Designierte Bundesminister
Münsterländer Politiker Karliczek und Spahn freuen sich auf neue Aufgaben

Berlin -

Erste Reaktionen der designierten Bundesminister aus dem Münsterland: Der Ahauser Jens Spahn freut sich riesig darauf, das Gesundheitsressort zu übernehmen, die Tecklenburgerin Anja Karliczek musste eine lange Bahnfahrt zu ihrer Berufung als Bundesbildungs- und Forschungsministerin schweigen.   

Montag, 26.02.2018, 10:02 Uhr

Designierte Bundesminister: Münsterländer Politiker Karliczek und Spahn freuen sich auf neue Aufgaben
Jens Spahn ist beim CDU-Bundesparteitag in Berlin ein gefragter Gesprächspartner. Foto: Norbert Tiemann

Strahlendes Lächeln, souverän stellt sie sich dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Eine Traube von Menschen begleitet Anja Karliczek auf jedem Meter, den sie in der Kongresshalle des CDU-Bundesparteitages in Berlin in ihrem dunkelblauen Hosenanzug zu gehen versucht. Anja wer? Die 46-jährige Tecklenburgerin, aktuell Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU /CSU-Bundestagsfraktion, steht im bundesweiten Rampenlicht, seit Bundeskanzlerin Angela Merkel sie am Sonntagabend zur designierten neuen Bundesbildungsministerin nominiert hat.

Im Gespräch mit unserer Zeitung wehrt die Brochterbecker Hotelierstochter eine Gratulation ab. "Herr Tiemann, das ist eine Chance, zurzeit noch nicht mehr." Ob sie gut geschlafen hat? "Ja, ziemlich gut."

"Einmalige Chance"

Auf die Frage, seit wann sie von den Überlegungen Merkels ihre Person betreffend wusste, lächelt sie verschmitzt. "Seit dieser Woche." Und dann? "Ich habe mir natürlich Bedenkzeit erbeten - und meinen Mann zu Hause angerufen." Und dann? "Wir haben festgestellt, dass es wieder eine einmalige Chance ist wie damals." Damals? "Als ich 2013 die Kandidatur für den Bundestag schaffte. Und die neue Aufgabe, die auf mich wartet, sehen wir wieder als eine solch einmalige Chance." Und wie sind Sie mit ihrem Mann verblieben? " Er hat gesagt, mach es!"

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Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel (M) stellt sich mit den CDU-Ministern und Staatssekretären im Kabinett einer möglichen neuen großen Koalition für ein Gruppenfoto: (v.l.) Hendrik Hoppenstedt (Staatsminister für die Zusammenarbeit von Bund und Ländern), Anja Karliczek (Ministerin für Bildung und Forschung), Annegret Kramp-Karrenbauer (Generalsekretärin), Peter Altmaier (Wirtschaftsminister), Ursula von der Leyen (Verteidigungsministerin), Jens Spahn (Gesundheitsminister), Julia Klöckner (Agrarministerin), Helge Braun (Kanzleramtsminister), Monika Grütters (Staatsministerin für Kultur und Medien) und Annette Widmann-Mauz (Staatsministerin für Integration im Kanzleramt) Foto: Laurence Chaperon/CDU/dpa

Auf der sonntäglichen Zugfahrt aus dem Münsterland nach Berlin bewahrte sie Stillschweigen. "So war es schließlich vereinbart...", erzählt Anja Karliczek. Und die neue Aufgabe? "Frau Wanka hinterlässt ein gut bestelltes Haus. Ich werde nicht müde werden, alles zu erfragen, was ich wissen muss."

Keine leichte Aufgabe

Kaum weniger bedrängt von Kameras und Journalisten bahnt sich der Ahauser Jens Spahn den Weg zu seinem Delegierten-Platz. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium soll, sollte es zur GroKo kommen, neuer Bundesgesundheitsminister werden. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Spahn, dass er sich riesig freue, obwohl die Aufgabe ist nicht ganz einfach ist. Spahn: "Sie birgt Chancen und Risiken. Aber ich kenne mich im Thema immerhin ziemlich gut aus. Das wird schon. Grüßen Sie mir das Münsterland." 

Jens Spahn vorerst am Ziel

Seine Karriere plante Jens Spahn genau, wohl von Kindesbeinen an – das Ziel der höheren politischen Weihen immer im Blick. Vorsitzender des BDKJ, von 1999 bis 2006 Chef der Jungen Union im Kreis Borken. 2005 übernahm der heute 37-Jährige den Kreisverband der Borkener CDU, der auch im Bezirksverband der CDU-Münsterland ein gehöriges Machtzentrum ist. Eine solide Machtbasis, ein sicherer Wahlkreis dazu: 2002 zog der gebürtiger Ahauser erstmals als jüngster Abgeordneter der CDU in den Bundestag, verteidigte sein Mandat seitdem immer wieder mit Wahlergebnissen von 50 plus. Mit Fleiß und Akribie arbeitete er sich auf der Bundesebene in das schwierige Thema Gesundheitspolitik ein, wurde 2009 gesundheitspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Spahn, der seine Homosexualität vor einigen Jahren öffentlich machte und jetzt mit einem Berliner Journalisten verheiratet ist, setzte erste Nadelstiche in Richtung der Parteispitze. Die 2008 geplante Rentenerhöhung nannte er ein „Wahl-Geschenk für Rentner“. Und er bediente das konservative Klientel mit Forderungen nach einem Islamgesetz inclusive eines Verbots von „Import-Imanen“. Auf dem Parteitag 2016 wagte er die offene Konfrontation mit Angela Merkel, als Spahn sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft aussprach. Spahn war seitdem sehr häufig in Talkshows zu sehen, wurde von Bundes-Finanzminister Wolfgang Schäuble im gleichen Jahr zum Finanzstaatssekretär ernannt. Auch hier arbeitete sich der studierte Betriebswirt schnell in die Materie ein. Jetzt also die Krönung mit der Berufung zum Gesundheitsminister – vorerst. Frank Polke

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Anja Karlizcek - Steile Karriere von Tecklenburg nach Berlin

Die 47-Jährige ist erst seit fünf Jahren im Bundestag, hat sich aber seitdem fachliches Ansehen nicht nur in der Fraktion erworben. Seit Januar 2017 ist die CDU-Politikerin aus dem Kreis Steinfurt parlamentarische Geschäftsführerin der CDU-Bundestagsfraktion. Die Fraktion hatte bei Merkel offenbar vor der Benennung der Minister darauf gedrungen, für das Amt der Bildungsministerin auch eine „Frau aus der Fraktion“ zu berücksichtigen, keine Seiteneinsteigerin. Karliczek wurde 1971 in Ibbenbüren geboren. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau arbeitete die dreifache Mutter, die mit einem Piloten verheiratet ist, seit 1994 im familieneigenen Hotel Teutoburger Wald im Management. Über die Arbeit bei der Frauen-Union kam Karliczek, die an der Fernuniversität noch ein Studium der Betriebswirtschaftslehre absolvierte, in die Kommunalpolitik in Tecklenburg. Bei der Bundestagswahl 2013 gewann sie für die CDU den Wahlkreis Steinfurt III. Als ihren politischen Schwerpunkt bezeichnet sie selbst die Arbeits- und Sozialpolitik, ihre Berufung zur Bundesbildungsministerin kommt daher einigermaßen überraschend. Karlizcek gilt auch als Vertraute des einflussreichen CDU-Bezirkschefs Karl-Josef Laumann, der selbst aus dem Kreis Steinfurt stammt. Frank Polke

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