Erste Hilfe in der Grevener Josefschule
Keiner hat Angst zu helfen

Greven -

Was tun, wenn die Klassenkameradin einen Unfall hat? Die Kinder der Josefschule wissen Bescheid. „Wir helfen dir“, boten sie auch unserer Reporterin an.

Freitag, 02.03.2018, 05:03 Uhr

Hermann Hörst mit Kindern beim Üben an einer Puppe.
Hermann Hörst mit Kindern beim Üben an einer Puppe. Foto: Vera Brüssow

„Was müsst ihr als Erstes prüfen, wenn jemand bewusstlos ist?“, fragt Hermann Hörst. Die Kinder überlegen nicht lange, da schnellen die ersten Finger nach oben. Ein Mädchen verrät: „Wir müssen die Atmung prüfen und den Kopf überstrecken.“

Goldrichtig, wie Hörst vom Malteser Hilfsdienst bestätigt. Der Kopf muss überstreckt werden, damit die Zunge nicht in den Rachen rutscht und der Patient erstickt. Zuerst üben die Kinder der Josef-Grundschule an Puppen, danach in Zweier-Teams.

Das Szenario: Ein Kind ist beim Rennen auf den Schulhof die Treppe hinuntergefallen und bleibt bewusstlos liegen. Die Ersthelfer, die in der Erste-Hilfe-AG in der Josef-Grundschule ausgebildet werden, sind im Pauseneinsatz mit einer Erste-Hilfe-Tasche unterwegs.

Kinder helfen Kindern. Ihre Tasche ist mit Pflastern, Verbandszeug und einem Teddybären zum Trösten ausgestattet. Seit drei Jahren lernen die 16 Kinder in der AG alle zwei Wochen die Grundlagen der Ersten Hilfe kennen. Ihre Lehrerin Elisabeth Zitzen wird dabei von Hermann Hörst vom Malteser Hilfsdienst unterstützt.

Hörst bringt die Unfallpuppen mit, an den die Kinder der dritten und vierten Klassen üben können. „Wie heißen die Puppen?“, fragt Hörst. „Max, Moritz und Leon“ sind die Antwort. Nach der Neuanschaffung des Defibrillators für die Grundschule steht in dieser Unterrichtsstunde der Umgang mit diesem Gerät auf dem Plan. Ein Defibrillator, kurz Defi, wird eingesetzt, wenn das Herz in eine lebensgefährliche Rhythmusstörung gerät.

Der Defi stellt mittels Elektroschocks den normalen Herzrhythmus wieder her. Die Kinder üben anhand der Puppe Moritz, nachdem sie festgestellt haben, dass er bewusstlos und ohne Atmung ist. Moritz liegt auf einer schwarzen Matte, auf einem harten Untergrund, das ist wichtig, wie Hörst erklärt.

Zuerst wird der Defi eingeschaltet, dieser gibt durch elektronische Ansagen vor, was zu tun ist. „Bitte entfernen sie alle Kleidungsstücke im Brustbereich“, „Kleben Sie die weißen Elektroden wie abgebildet auf“.

Im Ernstfall liegt vielen Defis ein Einwegrasierer bei, damit bei Männern bei Bedarf die Brusthaare rasiert werden können. Somit kleben die Elektroden besser.

Sollte der Defi bei Patienten ein Kammerflimmern feststellen, werden Elektroschocks abgegeben. Auch bei Moritz ist dies der Fall. „Bitte halten Sie Abstand vom Patient. Wir setzen einen Schock frei“, sagt das Gerät.

Spätestens jetzt sollte unbedingt der Notruf verständigt werden. Hörst zeigt den Jungen und Mädchen der AG die Herzdruckmassage: „Dreißig Mal drücken, zwei Mal beatmen. Und ganz wichtig, vorher den Kopf überstrecken.“

Durch die Herzdruckmassage kann der Restsauerstoff im Blut zirkulieren. Dadurch wird die Überlebenswahrscheinlichkeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes entscheidend erhöht. Der Defi der Josef-Grundschule hat einen Kinderschlüssel, dieser fährt die Leistung zurück, da der normale Defi für Personen ab acht Jahren oder 25 kg ausgelegt ist.

Jede Frage können die Kids sofort problemlos beantworten. Nach einer theoretischen Einheit von Hörst oder Lehrerin Zitzen sind die Kinder an der Reihe, um Gesagtes direkt praktisch umzusetzen. Am liebsten möchte jeder mal dran kommen und sein Können unter Beweis stellen, da fällt die Wahl schon manchmal schwer, wenn sich alle Kids melden. „Es steht vor allem der soziale Aspekt im Vordergrund. Wir fördern Verantwortung und Hilfsbereitschaft der Kinder“, so Zitzen.

An der Josefschule hat keiner Angst zu helfen, das merkt die Reporterin, als ein Mädchen zu mir sagt: „Sollte dir hier was passieren, dann helfen wir sofort.“ An der Josef-Grundschule sind die Kinder für den Ernstfall gewappnet: Als Ersthelfer auf dem Schulhof während der Pausen, beim Ausführen der stabilen Seitenlage und im Umgang mit dem Defi macht ihnen keiner etwas vor. „Mit dem Malteser haben wir einen perfekten Partner gefunden“, sagt Schulleiterin Anne Sprakel.

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