Wolfgang Bosbach im Gespräch
Auch ohne Politik keine Langeweile

Im September 2017 hat sich Wolfgang Bosbach aus dem Bundestag verabschiedet. Ob der Schritt mehr Freiheit für ihn bedeutet, verrät er im Gespräch.

Dienstag, 04.12.2018, 12:34 Uhr aktualisiert: 04.12.2018, 13:32 Uhr
Wolfgang Bosbach wird als eloquenter und humorvoller Gesprächspartner geschätzt.
Wolfgang Bosbach wird als eloquenter und humorvoller Gesprächspartner geschätzt. Foto: dpa

Der Innenexperte Wolfgang Bosbach gehörte zu den profiliertesten CDU-Politikern. 23 Jahre saß er im Bundestag – und vertrat nicht selten eine Meinung, die nicht der vorherrschenden Richtung der Christdemokraten entsprach. Neun Jahre lang war er stell­vertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion – mit einem üppigen Portfolio an Themen: Recht, Petition, Innenpolitik, Sport, Vertriebene und Flüchtlinge, Kunst, Kultur und Medien. Er gehörte zu den Politikern, die häufig und gern in Talkshows eingeladen wurden. Vor einem Jahr zog er sich aus politischen, aber auch privaten Gründen aus der Politik ­zurück. Im Gespräch berichtet er, wie sein Leben nach dem Abschied von der Macht aussieht.

Auf seinen Alltag, so ist sich Wolfgang Bosbach nach kurzer Überlegung sicher, hat sich der Rückzug noch nicht sehr ausgewirkt. Er sieht allerdings einen gravierenden Unterschied: „Ich kann jetzt selbstbestimmter leben, mein Zeitplan wird nicht mehr von den Sitzungswochen des Bundestages vorgegeben.“

Terminkalender ist noch immer voll

Sein Terminkalender sei aber immer noch voll. Seit einem Jahr, so schmunzelt er, bekäme er Anfragen stets mit der Bemerkung „Jetzt, wo Sie mehr Zeit haben, könnten wir . . .“. Tag für Tag flattern bei ihm Einladungen von Städten und Kreisen auf den Schreibtisch, „die mit mir über Politik reden möchten“. Es gebe ja auch keinen Mangel an Themen, merkt er an.

Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Jahreshauptversammlung 2017

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  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

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  • Georg Krimphove, Vorsitzender des Ebäcko-Aufsichtsrats

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Georg Krimphove, Vorsitzender des Ebäcko-Aufsichtsrats

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  • Georg Krimphove, Vorsitzender des Ebäcko-Aufsichtsrats

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  • Georg Krimphove, Vorsitzender des Ebäcko-Aufsichtsrats

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Georg Krimphove, Vorsitzender des Ebäcko-Aufsichtsrats

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ulrich Bücker, Geschäftsführender Vorstand Ebäcko

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ulrich Bücker, Geschäftsführender Vorstand Ebäcko

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ulrich Bücker, Geschäftsführender Vorstand Ebäcko

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

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  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

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  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zum Thema "Die Zukunft des Mittelstandes" sprach Wolfgang Bosbach bei der Ebäcko-Generalversammlung am 11. Juli 2017 auf Gut Havichhorst.

    Foto: Gunnar A. Pier

Neue Ämter strebt Bosbach, der sich auch aus gesundheitlichen Gründen zum Verzicht auf das Bundestagsmandat entschlossen hatte, nicht mehr an. Allerdings leitet der Experte für Innenpolitik die im vergangenen Dezember von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet ins Leben gerufene Sicherheitskommission, die die „gesamte Sicherheitsarchitektur“ im Land untersuchen soll. Und das möglichst zügig, denn die 15 Experten wollen „zeitig“ Empfehlungen machen, damit diese bis zur nächsten NRW-Wahl 2022 umgesetzt werden können. Ohne so ein bisschen Politik wird ihm vielleicht doch langweilig?

Ich hatte mir vorgenommen, mehr zu reisen. Das habe ich in diesem Jahr angefangen.

Wolfgang Bosbach

Einen guten Vorsatz habe er zumindest schon teilweise verwirklicht: „Ich hatte mir vorgenommen, mehr zu reisen. Das habe ich in diesem Jahr angefangen.“ Zum ersten Mal sei er im Oman gewesen – „ein Land zwischen 1001 Nacht und Moderne“, das er „wunderschön und interessant“ fand. Seine Frau und er hätten zudem eine Ägäisrundfahrt gemacht – auch hier klingt Begeisterung durch. Die Jahreswende wird er nach bisheriger Planung in Ägypten verbringen.

Und wenn er nicht unterwegs ist? „Bin ich jeden Tag entweder in der Kanzlei oder in dem Büro, das ich mir für die politische Arbeit zu Hause eingerichtet habe“, berichtet der Rechtsanwalt. Mitte Oktober sei er zum ersten Mal seit einem Jahr im Reichstag gewesen. Und – gemischte Gefühle? Bosbach antwortet fast leidenschaftlos: „Ich habe gedacht, dass es mir mehr fehlen würde . . .“

Wachsende Distanz zum Politik-Geschäft

In den vergangenen Jahren, so blickt Bosbach zurück, sei die Distanz zum Politik-Geschäft schon gewachsen. „Ich betrachte die Entwicklung mit großer Sorge.“ Und er erläutert diese kritische Einschätzung: „Die Stabilität der Jahrzehnte nach dem Krieg verdanken wir zwei großen Volksparteien, die Maß und Mitte gehalten haben.“

Doch die Individualisierung der Gesellschaft spiegele sich nun auch in der Zersplitterung der Parteienlandschaft wider. Die großen Parteien hätten mit ihrem Kurs viele Wähler „heimatlos“ gemacht, analysiert der 66-Jährige. Mehrfach hat Bosbach in Interviews angemahnt, die Konservativen in der CDU nicht zu vergessen beim Merkelschen Kurs in die Mitte.

Mir hat es leid getan, wie mit einem verdienten Beamten wie Herrn Maaßen umgegangen wurde.

Wolfgang Bosbach

Zur Sorge um den aktuelle Lage gehört auch die Frage: Wie will er dem wachsenden Populismus begegnen? „Meine Strategie war immer: moderat im Ton, klar in der Sache“, betont Bosbach. Und er schreibt seiner Partei ins Stammbuch: „Wir befassen uns unglaublich viel mit Nebenschauplätzen.“ Zudem stelle sich die Polit-Spitze nicht immer geschickt an, sagt er und verweist auf die „Causa Maaßen “. „Mir hat es leid getan, wie mit einem verdienten Beamten wie Herrn Maaßen umgegangen wurde“, vor allem die Medien kritisiert er.

Als dann aber die Entscheidung gefallen sei, ihn abzuziehen, habe es ihn sprachlos gemacht, dass Hans-Georg Maaßen befördert werden sollte. „Wie soll man das begründen – als Leiter einer Behörde ist er nicht mehr tragbar, aber als Staatssekretär?“ „Und“, so fährt der bekennende Wertkonservative fort, „das mit einem Gehaltssprung, der über dem Bruttogehalt von Millionen Menschen liegt . . .“

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Wolfgang Bosbach mit Noch-CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: dpa

Rechtsanwalt und Politiker

Wolfgang Walter Wilhelm Bosbach wurde am 11. Juni 1952 in Bergisch Gladbach geboren. Nach der Mittleren Reife 1968 machte Bosbach eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und leitete von 1972 bis 1974 einen Supermarkt. Danach schloss er die Rheinische Akademie Köln 1977 als staatlich geprüfter Betriebswirt ab. Auf dem zweiten Bildungsweg holte er 1979 das Abitur nach. Sein Jurastudium in Köln beendete er 1991 mit dem zweiten Staatsexamen. Seitdem ist er als Rechtsanwalt zugelassen. Bosbach ist seit 1972 Mitglied der CDU. Er engagierte sich zunächst im Kreistag, danach im Rat seiner Heimatstadt. 1994 zog er erstmals in den Bundestag ein. Er verteidigte das Direktmandat bis zu seinem Ausscheiden 2017 stets mit großer Mehrheit. Im Herbst 2016 erklärte er, nicht wieder kandidieren zu wollen. Seit 1987 ist er mit Sabine Bosbach verheiratet, die zufällig den gleichen Nachnamen trug wie er. Das Paar hat drei Töchter. Seit 1994 leidet er an einer Herzinsuffizienz und trägt seit 2004 einen Herzschrittmacher mit kombiniertem Defibrillator. Im Juni 2010 wurde bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert.

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Wie findet seine Familie eigentlich die neue Situation? „Da bin ich mir nicht ganz sicher“, lacht er. Aber es habe sich ja eigentlich nicht viel geändert – „Ich sitze ja nicht den ganzen Tag zu Hause herum und will beschäftigt werden.“

Engagement ist breit gestreut

Sein Engagement abseits der Politik ist breit gestreut: Er ist nicht nur Vorsitzender der Vereinigung „Gegen Vergessen – für Demokratie“, die sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit einsetzt, sondern unter anderem Schirmherr der Festspiele Balver Höhle und Verwaltungsratsmitglied des Eishockeyclubs „Kölner Haie“, zudem unterstützt er die Hospiz-Bewegung.

Im Jahr 2017 erhielt der Karnevalskenner und Ehrenpräsident der KG Große Gladbacher den Kitzinger „Schlappmaulorden“. Und am vergangenen Wochenende gehörte Bosbach zur Jury bei der Wahl „Miss 50plus Germany 2019“ in Bad Zwischenahn. Er brachte Erfahrungen mit – schon 2015 war er Juror bei der Wahl zur „Miss Germany“.

Sein Vertrauen gehört Friedrich Merz

Im Rennen um die Nachfolge von Angela Merkel als CDU-Chefin hat sich Wolfgang Bosbach laut und deutlich hinter den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz gestellt. In einem Interview mit dem „Deutschlandfunk“ betonte Bosbach, er habe lange und sehr vertrauensvoll mit Merz zusammengearbeitet. Der Sauerländer sei nicht nur ein glänzender Debattenredner, sondern auch ein erfahrener Wirtschafts- und Finanzpolitiker mit guten internationalen Beziehungen. Bosbach verwies zudem auf die Erfahrung von Merz auf EU- und auf Bundesebene. „Ihm traue ich zu, dass er der Partei neuen Schwung vermittelt.“ Er äußerte auch die Ansicht, dass Merkel und Merz gut zusammenarbeiten werden.

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