Internationaler Frauentag 2018
#MeToo könnte vieles bewirken

Münster -

Über Jahre, ja eigentlich Jahrzehnte war der Internationale Frauentag eine Domäne von einzelnen Kämpferinnen und Mahnerinnen wie Alice Schwarzer, die Gleichberechtigung und Respekt für Frauen in allen Bereichen des Alltags verlangten. 40 Jahre nach der 68er-Bewegung erschienen die Forderungen abgegriffen. Empörung entzündete sich allenfalls an der Tatsache, dass Frauen noch immer weniger Lohn für die gleiche Arbeit erhalten.

Donnerstag, 08.03.2018, 06:03 Uhr

Hunderte Frauen nehmen im südkoreanischen Seoul im Vorfeld des Internationalen Frauentages an einer Demonstration teil. Die Kundgebung soll die „#MeToo“-Bewegung unterstützenDie Schauspielerinnen (v.l.) Ashley Judd, Annabella Sciorra und Salma Hayek sorgten bei der Oscar-Gala für den Gänsehaut-Moment.
Hunderte Frauen nehmen im südkoreanischen Seoul im Vorfeld des Internationalen Frauentages an einer Demonstration teil. Die Kundgebung soll die „#MeToo“-Bewegung unterstützenDie Schauspielerinnen (v.l.) Ashley Judd, Annabella Sciorra und Salma Hayek sorgten bei der Oscar-Gala für den Gänsehaut-Moment. Foto: dpa

Doch in den vergangenen Monaten erschütterte der Missbrauchsskandal um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein und andere Filmgrößen nicht nur die USA. Die Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen durch Männer, die ihre Machtposition ausnutzen, ist ein weltweites Problem. Der Frauentag 2018 steht ganz im Zeichen des Hashtags (#) „MeToo“ („Ich auch“) – unter dem Frauen rund um den Globus erstmals öffentlich über ihren Missbrauch berichten und andere Frauen ihre Solidarität mit den ­Opfern bekunden.

Das US-Magazin „Time“ kürte die „#MeToo“-Bewegung zur „Person des Jahres“. Das Cover zierten nicht nur berühmte Frauen, man sah auch den Ellbogen einer Unbekannten – einer Krankenschwester, die aus Angst um ihren Arbeitsplatz anonym bleiben wollte. Sie war ­Symbol für die Millionen von Frauen, die Opfer von sexuellen Übergriffen sind.

Hashtag "Metoo"

Der „#MeToo“ wurde bereits 2006 von der Aktivistin Tarana Burke in dem damals populären Sozialen Netzwerk MySpace verwendet, und zwar im Rahmen einer Kampagne, deren Ziel es war, Bestärkung durch Empathie unter afroamerikanischen Frauen zu fördern, die Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch gemacht hatten. Burke, die 2017 an einem Dokumentarfilm mit dem Titel „Me Too“ arbeitete, sagte, dass sie durch die Geschichte eines 13-jährigen Mädchens angeregt worden sei, den Hashtag zu verwenden. Das Mädchen habe schon in diesem Alter Erfahrungen mit Missbrauch gemacht.

...

Vor allem aber erschüttert „#MeToo“ die Filmszene. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung war das Thema besonders präsent. Für den Gänsehaut-Moment sorgten die drei Schauspielerinnen, die den Stein der „#MeToo“-Debatte ins Rollen gebracht hatten: Ashley Judd, Annabella Sciorra und Salma Ha­yek betonten noch einmal, wie wichtig die Diskussion um sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch sei. Sciorra, die Harvey Weinstein der Vergewaltigung beschuldigt, freute sich darüber, „zurück zu sein“. Viele Jahre hatte sie zurückgezogen und in Angst davor gelebt, der einst mächtige Produzent könne sie vernichten, falls sie die Wahrheit über ihn erzählen würde.

Die „#MeToo“-Diskussion könnte auch jenseits der illustren Filmwelt Veränderungen bewirken. Denn es geht um Menschen und ihre Machtdemonstrationen, die jedes Maß verloren haben. Es geht um Rollenbilder, um Strukturen – und um Schweigekartelle. Im familiären Umfeld, aber auch im Sport, in der Jugendarbeit, der Kirche und am Arbeitsplatz. Laut einer Studie des Bundes wissen beispiels­weise über 80 Prozent der Beschäftigten hierzulande nicht, dass ihr Arbeitgeber verpflichtet ist, sie aktiv vor sexueller Belästigung zu schützen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5574368?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F199%2F
Unbekannte bringen "Movie Money" in Umlauf
Falschgeld: Unbekannte bringen "Movie Money" in Umlauf
Nachrichten-Ticker