Wahl in Großbritannien
Das Rennen wird richtig eng: Torys liegen knapp vor Labour

münster/london -

Die Parlamentswahl an der Themse könnte für Premierministerin Theresa May sehr viel spannender werden, als sie es sich vorgestellt hat. Wo ist ihr schöner Vorsprung von 20 Prozent aus den Umfragen von Anfang Mai nur geblieben? 

Dienstag, 06.06.2017, 18:06 Uhr

Jeremy Corbyn ist in der Labour-Partei durchaus umstritten.
Theresa May (l.) ist seit einem Jahr Premierministerin in Großbritannien. Jeremy Corbyn (r.) ist in der Labour-Partei durchaus umstritten. Foto: dpa

Lediglich drei Prozent trennen ihre konservativen Torys nach einer Yougov-Umfrage für die den Konservativen gewogene Zeitung „ The Times “ noch von der Labour-Partei. Der „ Guardian “ warnte schon: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“

Eigentlich müsste May auch in Zeiten des Terrors doch weit vor ihrem Labour-Herausforderer Jeremy Corbyn liegen. Denn in Krisenmomenten neigen die Wähler dazu, sich auf die bewährten Kräfte zu verlassen. Doch im Fall Theresa May ist diese Regel außer Kraft gesetzt. Ihre politischen Gegner werfen ihr vor, in ihrer Amtszeit als Innenministerin (2010-2016) die Stellen bei den Sicherheitskräften drastisch verringert zu haben. Was nun zu folgenreichen Lücken bei der Terrorbekämpfung geführt habe.

Zudem könnten einige kapitale Patzer im Wahlkampf am Freitag für ein bitteres Erwachen bei May sorgen. So drückte sich die Premierministerin vor einer TV-Debatte bei der BBC, zu der sich alle Vorsitzenden der anderen größeren Parteien eine Woche vor der Wahl versammelten, sie schickte ihre Innenministerin Amber Rudd. May überließ den Bildschirm ohne Not ihren Konkurrenten, die dies sofort als „Schwäche“ brandmarkten und ihr vorwarfen, es sei ein Zeichen der Geringschätzung des Wählers. Und auch viele Briten fanden ihre Haltung nicht „good sports“.

Corbyn nicht mehr so unwählbar

Zwei Tage zuvor hatte sie in einem TV-Interview gesagt, Jeremy Corbyn stünde mit seiner ablehnenden Position zum Brexit „nackt und allein“ da. Ihre Wortwahl befremdete viele. Corbyn selbst reagierte sowohl deutlich als auch humorvoll. „Es ist vollkommend unpassen“, so stellte er fest, „einen anderen Menschen als nackt zu beschreiben – sogar mich ...“ Er hatte die Regierungschefin auch aufgefordert: „Kommen Sie schon, lassen Sie uns reden.“ Doch sie kniff zwei Mal, es gab nur getrennte Interviews.

Im Wahlkampf stürzte sich May insbesondere auf das Thema Brexit, weil sie sich als die einzige stabile Größe in der britischen Politik verkauft. Sie betonte ihre strikte Haltung, dass kein Kompromiss mit der EU in puncto Brexit besser sei als ein schlechter, ließ aber offen, worüber sie konkret verhandeln will. Und die vergangenen Wochen haben vielen Briten klargemacht, dass die britische Wirtschaft, selbst der Finanzsektor, am Ende doch als Verlierer aus den Verhandlungen herauskommen könnte.

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Oppositionsführer Jeremy Corbyn setzte im Wahlkampf neben dem Thema Sicherheit auch auf Gesundheit, Bildung und Erziehung. Er blieb in seinen TV-Auftritten besonnen. Und auf einmal scheint er für immer mehr Briten nicht mehr so unwählbar zu sein wie noch vor Monaten. Doch reicht dies, um May zu stürzen?

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