Organspende: Pro und Contra
Ist die Widerspruchsregelung der richtige Weg?

Ist ein Systemwechsel der richtige Weg, um die Organspenderzahlen in Deutschland endgültig in die Höhe zu treiben? Das sagen unsere Redakteure zum Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), bis auf Widerspruch jeden volljährigen Deutschen automatisch zum Organspender zu machen:

Montag, 03.09.2018, 19:08 Uhr
Organspende: Pro und Contra: Ist die Widerspruchsregelung der richtige Weg?
Foto: dpa

Pro: Mut zum Ausweg

Sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, ist nicht angenehm. Aber es ist notwendig. Dazu genügt ein Blick auf die nackten Zahlen. In Deutschland hat es im ver­gangenen Jahr 797 Organspenden gegeben – das sind weniger als zehn Spender pro eine Million Einwohner. Zugleich warten mehr als 10 000 Menschen auf ein Spenderorgan.

Viele Nachbarländer, die mit ähnlichen Zahlen konfrontiert waren, haben den Mut gefunden, einen Ausweg zu suchen. Zuletzt sind die Niederlande dem Weg gefolgt, den Frankreich und 20 weitere Länder in Europa aufgezeigt haben. Dort wird jeder volljährige Bürger automatisch als Organspender registriert. Wer das Verfahren ablehnt, muss und kann das zu Lebzeiten kundtun.

In Frankreich ist die Zahl der Organspenden um 25 Prozent gestiegen. Würde es gelingen, diese Entwicklung auf die Bundesrepublik zu übertragen, hätten im vergangenen Jahr 200 Leben gerettet werden können. Womöglich lässt sich die Zahl sogar übertreffen – schließlich besitzt nur jeder dritte Deutsche einen Organspendeausweis. Auch wer sich nicht mit dem Tod auseinandersetzt, könnte künftig Leben retten. Oder einfach widersprechen.

Andreas Fier

Contra: Zwang hilft nicht

Es war noch nie eine gute Idee, Menschen zu etwas zu zwingen, das ihnen Angst macht oder das ihnen Unbehagen bereitet. Da spielt auch keine Rolle, ob das Ziel ehrenwert ist oder nicht.

Dabei wäre die von Jens Spahn vorgeschlagene Widerspruchslösung gar nicht nötig. Schon heute würde die Zahl der Organe, die lebensgefährlich erkrankten Patienten implantiert werden, ausreichen, wenn die Krankenhäuser einen besseren Blick auf die Spender hätten. Dafür müsste den Transplantationsbeauftragten, die es in jeder Klinik mit entsprechenden Abteilungen geben muss, mehr Zeit gegeben werden. Die ist nötig, um die Hinterbliebenen möglicher Spender beraten zu können. Denn oft sind sie es, die eine Organ­entnahme verhindern. Wenn Krankenhäuser außerdem ein Minus machen, weil sie den Körper eines hirntoten Patienten beatmen, um die Organe zu retten, dann sollte man sich über zu wenig Organspenden nicht wundern.

Die Spende von Organen ist zweifelsohne ein Beitrag von hohem moralischen Wert, der außerordentliches Engagement und gelebte Nächstenliebe beweist. Gezwungen werden sollte dazu aber niemand.

Stefan Werding

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