Das Papst-Schreiben
Ein Signal der Versöhnung

Rom/Berlin -

Papst Franziskus ist seit drei Jahren im Amt und hat schon für ordentlich Wirbel in der Kirche und auch darüber hinaus gesorgt. Mit den Fragen rund um Familie und Sexualität hat er sich nun ein besonderes sensibles und umstrittenes Themenfeld vorgenommen. Im Folgenden stellen wir wichtige Aussagen seines Schreibens vor.  Was will Papst Franziskus denn eigentlich bewirken?

Freitag, 08.04.2016, 16:04 Uhr

Papst Franziskus hält an seiner kirchlichen Marschrichtung fest, Barmherzigkeit und pastorale Hilfe über Gesetze zu stellen. Von diesem Grundtenor ist auch sein postsynodales Schreiben „Amoris Laetitia“ durchdrungen..
Papst Franziskus hält an seiner kirchlichen Marschrichtung fest, Barmherzigkeit und pastorale Hilfe über Gesetze zu stellen. Von diesem Grundtenor ist auch sein postsynodales Schreiben „Amoris Laetitia“ durchdrungen.. Foto: AFP

Papst Franziskus ist seit drei Jahren im Amt und hat schon für ordentlich Wirbel in der Kirche und auch darüber hinaus gesorgt. Mit den Fragen rund um Familie und Sexualität hat er sich nun ein besonderes sensibles und umstrittenes Themenfeld vorgenommen. Im Folgenden stellen wir wichtige Aussagen seines Schreibens vor.

►  Was will Papst Franziskus denn eigentlich bewirken?

Die Debatten auf der Synode haben gezeigt, dass die offizielle Lehre der Kirche kaum noch Gehör findet. Gleichzeitig gibt es mächtig Streit zwischen Reformern und Konservativen, manche habe angesichts der Kontroverse Sorge vor einer Kirchenspaltung. Deswegen will Papst Franziskus mit seinem Schreiben die Lager versöhnen und zugleich ein Signal de Aufbruchs senden. Dazu erklärt er zunächst, dass nicht nur eine Seite Recht hat. Das ist schon allein ungewöhnlich. Und er sagt, der Papst muss nicht alles entscheiden. Er wolle darauf hinweisen, so schreibt er, dass „nicht alle doktrinellen, moralischen oder pastoralen Diskussionen durch ein lehramtliches Eingreifen entschieden werden müssen“.

►  Wie sollen Veränderungen in der Kirche passieren?

Der Papst weist daraufhin, dass die Einheit der Kirche zugleich schon immer durch eine große Vielfalt geprägt war. Das bedeute heute, dass bei Fragen von Ehe und Familie auch unterschiedliche regionale Anschauungen existieren, auf die die Kirche sich einstellen muss – ohne dabei gleich ihre Überzeugungen zu ändern. „Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen“, schreibt er.

►  Worum geht es in dem Schreiben?

In „ Amoris Laetitia“ geht es um das biblische und das kirchliche Verständnis von Liebe, damit ist auch Partnerschaft und Sex gemeint, aber auch das, was mit Glaube, Familie und Kindererziehung zu tun hat.

►  Was schreibt Franziskus zu wiederverheiratet Geschiedenen?

Eins der umstrittensten Themen der Familiensynode waren die so genannten wiederverheiratet Geschiedenen und ob diese unter Umständen zur Kommunion zugelassen werden können. Der Papst schreibt nun, dass es dazu keine neuen Gesetze gebe. Zugleich bekräftigt er aber auch, es dürfe keine „kalte Schreibtisch-Moral“ geben. Im Franziskus-Sound klingt das so: „Daher darf ein Hirte sich nicht damit zufrieden geben, gegenüber denen, die in ‚irregulären’ Situationen leben, nur moralische Gesetze anzuwenden, als seien es Felsblöcke, die man auf das Leben von Menschen wirft.“ Konkret wird es dann in Fußnote 351: „In gewissen Fällen könnte es auch die Hilfe der Sakramente sein.“ Es bleibt ein Deutungsspielraum, wie immer bei Franziskus.

► Was sagt Franziskus zur Sexualität?

Der Papst betont an mehreren Stellen wie wichtig und schön Erotik und Sexualität seien: „Ein Geschenk Gottes“. Zugleich betont er ihre Einbettung in der Ehe und warnt vor außerehelichem Geschlechtsverkehr. Wer also eine neue Sexualmoral erträumt hat, wird wohl enttäuscht werden. Zugleich ist doch ein neuer Ton vernehmbar, der Papst bejaht eine lebensbejahende Sexualerziehung, weiß um die Schwierigkeiten von Ehen und Partnerschaften. Er setzt sich mit dem Thema Homosexualität auseinander, verurteilt Diskriminierung, lehnt aber die sogenannte Homo-Ehe ab. Die Gewissensentscheidung jedes Einzelnen in moralischen Fragen verdiene Respekt, so Franziskus. Da müsse die Kirche noch lernen. „Das Evangelium selbst verlangt von uns, weder zu richten, noch zu verurteilen“, so Franziskus.

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