Gutachten
Greenpeace: Rodung in Hambach ist erst ab Herbst 2019 nötig

Müssen die Bäume im Hambacher Forst wirklich kurzfristig fallen? Ein Greenpeace-Gutachten sagt Nein. RWE habe noch ein Jahr Zeit, heißt es dort. Die Umweltschützer werfen RWE sogar vor, die bundesweite Kohlekommission belogen zu haben.

Montag, 24.09.2018, 14:44 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 24.09.2018, 14:39 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 24.09.2018, 14:44 Uhr
Mit Räumungspanzern geht die Polizei gegen Barrikadn im Hambacher Forsts vor.
Mit Räumungspanzern geht die Polizei gegen Barrikadn im Hambacher Forsts vor. Foto: Christophe Gateau

Berlin/Kerpen (dpa) - Die geplante Rodung des Waldgebietes am Braunkohletagebau Hambach ist nach Einschätzung der Umweltorganisation Greenpeace nicht kurzfristig nötig, um den Abbaubetrieb aufrecht zu erhalten.

Der Tagebaubetreiber RWE würde daher mit einer Rodung möglicherweise gegen geltendes Recht verstoßen, erklärte die von Greenpeace beauftragte Rechtsanwältin Cornelia Ziehm. Laut den rechtlichen Bestimmungen sei eine Rodung nämlich nur erlaubt, sobald sie für den Betrieb «unerlässlich» sei.

Greenpeace beruft sich bei seiner Einschätzung auf eine bergbauliche Analyse des unabhängigen Beratungsunternehmens Plejades. Danach könnte der Tagebau - anders als von RWE dargestellt - noch bis Herbst 2019 weiterbetrieben werden, ohne das angrenzende Waldgebiet zu roden, heißt es in der Stellungnahme. Dazu müsste RWE beispielsweise die Abbaukante des Tagebaus näher an das Waldgebiet heranführen.

RWE hatte diese Einschätzung in der Vergangenheit bereits mehrfach als falsch zurückgewiesen. Mit steileren Böschungen das Abbaugebiet näher an die Waldgrenze heranzurücken, gefährde die Standsicherheit. Es sei auch unmöglich, um das Waldgebiet herum zu baggern. Aus Sicht von RWE ist die Rodung kurzfristig unerlässlich, um den Tagebau und damit die Stromproduktion aufrechtzuerhalten. Der Zeitplan sei schon jetzt «äußerst ambitioniert» und alle Zeitpuffer aufgebraucht, hatte RWE Mitte August in einem Brief an die Bundeskommission zur Zukunft der Braunkohle geschrieben.

Die Greenpeace-Rechtsgutachterin Ziehm wies dagegen darauf hin, dass RWE selbst in einem Angebot an die Umweltverbände bereits angeboten habe, die Rodung bis zum 15. Dezember aufzuschieben. Darüber hinaus gebe die bergbauliche Analyse «mindestens Anhaltspunkte» dafür, dass die rechtlichen Voraussetzungen auch bis Ende Februar nicht erfüllt seien.

Mit dem Brief habe RWE die Kommission deshalb «bewusst belogen». «Wenn RWE die Kettensägen in den Wald schickt, bevor alle betrieblichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, torpediert der Konzern die Arbeit der Kommission», erklärte der Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid.

RWE will den Rest des uralten Waldgebiets ab Oktober zu einem großen Teil abholzen lassen, um weiter Braunkohle zu baggern. Dagegen gibt es heftigen Widerstand. Umweltschützer fordern einen Aufschub, bis die derzeit tagende Kohlekommission einen Plan für den Kohleausstieg vorlegt. Erlaubt ist eine Rodung mit Blick auf den Artenschutz zwischen dem 1. Oktober und 28. Februar. Laut RWE würde die Rodung rund zehn Wochen dauern.

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