CDU-Landeschef Armin Laschet muss Rücksicht nehmen
Nebenrolle statt Königsmacher

Düsseldorf -

In diesen Tagen übt sich Armin Laschet in der Disziplin unverbindlicher Kurzsätze. Er sei nur einer von 1001 Delegierten beim Parteitag, sagt der Vorsitzende des größten Landesverbandes, als er nach seinem Einfluss auf die Nachfolge von Noch-Parteichefin Merkel gefragt wird. Die drei Bewerber kenne er gut, antwortet er auf Fragen nach seiner Wahlentscheidung. Bloß nicht festlegen. Klingt so ein Königsmacher?

Donnerstag, 06.12.2018, 17:50 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 20:23 Uhr
Armin Laschet führt den größten Landesverband der CDU – eine Empfehlung gibt er aber nicht ab.
Armin Laschet führt den größten Landesverband der CDU – eine Empfehlung gibt er aber nicht ab. Foto: dpa

Als Laschet selbst – der Vernunft folgend – eigene Ambitionen auf die Merkel-Nachfolge hinten an stellte und eine Kandidatur abmoderierte, ließ er sich gern gefallen, als Königsmacher dargestellt zu werden. Öffentlich hat er sich immer dagegen gewehrt. Er konnte diese Rolle auch nicht übernehmen: Ihm selbst sagt man zwar eine politische Nähe zur CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer – deren Kürzel AKK zur Marke geworden ist – nach. Aber weil mit dem Arnsberger Friedrich Merz und dem Ahauser Jens Spahn die beiden anderen prominenten Bewerber aus der NRW-CDU kommen, hätte Laschet sich mit jeder Festlegung aufs Glatteis begeben.

Ihm bleibt im Moment nur, die Rolle des einflussreichen, aber in dieser Frage machtlosen Vorsitzenden des größten Landesverbands. Vielleicht hat er deshalb darauf verzichtet, die Regionalkonferenz mit 4000 Parteimitgliedern vergangene Woche in Düsseldorf auch zu seinem Auftritt zu machen. Nach dem Grußwort verschwand er zu Terminen.

NRW-CDU: Knapp ein Drittel der Delegierten

Dem Stimmungsbild dieses Abends nach stellte zumindest in der Halle der Merz-Fanclub die größte Fraktion, das Comeback des Sauerländers elektrisiert die Basis besonders. Die ebenfalls große Zustimmung zu Kramp-Karrenbauer und Spahn schmälert dieser Eindruck dabei nicht. Mit 296 Delegierten stellt die knapp 130.000 Mitglieder starke NRW-CDU ein knappes Drittel aller 1001 stimmberechtigten CDU-Mitglieder beim Bundesparteitag. Aber ein einheitliches Stimmungsbild lässt sich höchstens regional zeichnen. Im Bezirksverband Münsterland etwa, der 39 Delegierte nach Hamburg schickt, gibt es selbstverständlich ein starkes Lager von Spahn-Unterstützern, aber die Sympathien für Merz und Kramp-Karrenbauer sind ebenfalls hoch. Beim Votum der 34 südwestfälischen Delegierten überrascht eine Merz-Mehrheit nicht, bei den 41 Abgesandten aus Ostwestfalen-Lippe scheint die weniger ausgeprägt. Die meisten Delegierten – 49 – schickt die Ruhr-CDU nach Hamburg.

CDU-Parteivorsitz: Das sind die Kandidaten

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  • Der Parteivorsitz der Christlich Demokratischen Union bietet, zumindest den Amtszeiten der bisherigen Vorsitzenden zu Folge,  den stabilsten Posten in der bundespolitischen Hemisphäre Deutschlands. Mehr als 18 Jahre bekleidete die erste Bundeskanzlerin der deutschen Geschichte diese machtvolle Position - und erlebte derweil elf Kandidaten auf sozial-demokratischer Seite. Am Freitag soll nun das selbst eingeleitete Ende dieser Ära beschlossen werden. Die drei aussichtsreichsten Kandidaten sind viel besprochen in Medien, Parteien und an Stammtischen; das wichtigste über die Anwärter folgt in der Bilderstrecke.

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  • Ladies first - Das gilt nicht nur für die Position von Annnegret Kramp-Karrenbauer in unser Bilderstrecke, sondern auch - nach Meinung vieler - für ihre Aussichten im Rennen um den Parteivorsitz. Hier aber nur im Singular, denn die Saarländerin ist die einzige Frau im Trio der aussichtsreichsten Kandidaten. Die 56-Jährige ist seit 1981 Mitglied der CDU. In Trier und Saarbrücken studierte sie von 1982-1990 die Juristerei sowie Politikwissenschaft. Die politische Karriere nahm 1999 ihren Lauf, als sie zum ersten Mal in den saarländischen Landtag gewählt wird. Rasant ging es weiter mit einem Posten als Innenministerin zum neuen Jahrtausend; damit war sie die erste deutsche Chefin eines solchen Ressorts. Ab 2007 kommt es zum häufigen Wechsel der Ministerämter im Saarland. Von Bildung/Familie/Kultur zum Ressort für Arbeit, zum Justizministerium und schließlich zum Landesministerium für Wissenschaft und Forschung.  

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  • 2010 schafft es Kramp-Karrenbauer, die auch "AKK" abgekürzt wird, in das CDU-Präsidium aufgenommen zu werden. 2011 wird sie zur Ministerpräsidenten des kleinen Bundeslandes Saarland gewählt. Nach dem Rücktritt Peter Taubers wagt sie den Sprung in die Bundespolitik und wird mit Merkels Unterstützung zur Generalsekretärin gewählt. Sie gilt in den Reihen der CDU-Politiker als "Merkelvertraute". Annegret Kramp-Karrenbauer ist verheiratet und hat drei Kinder.

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  • Friedrich Merz, dem neben "AKK" die größten Chancen auf die Nachfolge von Angela Merkel eingeräumt werden, erblickte 1955 das Licht der Welt. Der Sauerländer ist seit 1972 Mitglied der CDU. Nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn arbeitet Merz seit 1986 als Rechtsanwalt. 1989 wird er für fünf Jahre in das Europäische Parlament gewählt. Anschließend beginnt für ihn ein Mandat im Deutschen Bundestag, das er bis 2009 innehat. 

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  • Den bisherigen politischen Höhepunkt erreicht Merz im Jahr 2000, in dem er zum Fraktionsvorsitzenden der CDU gewählt wird - in Zeiten der Opposition stellte dies ein machtvolles Amt dar. Zwei Jahre hält sich Merz auf dem Posten. Ab 2005 beginnt er seine Mitarbeit bei der international tätigen Anwaltskanzlei "Mayer Brown". In den folgenden Jahren wird der als neo-liberal geltende Merz in verschiedene Aufsichts- und Verwaltungsräte gewählt. 2018 kündigte er überraschend seinen Antritt zur Wahl der CDU-Spitze an und findet dabei Unterstützung bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Friedrich Merz ist verheiratet und hat drei Kinder.

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  • Das jüngste Kabinettsmitglied Merkels machte besonders in der jüngeren Vergangenheit mit provokanten Äußerungen zum Thema Migration von sich Reden. Jens Spahn kam 1980 in Ahaus zur Welt und trat 1997 der CDU bei, nachdem er schon zwei Jahre in der Jungen Union tätig war. 1999 beginnt er sein Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen, das er im vergangenen Jahr abschließt. 1998 bis 2005 ist er Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Seit 16 Jahren ist der junge Spahn Mitglied im deutschen Bundestag. 

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  • Der rasche Aufstieg gewinnt weiter an Fahrt als der Münsterländer 2012 Mitglied des CDU-Vorstandes und 2014 Mitglied des Präsidiums wird. Im Bundesfinanzministerium wird Spahn 2015 Staatsekretär und bleibt dies bis zur neuen Regierungsbildung Anfang des Jahres. Darauf folgt sein bisherig politisch höchstes Amt als Bundesgesundheitsminister. Der 38-Jährige etablierte sich in den letzten Jahren zu einem der prominentesten Merkel-Kritiker. Trotz der geringen Umfragewerte unter den 1001 CDU-Delegierten sieht Spahn selbst seine Kandidatur als aussichtsreich. Spahn ist katholisch und seit 2017 verheiratet.

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Der Bezirksvorsitzende Oliver Wittke hat noch ein Stimmungsbild gesammelt – etwa 70 Prozent wollten AKK wählen. „Es ist wieder eine Lust auf CDU zu spüren“, freut sich Wittke über vehemente Diskussionen. Es gebe – anders als oft behauptet – ein spannendes personelles Angebot auch nach Merkel. Wenn ihre Nachfolge an der Parteispitze entschieden ist, „müssen wir uns unterhaken“, sagt Wittke an die ­Adresse der drei Kandidaten. „Dann müssen wir den Laden zusammenhalten.“

Dass der Wahlkampf schärfer wird und einzelne Parteigrößen direkte oder verdeckte Empfehlungen abgeben, beobachtet der münsterländische EU-Abgeordnete Markus Pieper mit Sorge, weil es der Aufbruchstimmung schade: „Es war so viel frischer Wind in der CDU, das sollten wir uns jetzt nicht kaputt machen.“

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