„Ich glaube an Mandelas Vision“
Obama-Rede in Johannesburg zu Ehren des Friedensnobelpreisträgers

johannesburg -

Nelson Mandela wird in Südafrika mit religiöser Ehrfurcht als Vater der Nation verehrt. Jahrzehnte seines Leben hat er dem Kampf gegen das rassistische Apartheidregime gewidmet, dann predigte er Versöhnung mit den Weißen und baute das Land als erster demokratisch gewählter Präsident aus den Ruinen der Rassendiskriminierung wieder auf. Doch trotz der historischen Verdienste des Friedensnobelpreisträgers, der am Mittwoch 100 Jahre alt geworden wäre, herrscht inzwischen vor allem bei der schwarzen Bevölkerungsmehrheit in Südafrika große Ernüchterung.

Mittwoch, 18.07.2018, 07:15 Uhr

Barack Obama, erster afroamerikanischer Präsident der USA, hielt seine Rede auf der Bühne im Wanderers Stadium neben einem Porträt von Nelson Mandela.
Barack Obama, erster afroamerikanischer Präsident der USA, hielt seine Rede auf der Bühne im Wanderers Stadium neben einem Porträt von Nelson Mandela. Foto: AFP

Vor dem Gesetz sind jetzt alle Menschen gleich – doch was Wohlstand und Bildungschancen angeht, ist die weiße Minderheit nach wie vor viel besser gestellt. Diese Realität spiegelt sich auch in den Straßen der Wirtschaftsmetropole Johannesburg, in der die Villen der Reichen und die Wellblechhütten der Ärmsten oft nur Kilometer voneinander entfernt sind. Im südwestlichen Township Soweto etwa, jenem Armenviertel, in dem einst auch Mandela wohnte, leben bis heute viele Familien in Hütten von der Größe eines deutschen Kinderzimmers. Mancherorts teilen sich Dutzende Anwohner einen Wasserhahn zum Waschen und Kochen. Auf vielen Straßen flitzen Ratten zwischen Müllhaufen, Kinder spielen im Dreck.

In einer Rede zu Ehren Mandelas sagte der frühere US-Präsident Barack Obama am Dienstag, der Kampf gegen Ungleichheit und Diskriminierung müsse stets weitergeführt werden. Mandela habe Millionen Menschen inspiriert, sich für eine bessere und gerechtere Welt einzusetzen – und das sogar aus seiner Gefängniszelle heraus. „Der Kampf um Gerechtigkeit ist nie vorüber“, sagte Obama in einem Sportstadion in Johannesburg vor Tausenden Zuschauern.

Obama befand, es sei traurig, dass er 100 Jahre nach Mandelas Geburtstag angesichts des zunehmenden Populismus in der Welt immer noch betonen müsse, das alle Menschen gleich seien. „Schwarze, Weiße, Asiaten, Lateinamerikaner, Frauen und Männer, Schwule und Heterosexuelle – wir sind alle Menschen; was uns unterscheidet, ist oberflächlich.“ Wenn Menschen lernen könnten, einander zu hassen, dann könne man ihnen auch beibringen, einander zu lieben. „Ich glaube an Nelson Mandelas Vision“, sagte Obama.

In einer kaum versteckten Anspielung an den Politikstil von US-Präsident Donald Trump forderte Obama, Politiker müssten an Fakten glauben. Zum Gelächter des Publikums sagte er: „Ich dachte nie, dass ich ein großer Politiker sei, nur weil ich keine Sachen erfinde.“

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