Kindesmissbrauch
Haupttatort Familie

Berlin/Münster -

Fünf Jahre nach Bekanntwerden des Ausmaßes von Missbrauch in kirchlichen und anderen Einrichtungen sind „viele Tausend Mädchen und Jungen“ in Deutschland weiterhin „schutzlos sexueller Gewalt ausgesetzt“.

Dienstag, 27.01.2015, 16:01 Uhr

Nur wenige Einrichtungen hätten umfassende Schutzkonzepte, nur wenige Eltern wüssten, welche neuen Gefahren die digitalen Medien mit sich brächten, sagte gestern der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung , Johannes-Wilhelm Rörig .

In Deutschland werden nach Schätzungen rund 100 000 Mädchen und Jungen pro Jahr sexuell missbraucht. Als Haupttatort gilt die Familie. Offiziell gehen bei der Polizei jährlich 12 500 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs ein.

Nach den Worten Rörigs soll eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland im kommenden Jahr ihre Arbeit aufnehmen. Ihr sollten unter anderem Juristen, Psychologen, Erziehungswissenschaftler und Vertreter von Beratungsstellen angehören. Die bisherige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle kommt nach Rörigs Worten nur „schleppend“ voran. Matthias Katsch von der Opferinitiative „Eckiger Tisch“ sagte, es gehe ihm zwar besser als vor fünf Jahren. Den Missbrauch auszusprechen, sei für viele befreiend gewesen, das allein reiche aber nicht. Die Frage einer Entschädigung bleibe offen. Angemessen sei eine Summe von rund 25 000 Euro.

Bislang sind nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz 1500 Anträge auf Entschädigung eingegangen. Rund 95 Prozent der Anträge wurden positiv beschieden.

Das Bistum Münster verweist auf 122 Fälle aus den 50er bis 90er Jahren, bei denen 100 Priester, Ordensleute und Laien beschuldigt wurden. 775 000 Euro wurden an die Opfer ausbezahlt, auch, um Therapien zu ermöglichen. Die Evangelische Kirche hat, so die Diakonie in Münster, bislang 290 000 Euro an 58 Opfer in Westfalen, Lippe sowie im Bereich der Diakonie im Rheinland gezahlt. Es gab 80 Fälle und 70 Anträge auf Entschädigung.  

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