Ist dieser Kabarettist islamfeindlich?
Osnabrücker Muslim zeigt Dieter Nuhr an

Osnabrück -

Kabarettist Dieter Nuhr bekommt es wegen ironischer Bemerkungen zum Islam mit der Justiz zu tun. Ein Osnabrücker Muslim hat Anzeige erstattet. Der Vorwurf lautet „Beschimpfung von Bekenntnissen und Religionsgesellschaften“. Das Strafgesetzbuch sieht dafür Gefängnis bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Freitag, 24.10.2014, 11:10 Uhr

Dieter Nuhr 
Dieter Nuhr  Foto: dpa

Dieter Nuhr hatte mit seinen Auftritten zuletzt wiederholt Proteste unter Muslimen ausgelöst. In einem Youtube-Video, in dem mehrere Auftritte des Kabarettisten zusammengeschnitten sind, sagt er über das islamische Frauenbild: „Im Islam ist die Frau zwar frei, aber in erster Linie frei davon, alles entscheiden zu müssen.“

Witze über den Islam gehören schon länger zum Programm des Kabarettisten Dieter Nuhr. Ein Muslim aus Osnabrück fühlt sich dadurch gekränkt und hat den Künstler nun wegen Religionsbeschimpfung angezeigt. Über die Anzeige hatte zuerst die „ Neue Osnabrücker Zeitung “ berichtet.

Lacher erntet Nuhr auch mit dem Satz: „Wenn man nicht wüsste, dass der Koran Gottes Wort ist, könnte man meinen, ein Mann hätte ihn geschrieben.“ Darüber hinaus äußert er sich in vielen Szenen satirisch-ironisch über radikale Islamisten wie Osama bin Laden.

„Nuhr hetzt Menschen gegen Muslime auf und schürt Islamophobie in der deutschen Gesellschaft“, begründete Toka seine Anzeige auf epd-Nachfrage. „Wenn mein christlicher Nachbar in der Show von Dieter Nuhr über dessen Witze über den Islam lacht, sieht er mich nachher mit anderen Augen an.“ Der Kabarettist zitiere aus dem Zusammenhang gerissene Koranverse, um den Eindruck zu erwecken, der Islam sei eine gewalttätige Religion, sagte Toka, der Deutscher mit türkischen Wurzeln ist. Nuhr tritt am Samstag in Osnabrück auf. Toka hat eine Demonstration vor dem Veranstaltungsort angemeldet.

Nach den Worten des Direktors des Osnabrücker Instituts für Islamische Theologie, Bülent Ucar, arbeitet Nuhr mit Verallgemeinerungen und bedient Vorurteile gegen den Islam. Das falle zwar unter die Meinungs- und Kunstfreiheit. „Geschmacklose Zoten auf Kosten einer religiösen Gemeinschaft sind jedoch nicht mutig oder kritisch, sondern wohlfeil.“

Auch der evangelische Theologe Reinhold Mokrosch betonte, er verstehe, wenn religiöse Menschen sich durch Satire gekränkt fühlten. „Sie haben dann auch das Recht, friedlich dagegen zu demonstrieren.“ Allerdings überzeichneten Satire und Karikatur immer die Realität und müssten in einer Demokratie erlaubt sein.

Nuhr kommentiert die Anzeige auf seine Art: „Bin von Islamisten als Hassprediger` angezeigt worden, weil ich den Koran richtig zitiert habe. Bitte um regelmäßige Besuche im Gefängnis!“, schreibt er auf seiner Facebookseite.

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