Amokfahrt in Münster
Kritik an politischer Instrumentalisierung im Netz

Münster -

Minuten nach der Bluttat in Münster am Samstagnachmittag gab es kaum gesicherte Erkenntnisse über den Täter oder das Motiv. In den sozialen Netzwerken dauerte es dennoch nur Minuten, ehe Hetzer die Tat instrumentalisierten. Das missfiel auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet. 

Sonntag, 08.04.2018, 15:04 Uhr

Amokfahrt in Münster: Kritik an politischer Instrumentalisierung im Netz
Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, kommt zusammen mit Herbert Reul (CDU), Innenminister in Nordrhein-Westfalen und Horst Seehofer (CSU, Bundesinnenminister) begleitet von Medienvertretern und Polizisten zum Tatort der Amokfahrt von Münster. Ihnen gegenüber kritisierte Laschet die Hetze im Netz. Foto: Marcel Kusch/dpa

Die ersten Nachrichten über die Amokfahrt in Münster haben stark an den Ablauf islamistischer Terrorattacken der Vergangenheit erinnert. Im Laufe des Samstages kristallisierte sich heraus, dass der deutsche Täter wohl mit anderem Motiv gehandelt hat. Doch in den sozialen Netzwerken war der Streit über die politische Instrumentalisierung der Tat längst in vollem Gange. Auch in den Kommentarspalten unserer Zeitung wurde die Debatte emotional und mitunter beleidigend geführt. Dies zeige, wie gespalten unsere Gesellschaft ist, schrieb ein User bei Facebook.

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der am Tag nach der Tat im Kiepenkerl-Viertel den Opfern gedachte, äußerte seinen Unmut über diejenigen, die „ganz schnell bei Twitter und anderswo wieder das Hetzen begonnen haben“.

Nach Amokfahrt in Münster: Seehofer und Laschet gedenken der Opfer

Für verärgerte Reaktionen hatte unter anderem die AfD-Politikerin Beatrix von Storch gesorgt, die kurz nach der Tat das Merkel-Zitat „Wir schaffen das“ in Großbuchstaben und dazu einen wütenden Emoji twitterte. Am Sonntag schrieb sie: „Ein Nachahmer islamischen Terrors schlägt zu. Und die Verharmlosungs- und Islam-ist-Vielfaltsapologeten jubilieren.“ Das zeige, dass die Gefahr von islamistischem Terror allen bewusst sei.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion Die Linke, Jan Korte, sagte dazu: „Wer nicht einfach mitfühlen und trauern kann, bei dem stimmt der Kompass der menschlichen Anständigkeit nicht.“ Wer solch eine Tragödie politisch instrumentalisiere, sei politisch und moralisch kaputt.

Nach der Amokfahrt in Münster

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  • Blumen werden am Tatort niedergelegt, Kerzen angezündet: Ein Mann war am 07.04. mit einem Kleintransporter vor der Gaststätte «Großer Kiepenkerl» in der Altstadt in eine Gruppe von Menschen gerast und hat zwei von ihnen getötet.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, läuft am Sonntagvormittag zum Tatort.

    Foto: Oliver Werner
  • Foto: dpa
  • Der Täter steuerte nach vorliegenden Informationen den Platz, der dann zum Tatort wurde, über  die Straßenachse Bogenstraße/Spiekerhof an. Normalerweise ist eine Zufahrt von dieser Seite aber nicht möglich, da Poller die Zufahrt versperren.

    Erreichbar ist der Platz am Kiepenkerl sowie die benachbarte Straße „Wegesende“ nur über eine kleine Stichstraße, die zwischen der  Apostelkirche und dem Eiscafé Macellum verläuft. Diese Stichstraße ist derzeit wegen Bauarbeiten aber gesperrt. Ersatzweise wurde der Platz am Kiepenkerldenkmal nach Süden, also zum Spiekerhof hin geöffnet.

    Foto: dpa
  • Ein Moment absoluter Stille.

    Foto: Oliver Werner
  • Schweigend legen Horst Seehofer, Armin Laschet, NRW-Innenminister Reul und Oberbürgermeister Lewe Blumen am Tatort nieder.

    Foto: dpa
  • Nationale und internationale Medien sind versammelt, um die Stellungnahmen der Politiker aufzunehmen.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Minister tragen sich ins Kondolenzbuch ein.

    Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Die Ermittlungen der Polizei nach der Amokfahrt in Münster dauern an. Das Tatfahrzeug wurde inzwischen entfernt. Am Tatort werden weiter Spuren gesichert. Foto: Oliver Werner
  • Foto: dpa
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  • Ein Moment absoluter Stille. Schweigend legen Horst Seehofer, Armin Laschet, NRW-Innenminister Reul und Oberbürgermeister Lewe Blumen am Tatort nieder.

    Foto: dpa
  • Foto: dpa
  • Auf fast allen Fußballplätzen in Münster fand am Sonntag eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer der Amokfahrt vom Samstag statt. Mehrere Mannschaften, wie etwa Westfalenligist 1. FC Gievenbeck, trugen einen Trauerflor. auf dem Bild sind die Kicker von Westfalia Kinderhaus vor der Partie gegen den TuS Recke am Anstoßkreis zu sehen. 

    Foto: Thomas Rellmann
  • Foto: dpa
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  • Maria Dickmann: Ich habe heute die Stille in der Lamber-tikirche gesucht und Kerzen aufgestellt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Hermann-Josef Danicki: Man darf nicht immer im Bewusst-sein haben, woher wohl das nächste Auto kommt.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Johanna Markmann: Ich bin das erste Mal seit Samstag in der Stadt. Es ist ein mulmiges Gefühl.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Ali Zandi: Wenn ich mit dem Taxi dort vorbeifahre, werde ich immer daran denken.

    Foto: Kristian van Bentem
  • Gemischte Gefühle hat Dr. Rainer Zirbeck bei seiner Kaffeepause vor einem Café am Drubbel.

    Foto: Gabriele Hillmoth

Armin Laschet betonte während seines Besuchs in Münster, dass die Religion der Täter den Opfern egal sei. Sie hätten einen Menschen verloren. „Und diesen Respekt sollte man immer im Blick haben.“

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