Rückkehr zu neun Gymnasialjahren (G9)
Schwergewichtiges Bündnis will Doppelstruktur bei den Gymnasien verhindern

Düsseldorf -

Bloß keine Sonderlocken mehr: Eltern, Lehrer, Gymnasialdirektoren und kommunale Spitzenverbände warnen eindringlich vor einem unklaren Kurs bei der Rückkehr zum Abitur nach neun Gymnasialjahren (G9). Sie fordern eine konsequente Regelung für alle Gymnasien in NRW.

Donnerstag, 21.12.2017, 20:12 Uhr

Eine einheitliche Regelung für das Abitur nach neun Jahren fordern jetzt einflussreiche Verbände. Die Ministerin hatte zuvor einige Ausnahmeregelungen vorgeschlagen.
Eine einheitliche Regelung für das Abitur nach neun Jahren fordern jetzt einflussreiche Verbände. Die Ministerin hatte zuvor einige Ausnahmeregelungen vorgeschlagen. Foto: dpa

Damit wischen sie einen Teil des von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP ) vorgelegten Gesetzentwurfs vom Tisch: Sie lehnen die geplanten Ausnahmeregelungen ab, wonach einzelne Schulen das Turbo-Abitur beibehalten und sogar neu gegründete Schulen sich dafür entscheiden dürfen. Das gefährde das Ziel, die viele Jahre emotional geführten Diskussionen über G8 zu befrieden. An Gebauer appellieren die neun Verbände, „auf die Schaffung von Wahl- und Wechselmöglichkeiten vollständig zu verzichten“.

Es ist ein schwergewichtiges Bündnis, das sich zu dieser nachdrücklichen Stellungnahme zusammengeschlossen hat: Neben Städte- und Gemeindebund sowie dem Landkreistag gehören die Direktorenvereinigungen aus dem Rheinland und Westfalen-Lippe, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der Deutsche Gewerkschaftsbund, die Landeselternkonferenz und die Landeselternschaft der Gymnasien zu den Unterzeichnern. Die von CDU und FDP beschlossene Leitentscheidung für die Rückkehr zu G9 akzeptieren sie indes.

Ihre Ablehnung von G8-Ausnahmen begründen die Organisationen mit dem hohen Aufwand für ein Gymnasialsystem mit zwei Subtypen. Das untermauern sie mit Rückmeldungen, wonach sehr viel weniger als die erwarteten zehn Prozent der Gymnasien überhaupt bei G8 bleiben wollen.

Als Alternative schlagen die Verbände vor: Wenn Eltern von leistungsstarken Schülern für ihr Kind schon eine Abiturprüfung nach acht Jahren wollten, könne das durch eine „institutionalisierte Überholspur“ bei G9 gewährleistet werden. Die SPD-Fraktion unterstützte den Appell: „Wir fordern die Landesregierung auf, die Stellungnahme ernst zu nehmen“, sagte der schulpolitische Sprecher Jochen Ott.

Für die schwarz-gelbe Koalition ist das Papier doppelt pikant: Zum einen wird es für die Ministerin schwer, sich darüber hinwegzusetzen. Die überraschend geringe Zahl von G8-Schulen könnte ihr ein Umschwenken ermöglichen. Zudem öffnet das Papier die dritte Baustelle, an der CDU und FDP auf starken Widerspruch stoßen. Der hat sich bereits gegen die Abstandsregel von 1500 Metern für Windräder und die Ausweitung der verkaufsoffenen Sonntage formiert. Dass das Papier kurz vor Weihnachten kommt, ist indes kein unfreundlicher Akt: In dieser Woche endet die Frist für Stellungnahmen zu Gebauers G9-Entwurf. „Wir werden uns das jetzt ansehen und die Argumente abwägen“, erklärte ein Sprecher des Schulministeriums.

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