CDU bestimmt neue Parteispitze
Hochspannung vor der Wahl

Hamburg -

Der Damm ist gebrochen: Kurz vor der mit Spannung erwarteten Wahl eines neuen Vorsitzenden der Bundes-CDU geben immer mehr prominente Politiker offen ihre Wahlempfehlung bekannt. Ausgelöst hatte diese Kehrtwende ausgerechnet Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (75), der ausdrücklich für Friedrich Merz als neuen Nachfolger von Kanzlerin Merkel an der Parteispitze geworben hatte.

Donnerstag, 06.12.2018, 18:26 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 21:41 Uhr
CDU bestimmt neue Parteispitze: Hochspannung vor der Wahl
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Bisher galt die Abmachung, vor der Wahl auf dem Bundesparteitag öffentlich nicht ausdrücklich Partei für einen der drei prominenten Kandidaten – Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn – zu ergreifen. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier kritisierte nun die Einlassungen von Wolfgang Schäuble ungewöhnlich deutlich.

Er selbst habe seine Präferenz für Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer bislang aus Respekt vor den Delegierten des CDU-Parteitags nicht öffentlich geäußert, sagte Altmaier. „Da Wolfgang Schäuble nun den Damm gebrochen hat, kann ich sagen: Ich bin überzeugt, dass wir mit Annegret Kramp-Karrenbauer die beste Chance haben, die CDU zu einen und Wahlen zu gewinnen.“

Schäuble hatte in einem Interview mit der „FAZ“ öffentlich für Merz geworben und die Bedeutung der Wahl sogar über die Partei hinaus betont: „Es wäre das Beste für das Land, wenn Friedrich Merz eine Mehrheit auf dem Parteitag erhielte.“

CDU-Parteivorsitz: Das sind die Kandidaten

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  • Der Parteivorsitz der Christlich Demokratischen Union bietet, zumindest den Amtszeiten der bisherigen Vorsitzenden zu Folge,  den stabilsten Posten in der bundespolitischen Hemisphäre Deutschlands. Mehr als 18 Jahre bekleidete die erste Bundeskanzlerin der deutschen Geschichte diese machtvolle Position - und erlebte derweil elf Kandidaten auf sozial-demokratischer Seite. Am Freitag soll nun das selbst eingeleitete Ende dieser Ära beschlossen werden. Die drei aussichtsreichsten Kandidaten sind viel besprochen in Medien, Parteien und an Stammtischen; das wichtigste über die Anwärter folgt in der Bilderstrecke.

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  • Ladies first - Das gilt nicht nur für die Position von Annnegret Kramp-Karrenbauer in unser Bilderstrecke, sondern auch - nach Meinung vieler - für ihre Aussichten im Rennen um den Parteivorsitz. Hier aber nur im Singular, denn die Saarländerin ist die einzige Frau im Trio der aussichtsreichsten Kandidaten. Die 56-Jährige ist seit 1981 Mitglied der CDU. In Trier und Saarbrücken studierte sie von 1982-1990 die Juristerei sowie Politikwissenschaft. Die politische Karriere nahm 1999 ihren Lauf, als sie zum ersten Mal in den saarländischen Landtag gewählt wird. Rasant ging es weiter mit einem Posten als Innenministerin zum neuen Jahrtausend; damit war sie die erste deutsche Chefin eines solchen Ressorts. Ab 2007 kommt es zum häufigen Wechsel der Ministerämter im Saarland. Von Bildung/Familie/Kultur zum Ressort für Arbeit, zum Justizministerium und schließlich zum Landesministerium für Wissenschaft und Forschung.  

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  • 2010 schafft es Kramp-Karrenbauer, die auch "AKK" abgekürzt wird, in das CDU-Präsidium aufgenommen zu werden. 2011 wird sie zur Ministerpräsidenten des kleinen Bundeslandes Saarland gewählt. Nach dem Rücktritt Peter Taubers wagt sie den Sprung in die Bundespolitik und wird mit Merkels Unterstützung zur Generalsekretärin gewählt. Sie gilt in den Reihen der CDU-Politiker als "Merkelvertraute". Annegret Kramp-Karrenbauer ist verheiratet und hat drei Kinder.

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  • Friedrich Merz, dem neben "AKK" die größten Chancen auf die Nachfolge von Angela Merkel eingeräumt werden, erblickte 1955 das Licht der Welt. Der Sauerländer ist seit 1972 Mitglied der CDU. Nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn arbeitet Merz seit 1986 als Rechtsanwalt. 1989 wird er für fünf Jahre in das Europäische Parlament gewählt. Anschließend beginnt für ihn ein Mandat im Deutschen Bundestag, das er bis 2009 innehat. 

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  • Den bisherigen politischen Höhepunkt erreicht Merz im Jahr 2000, in dem er zum Fraktionsvorsitzenden der CDU gewählt wird - in Zeiten der Opposition stellte dies ein machtvolles Amt dar. Zwei Jahre hält sich Merz auf dem Posten. Ab 2005 beginnt er seine Mitarbeit bei der international tätigen Anwaltskanzlei "Mayer Brown". In den folgenden Jahren wird der als neo-liberal geltende Merz in verschiedene Aufsichts- und Verwaltungsräte gewählt. 2018 kündigte er überraschend seinen Antritt zur Wahl der CDU-Spitze an und findet dabei Unterstützung bei Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Friedrich Merz ist verheiratet und hat drei Kinder.

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  • Das jüngste Kabinettsmitglied Merkels machte besonders in der jüngeren Vergangenheit mit provokanten Äußerungen zum Thema Migration von sich Reden. Jens Spahn kam 1980 in Ahaus zur Welt und trat 1997 der CDU bei, nachdem er schon zwei Jahre in der Jungen Union tätig war. 1999 beginnt er sein Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität Hagen, das er im vergangenen Jahr abschließt. 1998 bis 2005 ist er Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend. Seit 16 Jahren ist der junge Spahn Mitglied im deutschen Bundestag. 

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  • Der rasche Aufstieg gewinnt weiter an Fahrt als der Münsterländer 2012 Mitglied des CDU-Vorstandes und 2014 Mitglied des Präsidiums wird. Im Bundesfinanzministerium wird Spahn 2015 Staatsekretär und bleibt dies bis zur neuen Regierungsbildung Anfang des Jahres. Darauf folgt sein bisherig politisch höchstes Amt als Bundesgesundheitsminister. Der 38-Jährige etablierte sich in den letzten Jahren zu einem der prominentesten Merkel-Kritiker. Trotz der geringen Umfragewerte unter den 1001 CDU-Delegierten sieht Spahn selbst seine Kandidatur als aussichtsreich. Spahn ist katholisch und seit 2017 verheiratet.

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Viele – gerade jüngere in der Partei – bewerten es als kritisch, dass eine Gruppe von alten Merkel-Gegnern nun versucht, Merz ins Amt zu heben. Annegret Kramp-Karrenbauer vermied am Donnerstag jeden direkten Bezug zu dieser Auseinandersetzung, mahnte die Partei stattdessen zur Geschlossenheit. Bisher galt das Rennen vor allem zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer als offen, Gesundheitsminister Spahn (Ahaus) werden bei dem Votum der 1001 Delegierten am Freitag in Hamburg nur Außenseiterchancen eingeräumt.

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