Trump will geheime Dokumente freigeben
Endlich Klarheit über Kennedy-Mord?

Washington -

Was steht in den letzten noch geheim gehaltenen US-Regierungsakten über die Ermordung von Präsident John F. Kennedy? Seit dem Attentat am 22. November 1963 kursieren Spekulationen und Verschwörungstheorien. Doch jetzt hat US-Präsident Donald Trump Überraschendes angekündigt.

Montag, 23.10.2017, 07:10 Uhr

Kurz vor dem Attentat sitzt der damalige US-Präsident John F. Kennedy am 22.11.1963 in Dallas zusammen mit seiner Frau Jacqueline (r.), Nellie Connally (l.) und ihrem Mann, dem Gouverneur von Texas, John Connally, in einer offenen Limousine.
Kurz vor dem Attentat sitzt der damalige US-Präsident John F. Kennedy am 22.11.1963 in Dallas zusammen mit seiner Frau Jacqueline (r.), Nellie Connally (l.) und ihrem Mann, dem Gouverneur von Texas, John Connally, in einer offenen Limousine. Foto: dpa

Seit dem Attentat in Dalllas am 22. November 1963 ranken sich Spekulationen und Verschwörungstheorien um den Anschlag, mit dem sich auch Hunderte von Büchern beschäftigt haben. Nun hat US-Präsident Donald Trump überraschend angekündigt, rund 50.000 Seiten öffentlich zu machen, die immer noch im Nationalarchiv unter Verschluss gehalten werden -es sei denn, es werden ihm in letzter Minute überzeugende Begründungen dafür vorgetragen, dass eine Freigabe Bundesbehörden oder der nationalen Sicherheit massiv schaden könne. Viel spricht dafür, dass der Geheimdienst CIA in letzter Minute weiter Lobbyarbeit gegen den geplanten Schritt betreiben wird. Denn er hat Experten zufolge am meisten zu verlieren.

Bis heute gibt es jedenfalls Vermutungen, dass die CIA über die brisanten Reisen des Kennedy-Attentäters Lee Harvey Oswald in die Botschaften der Sowjetunion und von Kuba in Mexico City wenige Wochen vor dem Mord bestens informiert war. Es heißt, Oswald habe in den Botschaften ein Visa beantragt, um in die Sowjetunion – wo er von 1959 bis 1962 gelebt hatte – zurückzukehren. Die CIA überwachte damals beide Vertretungen eng.

Mord, um berühmt zu werden?

Bis heute lautet die offizielle Version der US-Regierung zu dem Attentat auf die offene Limousine Kennedys, das damals die ganze Welt schockiert hatte: Oswald habe den Präsidenten ohne jede Mithilfe ganz allein ermordet, um berühmt zu werden. Der Attentäter wurde kurz nach dem Anschlag von Nachtclub-Besitzer Jack Ruby, der aus patriotischer Pflicht gehandelt haben will, im Polizeirevier von Dallas erschossen.

Abhängig vom Erhalt weiterer Informationen werde ich als Präsident erlauben, dass die lange blockierten und geheim gehaltenen JFK-Unterlagen geöffnet werden

US-Präsident Donald Trump

Doch zahlreiche Historiker, Kriminalisten und Amateur-Analysten zweifeln die Schlussfolgerungen der Regierung, festgehalten in dem Bericht der Warren-Kommission, bis heute an. Umfragen zufolge glauben zwei Drittel aller US-Bürger nicht an die These vom Einzeltäter Oswald. Die Liste möglicher Auftraggeber oder Mitwisser ist lang und reicht von abtrünnigen CIA-Offizieren über das FBI, Sympathisanten von Fidel Castro und Mitglieder der Mafia bis hin zu Kennedy-Parteifreund Lyndon B. Johnson, dem damaligen Vizepräsidenten, der nach dem Tod des Demokraten die Regierungsgeschäfte übernahm.

Wilde Theorien

Die Frage aller Fragen lautet nun: Wird das, was möglicherweise neu der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, endlich Licht in diese teilweise wilden Theorien bringen? Fünf Millionen Dokumente zum Tod Kennedys liegen im amerikanischen Nationalarchiv, und 88 Prozent dieser Schriftstücke wurden bereits freigegeben. Weitere elf Prozent wurden ebenfalls veröffentlicht, allerdings zuvor bearbeitet und teilweise mit Schwärzungen versehen.

US-Medien berichteten am Wochenende, der derzeitige CIA-Chef Mike Pompeo setze sich vehement bei Trump dafür ein, dass die letzten Dokumente weiter unter Verschluss bleiben. Doch eine Twitter-Botschaft des Präsidenten zeigte, dass er entschlossen scheint, seine Ankündigung wahr zu machen: „Abhängig vom Erhalt weiterer Informationen werde ich als Präsident erlauben, dass die lange blockierten und geheim gehaltenen JFK-Unterlagen geöffnet werden“, schrieb Trump. Das soll nun bis spätestens 26. Oktober geschehen – falls nicht der Präsident doch noch den Einwänden der CIA Vorrang gibt.

Kommentar: Zeit für reinen Wein

Donald Trumps überraschende Ankündigung, die letzten noch versiegelten Unterlagen zum Mord an Ex-Präsident John F. Kennedy aller Voraussicht nach für die Öffentlichkeit freizugeben, hat insbesondere beim Geheimdienst CIA heftigste Abwehrreaktionen ausgelöst. Dieser Proteststurm scheint übertrieben, liegt das Attentat doch mehr als 50 Jahre zurück. Wem also könnten unangenehme Enthüllungen jetzt noch schaden?

Die paranoide CIA fürchtet aber immer noch Negativschlagzeilen, die bis hin zu einer Verschwörung von CIA-Agenten gegen den Präsidenten reichen könnten. Ist es jedoch nicht an der Zeit, dem amerikanischen Volk – das nach dem spektakulären Attentat mit den wenig überzeugenden Fakten der Warren-Ermittlungskommission abgespeist wurde – endlich mehr reinen Wein einzuschenken?

Ob man an Lee Harvey Oswald als Einzeltäter glaubt oder ob man eine der vielen anderen Theorien vertritt: Man wird gut daran tun, jedem neu veröffentlichten Fakt zunächst mit Zweifeln gegenüberzustehen. Allein die Tatsache, dass ein eigentlich eindeutiges Beweismittel wie der Zapruder-Film vom Moment der Ermordung heute in verschiedensten Versionen existiert, sollte dafür ausreichen, nicht jedes Dokument für bare Münze zu nehmen.

Was letztendlich als „Wahrheit“ angesehen wird, könnte also weiter im Auge des Betrachters liegen. Und vielleicht entsprang die Ankündigung Trumps auch nur einer momentanen Laune – steht doch der Name des jetzigen US-Präsidenten nicht gerade für „Ein Mann, ein Wort“.

von: Alix Adair

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