Glaubwürdig, machtbewusst, sozial und konservativ
AKK ist so gar nicht „mini“

Münster -

 Nein, eine charismatische Rednerin ist Annegret Kramp-Karrenbauer nicht – obwohl sie im Karneval an der Saar regelmäßig mit Kittelschürze als „Putzfrau aus dem Landtag“ in die Bütt geht.

Donnerstag, 06.12.2018, 17:52 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 20:22 Uhr
Glaubwürdig, machtbewusst, sozial und konservativ: AKK ist so gar nicht „mini“
Annegret Kramp-Karrenbauer Foto: dpa

Aber sie weiß Pointen zu setzen – auch politische: „Ich habe Wahlen gewonnen mit 40 Prozent für die CDU und rund sechs Prozent für die AfD“, beschied die Ex-Ministerpräsidentin kürzlich ihrem Gegenkandidaten Friedrich Merz, der den „schulterzuckenden“ Umgang der CDU mit den AfD-Wahlerfolgen kritisiert hatte. Und fügte mit Blick auf das von Merz verkündete 40-Prozent-Ziel hinzu: „Der eine traut sich‘s zu. Die andere hat‘s bewiesen.“ Solch ein verbales Abwatschen ist allerdings bei AKK so selten wie bei der Kanzlerin. Wie diese agiert sie uneitel und unaufgeregt.

Alphatier-Gehabe wie es Merz und Spahn zeigen, ist der 56-Jährigen fremd. Das sollte nicht dazu verleiten, an ihrer Zielstrebigkeit, ihrem Machtwillen zu zweifeln. Risiken scheut sie nicht: Das sichere Amt der Saar-Ministerpräsidentin räumte sie, um CDU-Generalsekretärin zu werden und so bei der Merkel-Nachfolge einen Fuß in die Tür zu bekommen.

CDU-Parteivorsitz: Das sind die Kandidaten

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  • Der Parteivorsitz der Christlich Demokratischen Union bietet, zumindest den Amtszeiten der bisherigen Vorsitzenden zu Folge,  den stabilsten Posten in der bundespolitischen Hemisphäre Deutschlands. Mehr als 18 Jahre bekleidete die erste Bundeskanzlerin der deutschen Geschichte diese machtvolle Position - und erlebte derweil elf Kandidaten auf sozial-demokratischer Seite. Am Freitag soll nun das selbst eingeleitete Ende dieser Ära beschlossen werden. Die drei aussichtsreichsten Kandidaten sind viel besprochen in Medien, Parteien und an Stammtischen; das wichtigste über die Anwärter folgt in der Bilderstrecke.

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  • Ladies first - Das gilt nicht nur für die Position von Annnegret Kramp-Karrenbauer in unser Bilderstrecke, sondern auch - nach Meinung vieler - für ihre Aussichten im Rennen um den Parteivorsitz. Hier aber nur im Singular, denn die Saarländerin ist die einzige Frau im Trio der aussichtsreichsten Kandidaten. Die 56-Jährige ist seit 1981 Mitglied der CDU. In Trier und Saarbrücken studierte sie von 1982-1990 die Juristerei sowie Politikwissenschaft. Die politische Karriere nahm 1999 ihren Lauf, als sie zum ersten Mal in den saarländischen Landtag gewählt wird. Rasant ging es weiter mit einem Posten als Innenministerin zum neuen Jahrtausend; damit war sie die erste deutsche Chefin eines solchen Ressorts. Ab 2007 kommt es zum häufigen Wechsel der Ministerämter im Saarland. Von Bildung/Familie/Kultur zum Ressort für Arbeit, zum Justizministerium und schließlich zum Landesministerium für Wissenschaft und Forschung.  

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  • 2010 schafft es Kramp-Karrenbauer, die auch "AKK" abgekürzt wird, in das CDU-Präsidium aufgenommen zu werden. 2011 wird sie zur Ministerpräsidenten des kleinen Bundeslandes Saarland gewählt. Nach dem Rücktritt Peter Taubers wagt sie den Sprung in die Bundespolitik und wird mit Merkels Unterstützung zur Generalsekretärin gewählt. Sie gilt in den Reihen der CDU-Politiker als "Merkelvertraute". Annegret Kramp-Karrenbauer ist verheiratet und hat drei Kinder.

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  • Friedrich Merz, dem neben "AKK" die größten Chancen auf die Nachfolge von Angela Merkel eingeräumt werden, erblickte 1955 das Licht der Welt. Der Sauerländer ist seit 1972 Mitglied der CDU. Nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn arbeitet Merz seit 1986 als Rechtsanwalt. 1989 wird er für fünf Jahre in das Europäische Parlament gewählt. Anschließend beginnt für ihn ein Mandat im Deutschen Bundestag, das er bis 2009 innehat. 

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  • Den bisherigen politischen Höhepunkt erreicht Merz im Jahr 2000, in dem er zum Fraktionsvorsitzenden der CDU gewählt wird - in Zeiten der Opposition stellte dies ein machtvolles Amt dar. Zwei Jahre hält sich Merz auf dem Posten. Ab 2005 beginnt er seine Mitarbeit bei der international tätigen Anwaltskanzlei "Mayer Brown". In den folgenden Jahren wird der als neo-liberal geltende Merz in verschiedene Aufsichts- und Verwaltungsräte gewählt. 2018 kündigte er überraschend seinen Antritt zur Wahl der CDU-Spitze an und findet dabei Unterstützung bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Friedrich Merz ist verheiratet und hat drei Kinder.

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  • Das jüngste Kabinettsmitglied Merkels machte besonders in der jüngeren Vergangenheit mit provokanten Äußerungen zum Thema Migration von sich Reden. Jens Spahn kam 1980 in Ahaus zur Welt und trat 1997 der CDU bei, nachdem er schon zwei Jahre in der Jungen Union tätig war. 1999 beginnt er sein Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen, das er im vergangenen Jahr abschließt. 1998 bis 2005 ist er Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Seit 16 Jahren ist der junge Spahn Mitglied im deutschen Bundestag. 

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  • Der rasche Aufstieg gewinnt weiter an Fahrt als der Münsterländer 2012 Mitglied des CDU-Vorstandes und 2014 Mitglied des Präsidiums wird. Im Bundesfinanzministerium wird Spahn 2015 Staatsekretär und bleibt dies bis zur neuen Regierungsbildung Anfang des Jahres. Darauf folgt sein bisherig politisch höchstes Amt als Bundesgesundheitsminister. Der 38-Jährige etablierte sich in den letzten Jahren zu einem der prominentesten Merkel-Kritiker. Trotz der geringen Umfragewerte unter den 1001 CDU-Delegierten sieht Spahn selbst seine Kandidatur als aussichtsreich. Spahn ist katholisch und seit 2017 verheiratet.

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Glaubwürdig, sympathisch, bodenständig – so kommt AKK laut Forsa-Umfrage bei jeweils mehr als 40 Prozent der Bürger an. Merz bekommt in diesen Kategorien nur 15, neun und zehn Prozent. Geht es um die Chancen der CDU in Wahlkämpfen, so müssten die Delegierten sich für Kramp-Karrenbauer entscheiden. „Sie verkörpert Eigenschaften, die wahlentscheidend sind“, sagt Forsa-Chef Manfred Güllner.

Wahlen werden in der Mitte gewohnen, so die bewährte Formel. Und bei der Sozialpolitik steht die Katholikin deutlich weiter links und näher beim alten „rheinischen Kapitalismus“ als der neoliberale Merz. Gesellschaftspolitisch ist sie dagegen deutlich konservativer als der CDU-Mainstream – man denke an ihre Aussagen zur Homo-Ehe. Und außenpolitisch – etwa mit Blick auf die Krim-Kertsch-Krise – zeigt sie mit der Forderung, russische Schiffe, die aus dem Asowschen Meer kommen, nicht mehr in EU-Häfen zu lassen, deutlich stärker Kante als die Kanzlerin.

Sie ist keine Flügelkämpferin, sie positioniert sich bewusst in der Mitte der CDU, in deren Gliederungen sie als Generalsekretärin in den letzten Monaten hineinhorchen konnte. Abgehoben? Nicht AKK.

Erfahrung mit Grünen, FDP und SPD

Und: Kramp-Karrenbauer dürfte es mit den meisten potenziellen Koalitionspartnern leichter haben als Merz. Mit Grünen, FDP und mit der SPD hat sie aus wechselnden Koalitionen an der Saar Erfahrung – gute und schlechte. Ihre Jamaika-Koalition ließ sie platzen: Als sie an der Bündnistreue der FDP zweifeln musste, schmiedete sie hinter den Kulissen ein neues Bündnis mit dem damaligen Saar-SPD-Chef Heiko Maas. Machtpolitik.

Keine Frage, AKK dürfte Angela Merkels Lieblingskandidatin sein, was sie bei einigen in der CDU, die eine Wende wollen, diskreditiert. In den Regionalkonferenzen versuchte AKK den Spagat, sich einerseits von der Kanzlerin abzusetzen, sich andererseits als alternative Merkel zu zeigen. Eines aber will sie keinesfalls sein: eine „Mini-Merkel“ – aber wohl mehr wegen des „Mini“ als des „Merkel“: „Ich habe mit meinem Mann drei Kinder großgezogen, ich habe 18 Jahre lang Regierungsverantwortung getragen”, beschied sie. „An mir ist gar nix ,Mini’.”

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