Türmerin Martje Salje interpretierte Chansons von Edith Piaf
Tragödie eines kurzen Lebens

Münster-Wolbeck -

Edith Piaf fasziniert auch noch 55 Jahre nach ihrem Tod: Über Besucher kamen zu der Sonderveranstaltung der Awo, bei der sich alles um den „Spatzen von Paris“ drehte.

Freitag, 16.03.2018, 22:03 Uhr

Ein gelungener Nachmittag für die über 70 Besucher, die sich für das ausschweifende Leben Edith Piaf’s interessierten. Türmerin Martje Saljè interpretierte in Begleitung von Sebastian Altekamp ihre Chansons.
Ein gelungener Nachmittag für die über 70 Besucher, die sich für das ausschweifende Leben Edith Piaf’s interessierten. Türmerin Martje Saljè interpretierte in Begleitung von Sebastian Altekamp ihre Chansons. Foto: hk

Die Tragödie ihres kurzen Lebens ahnend, sang sie das Lied, das der junge Charles Dumont ihr auf den Leib geschrieben hatte und sie damit unsterblich machte „Non, je ne regrette rien“. Es war ein Leben voller Höhen und Tiefen, voller Abstürze, aus denen sie immer wieder herauszukommen versuchte und dennoch ihrem ausschweifenden Leben Tribut zahlen musste. Sie wurde nur 48 Jahre alt.

Edith Piaf , die eigentlich Edith Giovanna Gassion hieß, fasziniert auch 55 Jahre nach ihrem Tod: Über 70 Besucher waren der Einladung der Awo in das Pfarrheim St. Niko-aus gefolgt. Noch dazu, wenn Münsters Türmerin Martje Saljè ihre eigenen Interpretationen der Piaf’schen Chansons in Begleitung des Pianisten Sebastian Altekamp zu Gehör brachte. Ausdrucksvoll ihre Stimme, beeindruckend ihre Vorstellung, überraschend, wie vielseitig eine Türmerin sein kann, ein Aushängeschild Münsters. Der Applaus war ihr sicher.

„Je vois la vie en rose“, das Leben Edith Piaf’s war alles andere als auf Rosen gebettet. Ihre Kindheit verbrachte sie im Bordell, bis ihr Vater, ein Schlangenmann, sie mit auf Straßentournee nahm. Mit 15 Jahren schaffte sie es, sich von dem gewalttätigem Alkoholiker freizumachen und floh nach Paris und machte vorerst Bekanntschaft mit der Unterwelt. Sie sang auf der Straße, lebte wie ein Clochard.

Als „Spatz von Paris“ gelang der nur 148 Zentimeter großen Frau der Eintritt ins Showgeschäft, sang im Kabarett. Ihr Entdecker, Louis le Plait, wurde später ermordet, man gab ihr eine Mitschuld, worauf sie für zwei Jahre aus Paris floh.

Erst Roman Assot holte sie aus der Unterwelt und manag­te sie bis zu ihrem Tode, was einzigartig war. Denn kaum ein Mensch hielt es lange an der Seite der so schwierigen Frau aus.

Edith Piaf’s ganz große Jahre kamen in den 1950er Jahren. Jedoch, als ihre Liebe, der Profiboxer Marcel Cerdan bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, ist sie in ein tiefes Loch gefallen, aus dem sie nie wieder richtig herauskam. „Für einen Menschen, der nicht gefestigt ist, ist die Belastung durch den Verlust eines Partners extrem“, sagte Rainer Wagner, der den Nachmittag moderierte.

Alkohol und Morphium trieben sie gänzlich in den Ruin. Die Zusammenbrüche auf der Bühne häuften sich. „Obwohl Edith Piaf die absolute Topnummer war, konnte ihre Gesundheit nicht mehr Schritt halten mit ihrem Erfolg“, so Rainer Wagner.

Ihr um zwanzig Jahre jüngerer Mann Theo überlebte sie nur wenige Jahre, beide sind nebeneinander begraben. „Das Frauenbild, das Edith Piaf abgab, passte nicht in die damalige Zeit. Sie machte das, was man normalerweise nicht macht“, erklärte Wagner.

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