Politik
Haustür, Smartphone, Altbewährtes: So läuft Wahlkampf 2017

Düsseldorf/Berlin -

Der Wahlkampf in Deutschland wird amerikanischer. Von Tür zu Tür ziehen die Wahlkämpfer dieses Jahr mit digitaler Unterstützung, „Big Data“ soll beim Stimmenfang helfen. Was wird aus dem guten alten Wahlplakat?

Mittwoch, 03.05.2017, 14:05 Uhr

Politik : Haustür, Smartphone, Altbewährtes: So läuft Wahlkampf 2017
Katarina Barley, SPD-Generalsekretärin, zeigt den Aktivierungsplaner, mit dem die Wahlkämpfer besser planen können, wo Potentiale erreicht werden können. Foto: dpa

«Unser Wahlkampf wird 2017 so modern wie nie zuvor!», schreiben CDU und Junge Union. SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagt, ihre Partei mache den modernsten Wahlkampf überhaupt, von der «Kampa17» aus. Deutschland steckt mitten drin im Superwahljahr, nicht nur in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen. Und die Parteien überbieten sich darin, jung und kreativ zu sein. Oder?

Aus den beiden Ländern im Norden und Westen, wo an den beiden kommenden Sonntagen gewählt und zuvor die Kampfmethodik für die Bundestagswahl erprobt wird, erreichen die Republik vertraute Bilder. Der Kieler SPD-Ministerpräsident Torsten Albig lächelt direkt neben CDU-Herausforderer Daniel Günther von riesigen Plakaten. Die Düsseldorfer Regierungschefin Hannelore Kraft sitzt an der Kaffeetafel mit SPD-Fähnchen. Ihr Konkurrent Armin Laschet winkt mit CDU-Chefin Angela Merkel von der Bühne. Und alle reden vom Haustürwahlkampf.

Wahlplakate zur Landtagswahl NRW: Kennen Sie die Slogans der Parteien?

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  • Keine Frage: Die Plakate zur Landtagswahl in NRW am 14. Mai 2017 bringen Farbe in die Städte. Doch sind sie wirklich Hingucker, deren Aussagen in den Köpfen hängen bleiben? Oder sieht man angesichts der geradezu inflationären Masse von Plakaten möglicherweise den Wa(h)ld vor lauter Bäumen nicht? Wir haben uns in Telgte auf die Suche gemacht. Testen Sie sich selbst und raten Sie, welcher Slogan zu welcher Partei gehört.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Wer stellt diese simple Gleichung auf?

    Foto: Kristian van Bentem
  • Ist Ihnen ein Blaulicht aufgegangen? Es kann so einfach sein, meint die CDU.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Wer, wenn nicht diese Partei, schafft das nach eigener Einschätzung?

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  • Wow, wer hätte das gedacht: Die SPD setzt hier auf eines ihrer zentralen Themen.

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  • Wer setzt darauf, dass einem ganz warm ums Herz wird?

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  • Heimat-Film ab! Die Grünen sind’s.

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  • Wem geht’s hier um die Kohle?

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  • Darf’s ein bisschen mehr sein? Unbedingt, meint Die Linke.

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  • Wer macht den Wählern mit dieser Forderung den Hof?

    Foto: Kristian van Bentem
  • Beim Barte des Lindner – es ist die FDP!

    Foto: Kristian van Bentem
  • Wer steckt so viel Energie in seine Forderungen?

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  • Die AfD versteht es, mit ihren Forderungen einen Sturm der Entrüstung zu entfachen - wie hier zu sehen.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Das liegt wohl in der Natur der Dingen: Wer versteht die Kunst, die Menschen mit diesem Thema zu packen?

    Foto: Kristian van Bentemit diesem Versprechen zu werben.
  • So kann man sich täuschen, auch wenn es gute GRÜNde gäbe, diese Plattitüde für einen Wahlslogan zu halten.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Sie dürfen ruhig zweimal lesen. Was will uns der Autor hier sagen? Und für welche Partei spricht er?

    Foto: Kristian van Bentem
  • Einzigartig unter den aktuellen Wahlslogans ist zumindest die Wortwahl der SPD auf diesem Plakat.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Schaffen Sie es, bei Ihrem Tipp nicht die Parteien zu verwechseln?

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  • Wechselstimmung möchte die FDP verbreiten.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Wer nimmt hier Feigenblatt vor den allerwertesten Mund?

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  • Kräftig und deftig sind Optik und Wortwahl der Linken.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Wem darf man das glauben?

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  • Nein, dieser richtungweisende Slogan steht über keinem Partei-Büro.

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  • Welche Partei springt auf diesen Zug auf?

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  • Ob die Grünen damit ans Ziel kommen?

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  • Und wer geht mit diesem Slogan in den Wahlkampf?

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  • Dass mit diesem Spruch bei der Wahl etwas geht, hofft die CDU.

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  • Wer hofft, dass viele für dieses Versprechen volksempfänglich sind?

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  • Ob die AfD allerdings mit dieser Forderung so hoch hinauskommt wie mit diesem Plakat? Der Kommentar am Sockel ist übrigens aus, aber nicht von Pappe.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Wer will mit dieser Forderung weit kommen?

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  • Rechts vor links gilt zwar im Straßenverkehr, aber bei der Wahl wäre es dieser Partie andersrum lieber.

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  • Wer wirft hier ein Auge auf die Finanzen?

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  • Und wieder keine Partei – diesen Tipp hätten Sie sich sparen können.

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  • Wer erhebt diese alternativlose Forderung?

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  • Für viele auch in Sachen Sicherheit eine der besseren Alternativen als die für Deutschland . . .

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  • Erraten #NRWir, wer mit diesem Slogan um das Kreuzchen des Wählers wirbt?

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  • Der Slogan selbst strotzt nicht vor Originalität, aber mit dem Hashtag #NRWir schafft die SPD Wiedererkennungswert.

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  • Ist dieser Spruch klüger, als es die Polizei erlaubt? Und von wem kommt er?

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  • Nicht nur für die FDP gilt: Nicht klügere Sprüche überzeugen Wähler, sondern bessere Politik.

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  • Wer steht für die Wahrheit und nichts als die Wahrheit?

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  • Fakt ist, dieses AfD-Aussage war nicht zu halten.

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  • Wer hatte diesen cleveren Einfall?

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  • Mit diesem Plakat präsentiert sich die CDU als Streber – zumindest im Ringen um Wählerstimmen.

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  • Wer ist hier ganz ausgeschlafen am Werk gewesen?

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  • Egal, zwischen welchen Parteien Sie bei ihrem Tipp gependelt sind: Es ist die FDP.

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  • Wer war bei diesem Slogan ideenreich?

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  • Diese Linken-Forderung hat System.

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  • Ein Geistesblitz – aber vom wem?

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  • Das schützt nur eines: Am 14. Mai wählen gehen!

    Foto: Kristian van Bentem

Haustür-Wahlkampf wieder modern

Das unangemeldete Klingeln beim Wähler ist in diesem Jahr wichtiger, sagt der Mainzer Politikwissenschaftler Thorsten Faas . Grüne und SPD hätten schon 2013 darauf gesetzt, nun komme die CDU verstärkt dazu. Ihr Generalsekretär Peter Tauber rief jüngst mit einer «Übungstür» samt digitalen Gesprächspartnern für seine Wahlkämpfer Aufsehen und ein bisschen Spott hervor.

Dass diese Uralt-Wahlwerbung wieder modern sei, habe mit den USA zu tun, sagt Faas. Dort habe sie sich als sehr wirksam erwiesen, was auch in Deutschland registriert worden sei. «Wir können also in diesem Wahljahr nicht nur auf den Paketboten, sondern auch die Parteien warten.»

Abklappern mit App-Unterstützung

Unterstützt werden Politiker und Basis beim Abklappern der Wähler auch von Apps. «Tür zu Tür» heißt die der SPD, «Connect17» die der CDU. Sie helfen beim Kontakt mit dem Wähler, nach dem Gespräch können Infos einfach gespeichert werden. Unionswahlkämpfer können sogar Punkte sammeln und «zum Wahlkampf-Helden aufsteigen». Auch die Grünen testen gerade eine App, sie soll im Sommer vorgestellt werden.

Zum Thema: NRW-Landtagswahl 2017

Ob «Mobilisierungsplaner» oder «Wahlatlas»: Parteien wissen, wo sich das Klingeln lohnt, wo Familien, Gutverdiener, Arbeitslose, Nichtwähler, Sozial- oder Christdemokraten wohnen. So wird der Wahlkampf effizienter - ohne den Datenschutz zu verletzten, wie alle betonen. Eben doch nicht wie in den USA, wo Demokraten und Republikaner Angaben zu einzelnen Wählern speichern. «Hier in Deutschland operiert man auf der Ebene von Stimmbezirken oder Straßenzügen», erklärt Wahlforscher Faas.

Studie aus Münster: Welche Wahlwerbung zieht?

Auch die Bedeutung des Internet-Wahlkampfs steigt. Social-Media-Experten loben etwa FDP-Chef Christian Lindner, der besonders gut verstanden habe, wie Facebook und Co. ticken. Er filmt sich zum Beispiel im Auto, das wirkt persönlich und nah.

Was Aufmachung und Reichweite betreffe, sei die AfD im Netz «ganz vorne mit dabei», sagt Wahlforscher Faas. «Bestimmte Logiken sozialer Medien kommen populistischen Parteien einfach entgegen.»

Aber welche Wahlwerbung zieht? Das hängt davon ab, ob - und wie - die Wähler sich darüber austauschen. Studien zeigen, dass vor allem Gespräche zwischen Menschen, die sich nahestehen, stark meinungsbildend wirken können, wie der Kommunikationswissenschaftler Christian Wiencierz sagt. Wenn Ehepaare oder Freunde über die Parteien reden, bewegt das mehr als der Smalltalk beim Bäcker.

Erinnerten sich die Befragten positiv an die Gespräche, bewerteten sie auch Partei und Kandidaten positiv. Zudem ergab seine Studie zum Vertrauen in politische Parteien, dass auch klassische Wahlplakate und Werbespots hohe Aufmerksamkeit erzeugen und zu Gesprächen anregen. «Deswegen würde ich sie aus Parteiensicht nicht grundsätzlich verteufeln», sagt der Experte der Universität Münster.

Wettrüsten in der Fußgängerzone

Das Aus für Klassiker wie Großflächen-Plakate oder Slogans und Gesichter am Laternenmast steht also nicht an. Die Grünen wollen im Bundestagswahlkampf diesmal sogar mit doppelt so vielen Großplakaten werben wie vor vier Jahren. Auch Stände auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone sterben nicht aus. Wahlkampf-Beobachter Faas hat dafür eine einfache Erklärung: Die Parteien verzichten darauf schon deshalb nicht, weil die anderen es machen und es ja etwas bringen könnte. «Das hat durchaus die Logik von Wettrüsten.»

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