SPD feiert
Klatsche und Klatschkonzert

Berlin -

An diesem Abend nicht. Schönreden ist nicht vonnöten. Klatschkonzert aus Begeisterung über gute Quoten, nicht vor lauter Galgenhumor. Im Berliner Willy-Brandt-Haus kann die SPD einen unbeschwerten Wahlabend genießen. Vorsitzender Sigmar Gabriel verweist auf den „größten Zugewinn für die SPD bei einer deutschlandweiten Wahl“.

Montag, 26.05.2014, 10:05 Uhr

Niedergeschlagen: der FDP-Vorsitzende Christian Lindner in Berlin
Niedergeschlagen: der FDP-Vorsitzende Christian Lindner in Berlin Foto: dpa

Er nutzt die muntere Stimmung dann auch gleich, um den Anspruch des SPD-Spitzenkandidaten Martin Schulz auf das Amt des Kommissionsvorsitzenden, also des EU-Regierungschefs, nachdrücklich anzumelden. Gabriel mit Blick auf Schulz im Überschwang: „Wir sind superstolz darauf, dass du einer von uns bist.“ Der rechnet sich zu dem Zeitpunkt noch aus, dass die Sozialisten stärkste Fraktion werden könnten: „Daraus leite ich natürlich den Anspruch ab, Kommissionspräsident zu werden.“

Diese Sache wird im Konrad-Adenauer-Haus ganz anders gesehen. Der Luxemburger Jean-Claude Juncker soll es machen, der Spitzenkandidat der Europäischen Volksparteien. Das deutsche Ergebnis habe dafür „Rückenwind“ gegeben, streicht David McAllister heraus, oberster Europawahlkämpfer der CDU.

Auch bei den Christdemokraten tendiert die Stimmung keineswegs gegen griesgrämig. McAllister strahlt: „Stärkste Kraft. Wir sind die Nummer eins.“ Und die gar nicht so ganz heimliche Genugtuung ist groß, dass der leichte Rückgang gegenüber der 2009er Wahl komplett der CSU in die Schuhe geschoben werden kann.

Absturz von 48 auf 40 Prozent: Parteichef Horst Seehofer druckste gar nicht erst herum, wie in Berlin aufmerksam registriert wurde: „Das ist eine bittere Stunde und auf eine Niederlage für mich persönlich.“ Eine Umfrage habe die CSU vor zehn Tagen noch bei 47 Prozent gesehen. „Entscheidende Frage“ sei: „Was ist in dieser Zeit geschehen?“

Kommissionspräsident: Da will sogar die FDP ein Wörtchen mitreden, sagt ihr Hauptkandidat Alexander Graf Lambsdorff. Die Liberalen seien „auch an der Mehrheitsbeschaffung“ im EU-Parlament beteiligt. Freilich ist die FDP-Europa-Truppe deutlich geschrumpft. Was Parteichef Christian Lindner nicht drum rumreden lässt: „herbe Enttäuschung.“ Damit verbunden der Durchhalteappell an die Anhängerschaft: „Beharrlich und leidenschaftlich“ werde am Wiederaufstieg der FDP gearbeitet, versichert Lindner.

Trotzig setzt sich sein Stellvertreter Wolfgang Kubicki mit dem neuerlichen liberalen Schicksalsabend auseinander: „Das Ergebnis haut uns nicht um“ – auch wenn es „hundsmiserabel“ sei. Er wartet mit zwei Erklärungen auf: Wegfall der Berliner Bühne und ein ganz schmales Wahlkampf-Budget.

Außer bei der FDP grassiert an diesem Abend bei den Wahltreffen in Berlin nur gute Stimmung. AfD-Vormann Bernd Lucke freut sich über „Auftrag und Bestätigung“ durch die Wähler. Er gesteht ein: „Mit graut es ein wenig vor der Bürokratie in Brüssel.“ Was ihn indes an „sachlicher Arbeit nicht hindern“ werde.

Strahlefrauen bei den Grünen: „Wir sind wieder da“, frohlockt Parteichefin Simone Peter: „Das ist ein Superergebnis.“ Und Spitzenkandidatin Rebecca Harms findet: „Eindeutig, wir sind raus aus den Kartoffeln.“

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