Bildungsbericht
OECD lobt Zuwachs bei früher Bildung in Deutschland

Berlin/Münster -

Der soziale Status der Eltern bleibt in Deutschland Hauptfaktor für die Bildungskarriere ei­nes Kindes. Doch im aktuellen Bildungsbericht der OECD werden auch Verbesserungen in Deutschland gelobt.

Mittwoch, 12.09.2018, 09:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 12.09.2018, 08:14 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 12.09.2018, 09:00 Uhr
Der Bildungserfolg deutscher Schülerinnen und Schüler hängt nach wie vor sehr intensiv vom Elternhaus ab. Jedoch konstatiert die OECD, dass der Anteil der Studierenden steigt. Beim Bachelor-Abschluss liegt Deutschland allerdings noch unter dem OECD-Schnitt.
Der Bildungserfolg deutscher Schülerinnen und Schüler hängt nach wie vor sehr intensiv vom Elternhaus ab. Jedoch konstatiert die OECD, dass der Anteil der Studierenden steigt. Beim Bachelor-Abschluss liegt Deutschland allerdings noch unter dem OECD-Schnitt. Foto: dpa

Schwarz auf weiß hat die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) den deutschen Bildungspolitikern nun die Verbesserungen, aber auch die noch bestehenden Defizite aufgezeigt.

So besuchten 2016 bereits 37 Prozent der Kinder unter drei Jahren Einrichtungen der frühkindlichen Bildung – 20 Prozentpunkte mehr als 2005. Bei den Drei- bis Fünfjährigen legte die Quote von 88 auf 95 Prozent zu. Der OECD-Schnitt liegt derzeit bei 86.

Und trotz des Migrantenzuwachses ist nur etwa ­jeder zehnte 15- bis 29-Jährige weder in Beschäftigung noch Ausbildung – einer der niedrigsten Anteile in der OECD.

Andererseits hat die „Bildungsnähe“ des Eltern­hauses trotz der höheren Beteiligung an und des gesteigerten Einflusses der frühkindlichen Bildung noch sehr deutliche Auswirkungen auf den Schul- und Berufserfolg jedes Kindes. Allerdings bescheinigt die OECD Deutschlands Nachwuchs aufgrund der steigenden Studienquote und des beispielhaften Berufsausbildungssystems eine hohe „Beschäftigungsfähigkeit“.

OECD-Bericht

Der Bericht „Bildung auf einen Blick“ vergleicht die Bildungssysteme in den 36 OECD-Ländern und einigen Partnerländern.

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Einige Ergebnisse im Detail:

► Junge Leute ohne Schulabschluss haben weiterhin Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. In Deutschland sind nur 55 Prozent der 25- bis 34-Jährigen ohne ­Abschluss im Sekundarbereich II erwerbstätig – gegenüber 84 Prozent der Personen, die mindestens einen Sekundarbereich-II-Abschluss besitzen.

► Junge Erwachsene mit einem allgemeinbildenden Abschluss im Sekundar­bereich II (hauptsächlich Abiturienten) setzen ihren Bildungsweg in der Regel fort und treten nicht direkt ins Erwerbsleben ein. Deutlich mehr als die Hälfte aller jungen Erwachsenen nimmt laut OECD-Bericht ein Hochschulstudium auf. Denjenigen, die nicht studieren möchten, bieten Berufsqualifikationen eine Alternative.

► Das deutsche Berufs­bildungssystem stellt eine hohe Beschäftigungsfähigkeit sicher. Die Beschäftigungsquoten 25- bis 34-Jähriger mit einem Abschluss im Sekundarbereich II oder einer Berufsausbildung sind zwischen 2007 und 2017 von 77 auf 83 Prozent gestiegen. Damit liegen sie nicht nur über dem OECD-Schnitt, sondern sind auch fast genauso hoch wie die Beschäftigungs­quoten von Hochschulabsolventen.

► Nur etwa jeder zehnte 15- bis 29-Jährige befindet sich weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung, was einer der niedrigsten Anteile in den OECD-Ländern ist. Unter den im Ausland geborenen jungen Erwachsenen befindet sich allerdings jeder Vierte weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung. Die OECD konstatiert, dies sei eine Zahl, für die auch der hohe Zustrom an jungen Flüchtlingen in den vergangenen Jahren ausschlag­gebend sei, da sich diese ­derzeit noch im Integrationsprozess befänden.

► Die meisten Studierenden haben mindestens einen ­Bachelor erworben. 17 Prozent der jungen Erwachsenen haben einen Bachelor-Abschluss, 14 Prozent einen Master-Abschluss und ein Prozent hat promoviert. Der Anteil junger Erwachsener mit Master-Abschluss oder Promotion ist mit den OECD-Durchschnittswerten vergleichbar, beim Bachelor-Abschluss hinkt Deutschland jedoch hinterher (OECD-Durchschnitt: 23%).

► 2017 haben 13 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland keinen Sekundarbereich-II-Abschluss er worben. Dieser Anteil liegt unter dem OECD-Durchschnitt von 15 Prozent. Mehreren Ländern, darunter Kanada, Tschechien, Südkorea, Polen und Slowenien konnten diese Marge allerdings auf unter zehn Prozent drücken.

► In Deutschland haben 58 Prozent der 25- bis 64- Jährigen mit mindestens einem Elternteil mit Hochschulabschluss ebenfalls einen solchen Abschluss erreicht. Unter Erwachsenen, deren Eltern höchstens einen Abschluss im Sekundar­bereich II erreicht oder eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, ist der Anteil halb so groß (29 Prozent).

► Deutschland bietet seinen Lehrkräften im Vergleich der OECD-Länder hohe Gehälter. So beginnen Sekundarstufe-I-Lehrer beispielsweise mit einem Gehalt von 63 000 US-Dollar (etwa 54 320 Euro), was nahezu doppelt so hoch ist wie der OECD-Durchschnitt von 33 100 USD. Allerdings gibt es ein klares Gehaltsgefälle zwischen den verschiedenen Bildungsstufen. So erhält ein Grundschullehrer mit 15-jähriger Berufserfahrung 70 700 USD, eine Lehrkraft im Sekundarbereich I dagegen 76 800 USD und im Sekundarbereich II etwa 81 300 USD.

Kommentar: Licht und Schatten

Im Bildungsbericht der OECD liegen Licht und Schatten wieder einmal dicht beieinander. An der der Bildungsgrad der Eltern noch immer prägend für die Bildungs­karriere der Kinder ist, führt kein Weg vorbei. ­Allerdings scheint sich ein Hoffnungsschimmer am Horizont abzuzeichnen. Denn die deutlich gestiegenen Investitionen in die und die Beteiligung an der frühkindlichen Bildung werden sich in absehbarer Zeit in einem höheren Niveau niederschlagen können, da im Vorschul­bereich die Basis für das künftige Lernen gelegt wird. Erst recht für Kinder aus „bildungsfernen“ Elternhäusern.Deutschland gibt jährlich pro Kind 12 730 Euro für die Bildung der Unter-Drei-Jährigen aus, deutlich mehr als der OECD-Durchschnitt von 10 322 Euro. Geld allein ist aber nicht ausschlaggebend für den Erfolg der frühkindlichen Bildung. Auch der Betreuungsschlüssel ist ein entscheidender Indikator. Und da steht Deutschland im internationalen Vergleich inzwischen erfreulich gut da: Hierzulande kommen in der frühkindlichen Bildung auf eine Lehrkraft im Schnitt fünf Kinder, in der Vorschulbildung sind es zehn Kinder je Lehrkraft. Der OECD-Durchschnitt liegt in der frühkindlichen Bildung bei acht Kindern, in der Vorschulbildung bei 14 Kindern je Lehrkraft. Kleine Schritte also in die richtige Richtung.Ein Manko soll nicht ­unerwähnt bleiben: In Deutschland werden zwar etwa 80 Prozent der Kosten für frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung sowie Vorschul­bildung aus öffentlichen aber zugleich, dass knapp ein Fünftel der Ausgaben auf die Eltern entfällt. Das wiederum ist wenig vorbildlich. Laut OECD ist der private Anteil nur in wenigen Ländern höher – darunter Australien, Kolumbien, Japan, Portugal, Slowenien, Großbritannien, die Türkei und die USA. findet die OECD dann ­wieder Lobenswertes – und das ist für die Be­troffenen und die Wirtschaft gleichermaßen erfreulich. Das deutsche Bildungssystem macht demnach die meisten jungen Menschen beschäftigungstauglich. Und das sollte neben der persönlichen Entwicklung ja Ziel der Bildung sein.

- Dorle Neumann

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