TK-Landeschefin Steffens sieht Gesundheitsbranche unter Handlungsdruck
Digitaler denken

Düsseldorf -

Die Frage drängt sich auf: Bekommt sie den Seitenwechsel hin? Barbara Steffens, bis zum Sommer 2017 sieben Jahre NRW-Gesundheitsministerin schafft ihn. Beim Gespräch an ihrem neuen Arbeitsplatz in der NRW-Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK) liegt vor ihr auf dem Besprechungstisch ein Stapel Unterlagen.

Mittwoch, 24.10.2018, 13:56 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 24.10.2018, 13:56 Uhr
TK-Landeschefin Steffens sieht Gesundheitsbranche unter Handlungsdruck: Digitaler denken
Foto: TK

Im Grunde überflüssig, denn die Grünen-Politikerin – seit Juli TK-Landeschefin – muss höchstens nach einem Papier greifen, wenn exakte Zahlen gefragt sind.

Gesundheit ist ihr Geschäft. Lange Jahre hatte Steffens qua Amt die Aufsicht über Kassen wie die regionalen AOKs, jetzt regelt sie für die TK, die in NRW 4,5 Millionen Versicherte hat, Vertrags­gespräche mit Kassenärzt­lichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen , Krankenhäusern, Pflegediensten und Hospizen in NRW – und bezieht Stellung.

Dass Bundesgesundheitsminister Spahn jetzt nach dem Votum des Bundestags die Rücklage der Kassen in Stufen deutlich unter das momentane Maximum von 1,5 Monatsausgaben senken kann, ist laut Steffens eine „politische Entscheidung“. Aber sinnvoll? Die TK, der sich die Sozialpolitikerin ohne langes Zögern angeschlossen hat („Ich bin zutiefst vom solidarischen System der Gesetzlichen Krankenkassen überzeugt.“), gebe Mittel oberhalb der Re­serve bereits an Versicherte zurück. Anfang Dezember ­ werde der TK-Ver­waltungsrat über die Höhe des Zusatz­beitrags 2019 entscheiden. Steffens Erwartungen: „Er dürfte stabil bleiben oder sogar zurückgehen.“

Dringend erforderlich ist aus Sicht der 56-Jährigen eine Überarbeitung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) im System der gesetz­lichen Krankenversicherung. Eigentlich sollte damit eine wettbewerbsgerechte Verteilung der Milliarden-Mittel aus dem Gesundheitsfonds sichergestellt werden. Inzwischen zeigt sich, wie auch kürzlich die Viactiv beklagte, dass einige Kassen – vor allem die AOKs – mehr Geld bekommen, als sie gebrauchen. „Die Systematik stimmt nicht“, kritisiert Steffens. Sie fordert neue Re­gionalkomponenten, einen Hochrisikopool, den Schutz vor Manipulation im Klassifikationsmodell von Erkrankungen. Es sei auch im Interesse der Versicherten, auf diesem Feld die Transparenz zu erhöhen und Gerechtigkeit sicherzustellen.

Mitte November trifft sich die Medizinbranche auf der Medica in Düsseldorf – die Weltleitmesse der Gesundheit. Barbara Steffens war selbst zigmal dort. Diesmal gehört sie zu den Gastgebern des „Medica Econ Forums“, einem Treffpunkt der Politik, Medizin, Wirtschaft und Wissenschaft, und diskutiert dort mit — über den politischen Handlungsbedarf in der Notfallvorsorge, über das drängende Thema der Pflege. Im Zentrum des Ge­schehens: Innovationen, Digitalisierung und die Herausforderungen der demografischen Entwicklung.

„Die Technik muss Pflegende entlasten, nicht er­setzen.“ – Für Steffens gibt es beim Einsatz von Robotik in der Pflege oder der Therapiekugel „ichó“ in der Demenz klare Grenzen. Menschlichkeit könne man nicht substituieren: „Zuwendung ist nicht digitalisierbar.“

Digitalisierung ist allerdings bei der Frage der Begleitung und Betreuung der Versicherten von hoher Relevanz. Laut Barbara Steffens nehmen inzwischen seit ­April 40 000 Versicherte der TK an einem breit angelegten Test der elektronischen Gesundheitsakte teil. Das Projekt „TK-Safe“ wird gemeinsam mit IBM Deutschland entwickelt, auch weil man die seit Jahren diskutierte Einführung einer elektronischen Gesundheitskarte nicht mehr tatenlos abwarten wollte. „Wir müssen vorangehen und Angebote schaffen, die unserem deutschen Datenschutz entsprechen, bevor die großen amerikanischen Player den Markt besetzen“, ist die Leiterin der Landesvertretung überzeugt. Zurzeit spricht die TK mit ersten Krankenhäusern, damit der Ver­sicherte zum Beispiel Krankenhausberichte elektronisch abrufen und sichern kann. Der Versicherte soll stets Souverän der eigenen Daten sein.

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