Kommentar
Schwere Schlappe für Trump: Sieg der Demokraten in Alabama

„Sweet Home Alabama“ sangen Lynyrd Skynyrd 1974. Hemdsärmeligkeit, Waffen, kein Chichi aus Washington – Alabama ist das Symbol für die heile Welt der Republikaner. Man kann sich kaum vorstellen, was die Wahl eines demokratischen Senators dort bedeuten muss.

Mittwoch, 13.12.2017, 16:12 Uhr

 
  Foto: imago/ZUMA Press

Alabama tickt anders. „Sweet Home Alabama“ sangen Lynyrd Skynyrd 1974 – sie treffen damit bis heute die Südstaatenmentalität im Kern. Hemdsärmeligkeit, Waffen, kein Chichi aus Washington – Alabama ist das Symbol für die heile Welt der Republikaner. Man kann sich vorstellen, was die Wahl eines demokratischen Senators dort bedeuten muss. Es ist ein Erdbeben, das das politische Gebäude der USA in den Grundfesten erschüttert. Es ist so, als ob in Alaska Ananas wachsen würde, hätte Franz Josef Strauss dazu gesagt. Ein Paradigmenwechsel.

Doug Jones hat mit seinem Wahlsieg Stephen Bannon und dem Anti-Establishment-Flügel der Republikaner eine beispiellose Schlappe beschert. Bannon wollte den umstrittenen ultrakonservativen Republikaner Roy Moore um jeden Preis durchdrücken. Seine unmoralische Logik: Die schweren Vorwürfe der sexuellen Belästigung könnten sich sogar als Pluspunkt für Moore entpuppen. Denn trotzig inszeniertes politisch inkorrektes Verhalten könnte bei Anti-Establishment-Wählern besonders gut ankommen. Doch er hat sich ebenso geirrt wie Donald Trump , der am Anfang nicht auf Moore setzte, doch ihn am Schluss umso entschlossener verteidigt hat.

Nun erlebt der US-Präsident die größte Niederlage seiner Amtszeit. Zum einen: Seine Autorität bei den Republikanern ist geschwächt, weil er nicht mehr als Mann mit dem sicheren Wahlkampf-Instinkt dasteht. Außerdem wird Trump mit seiner äußerst fragwürdigen Haltung zum Thema sexueller Missbrauch immer mehr zum Negativbeispiel für Moral in der Politik. Weiteres Problem: Die ohnehin knappe republikanische Mehrheit im Senat ist nun nur noch hauchdünn.

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Das Schlimmste für Trump: Die Demokraten sind wieder da. Energiegeladen, siegesgewiss und voller Überzeugung, für das bessere Amerika zu stehen, das mit Alabama zuallererst den langen Kampf der Afroamerikaner um politische Teilhabe verbindet. Für die Demokraten heißt es jetzt: Wer in Alabama gewinnt, kann es überall schaffen.

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