Papst Franziskus in Philadelphia
Familie als „Fabrik der Hoffnung“

Philadelphia -

Als die populäre US-Rockband „The Fray“ ihren Hit „How to Save a Life“ anstimmt, swingen und klatschen selbst die Ordensschwestern in der ersten Zuschauerreihe mit. Die Stimmung ist so gelöst, dass man erwarten könnte, dass sogar Papst Franziskus einige Tanzschritte auf der Bühne absolvieren würde – wären da nicht seine Knieverletzung und sein Rückenleiden, das ihn beim Gangway-Aufstieg zur Sondermaschine auf dem New Yorker Flughafen JFK mehrmals stolpern ließ.

Montag, 28.09.2015, 10:09 Uhr

Soulsängerin Aretha Franklin sang in Philadelphia für den Papst.
Soulsängerin Aretha Franklin sang in Philadelphia für den Papst. Foto: dpa

Und wäre da nicht das Protokoll des Vatikan , das natürlich der Volksnähe des Heiligen Vaters ganz bestimmte Grenzen setzt. Doch selten erlebte wohl die Welt in Philadelphia beim „Weltfamilientag“ ein so lockeres Kirchenoberhaupt.

Das vorbereitete Redemanuskript nimmt er erst gar nicht in die Hand, als er vor Hunderttausenden Besuchern beginnt, ein leidenschaftliches Plädoyer für die Familie in der Gesellschaft zu halten. Es ist ein Vortrag, in dem er die Familie als „Fabrik der Hoffnung“ beschreibt. Und gleichzeitig mit Charme und Witz die Zuhörer fesselt, die zuvor stundenlange Fußmärsche in einer Stadt absolviert haben, die sich anders als New York und Washington in einen einzigen Polizeistaat verwandelt hat.

Perfekte Familien gebe es nicht, sagt der Papst , aber das dürfe die Menschen natürlich nicht entmutigen. „Familienleben kann Teller fliegen lassen. Kinder können Kopfschmerzen verursachen. Und über Schwiegermütter will ich erst gar nicht reden“, philosophiert Franziskus und weist darauf hin, dass er dies alles wisse, „obwohl ich ja Single bin“. Dennoch: „Es lohnt sich, für Familien zu kämpfen.“ Und wenn es einmal Streit gebe, möge man den Tag nie beenden, ohne wieder Frieden zu schließen. Wieder brandet Jubel auf, als er diese Worte sagt. Er besuchte 100 Gefängnisinsassen der Curran-Fromhold-Haftanstalt in Philadelphia – die erste Visite eines Papstes in einem Gefängnis überhaupt. Es ist ein deutliches Signal des Papstes: Auch Außenseiter der Gesellschaft werden von der Kirche nicht aufgegeben.

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