TV-Wahlarena
Sieben Köpfe – sieben Themen

Köln -

Zwei Tage nach dem TV-Duell mit Hannelore Kraft (SPD) geht Armin Laschet (CDU) am Donnerstag beim Schlagabtausch der Spitzenkandidaten zur NRW-Wahl schärfer auf Angriffskurs. Auch die Vertreter der anderen Parteien versuchen, ihr Profil zu schärfen. Am Ende bleibt die Frage: Wer kann mit wem?

Freitag, 05.05.2017, 07:16 Uhr aktualisiert: 05.05.2017, 07:28 Uhr
Die Spitzenkandidaten (von links) Özlem Demirel (Linke), Michele Marsching (Piraten), Hannelore Kraft (SPD), Sylvia Löhrmann (Grüne), Armin Laschet (CDU), Christian Lindner (FDP) und Marcus Pretzell (AfD) stellten sich zum TV-Schlagabtausch.
Die Spitzenkandidaten (von links) Özlem Demirel (Linke), Michele Marsching (Piraten), Hannelore Kraft (SPD), Sylvia Löhrmann (Grüne), Armin Laschet (CDU), Christian Lindner (FDP) und Marcus Pretzell (AfD) stellten sich zum TV-Schlagabtausch. Foto: dpa

Sechs kennen sich, einer ist neu: Erstmalig treffen am Donnerstagabend sieben Spitzenkandidaten für die Landtagswahl aufeinander. Neben Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ( SPD ), CDU-Herausforderer Armin Laschet , Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), FDP-Chef Christian Lindner und Piraten-Fraktionschef Michele Marsching für die im Landtag vertretenen Parteien hat der WDR auch Özlem Demirel für die Linke in die Wahlarena eingeladen. Neuling in der Runde ist der AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell. Beide Parteien haben Chancen auf den Einzug ins Parlament.

Hitzige Schuldebatte

Wie würden alle miteinander über die von Zuschauern vorher festgelegten Themen debattieren? Hitzig geht es bei der Schule zu – bei Verkehr, innerer Sicherheit, Flüchtlingen, Kitas, Umwelt und sozialer Gerechtigkeit bleibt der Disput dagegen meist sachlich. Kraft und Laschet haben sich zwei Tage zuvor ein intensives, fast ausgeglichenes TV-Duell geliefert. Vielleicht legt der CDU-Spitzenkandidat deshalb Attacken nach. Die Debatte ums Turbo-Abi dreht er im Handstreich auf die Inklusion, um Rot-Grün hier wie später bei der inneren Sicherheit Versagen vorzuwerfen. Kraft bleibt dieses Mal gelassener, hat sich mit Antworten munitioniert.

Vehement reagiert sie einmal auf Demirel, der sie vorwirft, über ungedeckte Ausgaben zu reden. Die Linken-Kandidatin präsentiert sich im Übrigen als faktensichere Politikerin. Derweil bemüht sich Kraft um Verständigung mit Lindner, der seinerseits die inhaltlichen Kontrastpositionen zu SPD, CDU und Grünen sucht. In der Schulpolitik muss sich Löhrmann permanent verteidigen, sonst kann sie grüne Positionen nüchtern erklären. Pirat Marsching wirbt trotz einiger guter Punkte aber auf verlorenem Posten.

Attacken von AfD-Mann Pretzell

Und Pretzell? Der findet manchmal in die Debatten, geht aber auch heftig in Attacken: Den Grünen werde am Wahltag eine „Obergrenze eingezogen“. Mit Laschet gerät er aneinander: Der schwinge sich zum neuen Mann für innere Sicherheit auf. Laschet entgegnet sauer, er leiste seine Fraktionsarbeit – anders als Pretzell. Man muss gespannt sein, wie die Tonlage im Landtag sein wird.

Beim Thema Kinderbetreuung gerät Pretzell durch einen Widerspruch zwischen persönlicher Situation und Partei-Programm in die Defensive. Pretzell hatte gesagt, seine vier Kinder seien „auswärtig“ betreut worden. In ihrem Wahlprogramm beklagt die AfD, das bei der Kinderbetreuung „klassische Familienkonstellationen“ entwertet würden.

Die Koalitionsfrage

Am spannendsten wurde es am Ende. Die Parteispitzen mussten Farbe bekennen, wer mit wem nach der Landtagwahl am 14. Mai eine Koalition bilden könnte. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte zu Spekulationen über Rot-Rot-Grün mit Blick auf die von ihr geschmähten Linken: „Alles fordern, aber nicht sagen, wie man es finanzieren kann - so kann man ein Land nicht regieren.“

CDU-Spitzenkandidat Armin Laschet warf ihr daraufhin vor, ein Bündnis mit der Linken damit aber nicht klar ausgeschlossen zu haben. Die CDU habe dies getan - ebenso wie eine Koalition mit der rechtspopulistischen AfD. Nachdem die FDP in einer kurz vor der Sendung veröffentlichten Umfrage auf 13 Prozent hochgeschossen war, warnte Laschet: „Wer jetzt FDP wählt, hilft, dass Frau Kraft stärkste Kraft wird.“ Laut einer repräsentativen Infratest-dimap-Umfrage für die ARD liegen die SPD mit 32 und die CDU mit 31 Prozent nah beieinander. Die rot-grüne Regierung hätte demnach keine Mehrheit mehr.

FDP-Chef Christian Lindner sagte: „Die wahrscheinlichste Koalition ist eine große Koalition in Nordrhein-Westfalen.“ Der 38-Jährige ist Spitzenkandidat sowohl für die Landtagswahl als auch für die Bundestagswahl am 24. September. AfD-Landeschef Marcus Pretzell spottete: „Wer die FDP wählt, bekommt fünf Monate Lindner und fünf Jahre Kraft.“ Die AfD wird in der jüngsten Umfrage bei 8 Prozent gesehen und könnte erstmals in den Düsseldorfer Landtag einziehen.

Die grüne Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann, die von allen fünf Nicht-Regierungsparteien für ihre Politik als Schulministerin angegriffen wurde, warb für eine Neuauflage von Rot-Grün. Die Umfragewerte der Grünen sind seit der Landtagswahl 2012 von damals 11,3 auf zuletzt 6 bis 7 Prozent stark gesunken.

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