Landtagswahl
Beben in der Bayern-Idylle: Umfragen zeigen keine Wende

Berlin/München -

Auch die allerletzten Umfragen verheißen keine Wende: Die am Sonntag anstehende Landtagswahl dürfte die über Jahrzehnte gültige Gleichung „Bayern = CSU“ endgültig in die Geschichtsbücher verbannen. 

Samstag, 13.10.2018, 11:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 10:54 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 13.10.2018, 11:00 Uhr
Dem Bayern-Land und den Bayern (Bild zeigt Grainau) geht es gut. Und doch droht der dauerregierenden CSU ein politischer Erdrutsch.
Dem Bayern-Land und den Bayern (Bild zeigt Grainau) geht es gut. Und doch droht der dauerregierenden CSU ein politischer Erdrutsch. Foto: imago

Denn die zu erwartenden 34 bis 36 Prozent bedeuten für die CSU eine dramatische Niederlage und den Verlust der so liebgewonnenen absoluten Mehrheit. Das ist zweifellos ein politisches Beben im Bayern-Land, wenngleich sich eines andeutet: Markus Söder dürfte auch zukünftig als Ministerpräsident an der Spitze der Freistaats-Regierung stehen. Dieses Amt könnte für ihn allenfalls wackeln, wenn der Absturz in der Wählergunst noch unter die 33 Prozent fallen sollte.

Dass landespolitische Erdrutsche mit ihren Ausläufern auch die Bundespolitik erreichen, ist nichts Neues. Die Bayern-Wahl allerdings könnte hier doch gravierende Erschütterungen auslösen. Denn schlussendlich geht es um die politische Zukunft Horst Seehofers, CSU-Chef und Bundesinnenminister. Die CSU wird die Schuld für die Niederlage beim ihm abladen; er allerdings gibt unmissverständlich zu erkennen, an beiden Ämtern festhalten zu wollen. Der Machtkampf mit Söder geht also weiter.

Landtagswahl in Bayern: Die Spitzenkandidaten

1/5
  • Markus Söder (CSU, 51): Der Ziehsohn von Ex-CSU-Chef Edmund Stoiber war CSU-Generalsekretär, Europaminister, Umweltminister und schließlich Finanzminister. Kritiker werfen dem Juristen vor, seine Karriere penibel geplant zu haben, halten ihm einen übertriebenen Ehrgeiz vor. Außerhalb Bayerns gilt er vielen als Scharfmacher und Populist. Er ist verheiratet und vierfacher Vater.

    Foto: Sven Hoppe
  • Natascha Kohnen (SPD, 50): Sie ist so etwas wie der personifizierte Gegenentwurf zu Söder. Kohnen mag die Grobheiten des Politikgeschäfts nicht, ihre Kritiker werfen ihr einen zu stillen Wahlkampf vor. Die geschiedene zweifache Mutter ist eine Quer- und Späteinsteigerin. Ein SPD-Parteibuch hat die studierte Biologin, die als Lektorin arbeitete, erst seit 2001, im bayerischen Landtag sitzt sie seit 2008. 2009 wurde sie Generalsekretärin. Im Mai 2017 schließlich wurde Kohnen zur neuen SPD-Landesvorsitzenden gewählt.

    Foto: Lino Mirgeler
  • Hubert Aiwanger (Freie Wähler, 47): Mangelndes Engagement kann Aiwanger niemand vorwerfen. Der ledige Agraringenieur und zweifache Vater ist in Personalunion Landesvorsitzender, Landtagsfraktionschef, Bundesvorsitzender und Spitzenkandidat. Im Landtag ist er eine Ausnahmeerscheinung, viele halten ihn für einen politisch begabten Populisten. Innerparteilich wird ihm von Kritikern ein egozentrischer und autoritärer Führungsstil vorgeworfen.

    Foto: Lino Mirgeler
  • Die Grünen haben traditionell zwei Spitzenkandidaten. Katharina Schulze (33), ledig, keine Kinder, ist eindeutig der lautere Part des Doppels: auf Demonstrationen omnipräsent, in Reden und Debatten kämpferisch und engagiert. 2013 zog sie erst in den Landtag ein, machte eine steile Karriere, stieg 2017 zur Fraktionschefin auf...

    Foto: Tobias Hase
  • Ludwig Hartmann (40), ledig, ein Kind, stammt aus einer durch und durch grünen Familie und zog 2008 in den Landtag ein. Dort hat sich der Kommunikationsdesigner einen Namen als Energieexperte gemacht. Er gilt als ehrgeizig und als ein Mann markiger Worte.

    Foto: Tobias Hase

Aber auch aus der Sozialdemokratie drohen Schockwellen Richtung Berlin, denn ein Abschneiden bei dramatischen zwölf Prozent und das Wiederaufflammen der Seehofer-Querelen dürften in der SPD die Frage nach dem Sinn des Verbleibs in der großen Koalition wieder auf die Tagesordnung rücken. SPD-Chefin Andrea Nahles kündigt dies unverblümt an.

In München stellen sich Koalitionsfragen hingegen anders: Mit wem könnte die CSU ein Bündnis eingehen? Ein Vertrag mit den Grünen, die in der Wählergunst völlig unerwartet fast die 20-Prozent-Marke erreichen und massiv von der Schwäche der anderen profitieren, würde zwar eine stabile Mehrheit gewährleisten, inhaltlich aber liegen zwischen beiden Parteien Welten. Wahrscheinlicher ist daher eine Koalition mit den Freien Wählern, einer urbayerischen, konservativ-ökologischen Partei, die in Umfragen bei gut zehn Prozent liegt und lieber heute als morgen mit der CSU regieren möchte. Geht die CSU allerdings am Sonntag richtig in die Knie, wird Söder womöglich ein Dreierbündnis brauchen.  

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6118603?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F199%2F
Tierisches Vergnügen beim Dschungelbuch-Musical
Halle Münsterland: Tierisches Vergnügen beim Dschungelbuch-Musical
Nachrichten-Ticker