Windkraft-Ausbau flaut stark ab
Das Ende der rosigen Zeiten

Düsseldorf -

Es ist eine glänzende Bilanz für Freunde grünen Stroms: Mit 312 neuen Windkraftanlagen von zusammen 868 Megawatt Leistung war 2017 für NRW ein Rekordjahr. Allerdings absehbar wohl das letzte, kippte am Montag der Vorsitzende des Landesverbandes Erneuerbare Energien, der frühere Grünen-Fraktionschef Reiner Priggen, viel Wasser in den Wein. „Dieses Ergebnis wird sich absehbar so nicht wiederholen, da die Rahmenbedingungen sich dramatisch verschlechtert haben“, mahnte er mit Blick auf die von der Landesregierung beschlossenen Einschränkungen für neue Windräder. In diesem Jahr werde der Ausbau um 50 Prozent einbrechen. Die anderen regenerativen Energieträger fangen es nicht auf.

Montag, 19.03.2018, 19:03 Uhr

Windräder bei Drensteinfurt: 2017 war ein Rekordjahr beim Ausbau der erneuerbaren Energien – nun steht ein Einbruch bevor.
Windräder bei Drensteinfurt: 2017 war ein Rekordjahr beim Ausbau der erneuerbaren Energien – nun steht ein Einbruch bevor. Foto: Dietmar Jeschke

Sie müssten es aber, wenn die neue Vorgabe der großen Koalition gilt, wonach 2030 der Ökostrom einen Anteil von 65 Prozent erreichen soll. Derzeit liegt er in NRW bei 12,5 Prozent, das Land rangiert im Ländervergleich an drittletzter Position. Um Schritt zu halten, müssten in NRW jedes Jahr je 800 Megawatt aus Solarenergie und aus Windkraft dazu kommen, rechnete Priggen vor. Wenn die Landesregierung es aber beim Mindest­abstand von 1500 Metern zwischen Windrädern und Wohnsiedlungen sowie beim Verbot für Anlagen in Wäldern belasse, verliere das Land den Anschluss: „Dann verabschiedet sich Nordrhein-Westfalen als Energieland Nummer eins.“►  Regionen: Zu spüren bekämen den von Priggen prognostizierten Einbruch insbesondere das Münsterland und Ostwestfalen-Lippe, wo die Energiewende am weitesten fortgeschritten ist. Von 11 350 Megawatt aus erneuerbaren Energien sind mit 28 Prozent (3163) am meisten im Regierungsbezirk Münster installiert, Detmold folgt mit 24 Prozent (2702). Unter den Kommunen führt der Kreis Paderborn vor den Kreisen Borken und Steinfurt.►  Windkraft: Mit den 312 neuen sind 3583 Windräder mit mehr als 5400 Megawatt am Stromnetz. Vier Jahre Vorlauf brauche eine Anlage, Kontinuität sei darum für Investoren zentral, mahnte Priggen. Er sagte lange Gerichtsverfahren um den 1500-Meter-Abstand voraus. Jüngst hatte der Vorsitzende Richter am Oberverwaltungsgericht, Max-Jürgen Seibert, klar gemacht, dass diese Abstandsregel rechtlich kaum zu halten sei.►  Solarenergie: Der Ausbau von Solaranlagen läuft aus Sicht des Energieverbandes mit nur 195 Megawatt und fast 11 500 Anlagen weiterhin zu schleppend. Die Dächer in den Städten müssten genutzt werden – gerade für die E-Mobilität. Derzeit liefern rund 252 000 Anlagen 4600 Megawatt.

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