Sieben Jahre Syrien-Krieg
Wer kämpft gegen wen – und warum?

Münster -

Gewalt, Tod, Brutalität: Seit sieben Jahren herrscht Krieg in Syrien. Ausgangspunkt war eigentlich der Arabische Frühling, der nach Tunesien, Ägypten und Libyen auch Syrien erreichte. 

Freitag, 13.04.2018, 13:10 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 13.04.2018, 12:42 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 13.04.2018, 13:10 Uhr
Sieben Jahre Syrien-Krieg: Wer kämpft gegen wen – und warum?
Damaskus: Rauch steigt nach dem Einschlag einer Rakete der syrischen Armee über Duma auf. Foto: dpa

Es gab Proteste im Süden des Landes gegen das Assad-Regime , auch in Damaskus gingen Menschen auf die Straße. Doch der Diktator reagierte darauf mit brutaler Gewalt. Im Sommer 2011 gründen Oppositionelle die Freie Syrische Armee , die heute allerdings kaum noch Bedeutung hat.

Der Krieg ist längst nicht mehr als einfacher Kampf der Rebellen gegen Assad zu beschreiben. Die Oppositionellengruppen sind zersplittert und haben völlig unterschiedliche, teils radikale Ziele. Mit dem Islamischen Staat (IS) und dessen Kampf um ein Terrorkalifat wurde der Krieg um eine schreckliche Dimension erweitert. Die Gefahr ist inzwischen gebannt, der IS so gut wie geschlagen.

Doch durch den Eintritt Russlands 2015 und die massiven Luftangriffe Moskaus hat Assad machtvolle Schützenhilfe erhalten. Syrien ist nach und nach Schauplatz eines Stellvertreterkriegs der Großmächte geworden, wie die verbalen Auseinandersetzungen zwischen US-Präsident Donald Trump und Russland zeigen. Die Rebellen werden zudem von Regionalmächten teils massiv unterstützt.

Der Konflikt in Syrien

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  • USA

    Die USA führen seit Barack Obama eine Allianz gegen die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak, zu der auch arabische Staaten gehören. Sie schickten immer wieder militärische Berater und Soldaten nach Syrien. Durch die Luftangriffe Russlands ist für die USA ein Wettkampf mit Moskau um Einfluss in Syrien entstanden. Trump wollte zunächst US-Truppen zurückziehen, der Einsatz sei zu teuer, zudem sei der IS besiegt. Nach dem mutmaßlichen Angriff mit Chemiewaffen auf Ost-Ghuta änderte er seine Haltung. Nun droht er Assad samt seinem Verbündeten Russland.

    Foto: Hussein Malla
  • Russland

    Russland hat sich zuerst vordergründig aus dem Syrien-Konflikt herausgehalten. Doch mit groß angelegten Luftangriffen gegen Rebellengruppen hat Moskau seit 2015 Assad die Macht gesichert. Das Ziel, Assad zu erhalten, teilt Moskau mit dem Iran, doch Kreml-Chef Wladimir Putin ist dabei die Erhaltung der schiitischen Achse egal. Auch der Kampf gegen den IS war für ihn lange nicht wichtig. Mit der Präsenz in Syrien hat Putin seinen Anhängern vielmehr bewiesen, dass Russland wieder eine globale Rolle spielen und den USA mindestens auf Augenhöhe begegnen kann.

    Foto: -
  • Assad-Regime Luftwaffe und Bodentruppen des Diktators Baschar al-Assad haben das Land seit 2011 mit Krieg überzogen. Er wollte von Anfang an die eigene Macht und die Privilegien der alawitisch-schiitischen Minderheit sichern, der der Assad-Clan angehört und die alle zentralen Institutionen kontrolliert. Er bezeichnete alle Oppositionsbewegungen als Terroristen. Das diente als Legitimation für den Einsatz der Armee und als Rechtfertigung für Kriegsverbrechen. An der Macht halten konnte er sich nach zwischenzeitlichen Gebietsverlusten schließlich nur mit russischer und iranischer Hilfe.

    Foto: Uncredited
  • Rebellen

    Vor allem sunnitische Deserteure schlossen sich im Sommer 2011 zur Freien Syrischen Armee (FSA, siehe Flagge) zusammen. Sie ist inzwischen unbedeutend geworden und kämpft mit zahlreichen islamistischen Gruppen nicht nur gegen Assad, sondern auch gegeneinander. Zugleich bildet sie auch vorübergehend regionale Bündnisse. Rebellenhochburgen – das sind inzwischen in erster Linie Regionen, in denen radikalislamistische Gruppen das Sagen haben. Unrühmlich von sich reden machte dabei besonders die Al-Nusra-Front – ursprünglich ein Al-Kaida-Ableger.

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  • IS

    Die Terrormiliz IS hat bei ihrem Siegeszug 2014 große Gebiete im Nordirak und in Syrien eingenommen, in denen sie dann ein Kalifat ausrief. Nach einem jahrelangen Krieg ist sie nun militärisch am Ende. Nach Angaben der von den USA geführten Anti-IS-Koalition haben die brutalen Extremisten ihr ehemaliges Herrschaftsgebiet in Syrien und im Irak nahezu vollständig verloren. Dennoch ist der IS ideologisch noch nicht besiegt. Weiterhin versuchen sich Freiwillige ihm anzuschließen, sie hätten bei der Anreise über die Türkei aber Schwierigkeiten, meldet der Sender Al-Jazeera.

  • Kurden

    Die syrischen Kurden konnten unter Assad lange Zeit weitgehend unbehelligt leben. Sie führten im Krieg dann als amerikanische Verbündete dramatische Schlachten gegen die IS-Terrormiliz in der Grenzregion zur Türkei. Die Kurdenmiliz YPG ist mit der in der Türkei und im Westen verbotenen und als Terror-Organisation eingestuften kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden und wird deshalb von türkischen Bodentruppen und der Luftwaffe angegriffen. Hilfe in ihrem Unabhängigkeitskampf erhalten die Kurden aus Israel. Dort leben Hunderttausende jüdische Kurden.

    Foto: dpa/Sedat Suna/Archiv
  • Türkei

    Die Türkei ist gegen das Assad-Regime und gegen die Etablierung eines Kurdenstaates im Norden Syriens. Denn der türkische Einfluss auf die Region soll um jeden Preis gesichert werden. Das Ziel war ursprünglich der Sturz Assads. Die Türkei ließ deshalb IS-Kämpfer über die Grenze nach Syrien ziehen. Dann wurde die Türkei selbst vom Islamischen Staat bedroht. Das Nato-Mitglied beteiligte sich nun an internationalen Luftschlägen gegen den IS. Priorität hat derzeit die Niederschlagung der Kurden. Am 18. März verkündete Erdogan die Einnahme der syrisch-kurdischen Stadt Afrin.

    Foto: Hussein Malla
  • Israel

    Lange Zeit setzte Israel auf eine friedliche Koexistenz mit Assad nach dem Motto: Besser ein kalkulierbarer Diktator als Nachbar als unkalkulierbare Rebellen an der Macht. Inzwischen sieht Israel die Lage anders: Der massive Einsatz des Irans und der verbündeten schiitischen Hisbollah für Assad in der Grenzregion bereitet Israel große Sorgen. Israel hat bereits rund 100 Angriffe in Syrien geflogen, um Waffenlieferungen an Hisbollah zu unterbinden. Israel hilft daneben den Kurden in ihren Unabhängigkeitsbestrebungen. Die Verbundenheit ist eng: In Israel leben viele jüdische Kurden.

    Foto: Jinipix
  • Saudi-Arabien

    Saudi-Arabien und viele Golfstaaten haben das Ziel, Syrien aus der schiitischen Achse herauszubrechen und den Einfluss des Irans zu schwächen. Gegen die syrische Armee hat Saudi-Arabien deshalb diverse sunnitische Rebellen- und Islamistengruppen aufgerüstet und zu Zusammenschlüssen ermuntert. Auch der sunnitische IS soll aus Saudi-Arabien mit Geld unterstützt worden sein. Das Regime hat erklärt, damit nichts zu tun zu haben und fühlt sich jetzt selbst vom IS bedroht. Es ist deshalb nun Teil der von den USA geführten Anti-IS-Koalition geworden, kooperiert sogar mit Israel.

    Foto: Rainer Jensen
  • Iran

    Der Iran hat eine jahrzehntelange Partnerschaft mit dem syrischen Regime. Die schiitische Achse reicht vom Libanon mit der Hisbollah-Miliz über das alawitische Assad-Regime bis nach Teheran. Und sie geht noch weiter zu kleineren schiitischen Gruppen in den Golfstaaten bis nach Jemen. Als verlängerter Arm Teherans hat sich die libanesische Hisbollah in Syrien zu einer der stärksten Mächte entwickelt. Ihre Truppen kontrollieren wichtige Teile des Landes. Unterstützt wird sie von iranischen Kräften, die dort offiziell als „Militärberater“ im Einsatz sind.

    Foto: Abedin Taherkenareh

Die Bilanz spiegelt die grausamen Realitäten:

► Mehr als 400 000 Menschen sind getötet worden, 5,5 Millionen sind ins Ausland geflohen, noch mehr im eigenen Land vertrieben.

„Nach sieben Jahren Krieg und Bürgerkrieg in Syrien hat sich so etwas wie ein internationaler Konsens eingestellt, dass der Krieg zu Ende gebracht werden sollte. Nur von Frieden spricht niemand“, bilanziert Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Solange eine politische Einigung unerreichbar ist, bleibt das wichtigste Ziel für die internationale Gemeinschaft, die Kämpfe einzustellen, Belagerungen und Blockaden aufzulösen. Perthes warnt: „Werden bewaffnete Gruppen weiter ermutigt oder sogar aufgerüstet, kann dies den Krieg verlängern.“

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