkt es auf den ersten Blick: Da wird der Zerstörung Münsters durch britische Bomben vor 70 Jahren gedacht mit einem Klangereignis, dass Benjamin Britten 1962 schrieb, um an den Untergang der Stadt Coventry zu erinnern. Diese war von Deutschen dem Erdboden gleichgemacht worden. Werden nicht Täter und Opfer verwechselt, wenn in Münsters Paulus-Dom Brittens „War Requiem “ aufgeführt wird?

Im Gegenteil, es gibt in der gesamten Requiem-Literatur wohl nichts, was passender wäre als Brittens Manifest gegen den Krieg. Der überzeugte Pazifist schuf ein Werk der Versöhnung mit universalem Anspruch. Und genau so hat Martin Henning , Leiter des Philharmonischen Chores Münster , dieses Gedenkkonzert im restlos gefüllten Dom interpretiert, genau deshalb war neben dem Domchor und der Capella Ludgeriana auch die York Musical Society unter den Hunderten Mitwirkenden.

WAR REQUIEM: Dem Gedenken an die Opfer des Krieges

Benjamin Britten entwirft eine traditionelle Totenmesse – und deren implizite Kritik: Sich nicht mit dem Tod abfinden. Dafür greift er auf die Dichtung Wilfred Owens zurück, der die ganze Sinnlosigkeit des Krieges anprangerte. Britten verschränkt Owens Entsetzen mit der bis zum Immateriellen hin tendierenden Transzendenz der liturgischen Gesänge, wofür im Paulusdom die engelsgleich singende Capella Ludgeriana zur Verfügung stand. Der riesige, im Westchor positionierte Chor absolvierte eine Herkulesaufgabe, fiel ihm doch zusammen mit dem Sinfonieorchester die Rolle zu, die dramatischen Wirkungen zu entfalten. Das „Dies irae“ geriet ebenso zu einem Höhepunkt wie das von Sopranistin Susanne Bernhard gekrönte „Hosanna“ im Sanctus – zwei Momente, an denen einem der Schauer über den Rücken lief.

Es sind aber auch die zarten Sequenzen, die eine intensive Atmosphäre verströmen. James Edwards und Thomas Laske machten das großartig, bis hin zum erschütternden „Let us sleep now“, dem Traum eines Soldaten, der seinen gefallenen Gegner wiedertrifft – und mit ihm ein Wiegenlied singt. Martin Henning und all seine Mitstreiter – Christiane Alt-Epping und Andreas Bollendorf als Co-Dirigenten, Thomas Schmitz an der Orgel, das Kammerorchester, alle Sänger – können stolz sein auf diese ergreifende Gedenkstunde.

Musikalisches Mahnmal

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