Terrorplanung per WhatsApp
Attentat auf Essener Sikh-Tempel: Fahnder stießen auf Salafisten-Chat-Gruppe

Düsseldorf -

Den Bomben­anschlag auf einen Essener Sikh-Tempel vor zweieinhalb Monaten hat offenbar eine größere Zelle von jungen radikalisierten Islamisten vorbereitet. Bei dem Attentat am 16. April wurden drei Menschen verletzt.

Freitag, 29.07.2016, 14:07 Uhr

Bei einer Explosion in einem Sikh-Gebetshaus wurden im April drei Menschen verletzt. Eine Gruppe radikalisierter Islamisten soll dafür verantwortlich sein.
Bei einer Explosion in einem Sikh-Gebetshaus wurden im April drei Menschen verletzt. Eine Gruppe radikalisierter Islamisten soll dafür verantwortlich sein. Foto: dpa

Nicht nur die bislang bekannten fünf Tatverdächtigen, sondern insgesamt knapp etwa ein Dutzend Personen haben diesem über eine „WhatsApp“-Gruppe organisierten Netzwerk angehört, berichtete Innenminister Ralf Jäger in einer Vor­lage für die Sitzung des Innenausschusses an diesem Donnerstag. Von den übrigen Mitgliedern der unter dem Namen „Unterstützer des Islamischen Kalifats“ seien noch nicht alle identi­fiziert, da sie unter arabischen Decknamen angemeldet waren.

Über den zum Facebook-Konzern gehörenden Kommunikationsdienst seien „konspirative Anschlags­planungen erfolgt“. Treffen und Verhaltensregeln, Informationen und salafistische Propaganda seien dort ausgetauscht worden, berichtete Jäger von den bisherigen Ermittlungen. Derzeit prüft der Generalbundesanwalt, ob er das Verfahren an sich zieht.

Auf die konspirative „WhatsApp“-Gruppe stießen die Ermittler erst über ein Mobiltelefon, das sie beim 16-jährigen Tatverdächtigen Yusuf T. gefunden hatten. Ob es das Handy war, nach dem die Ermittler seit Dezember 2015 gesucht hatten, ließ Jäger offen. Mit diesem Gerät solle er später eine Probesprengung gefilmt und Schulfreunden in Gelsen­kirchen gezeigt haben.

Yusuf T., der sich kurz nach der Tat gestellt hatte, war offenbar der Adminis­trator und „selbsternannte Anführer“ der Gruppe. Am 7. Januar habe er alle Mit­glieder „auf die gemeinsame Sache“ eingeschworen. Dem Netzwerk gehörten außerdem der gleichaltrige Mohamad B., die beiden 17-Jährigen Tolga I. und Muhammed Ö. (alle aus Essen) sowie der aus Münster kommende Hilmi I. (20) an. Hilmi T. war Ende März – vor dem Attentat – wegen anderer Vorwürfe festgenommen worden. Der Chat-Verlauf zeige, „dass er – als einzig volljährige Person – bisweilen Kritik an den Mitgliedern äußerte und erzieherisch eingriff“. Unklar ist, ob sein Fehlen die Anschlagspläne beschleunigte. Zwei Tage vor der Tat kauften Yusuf T. Und Mohamad B. im Internet die Grundstoffe für die Bombe.

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