Meinung
Darum sollte Friedrich Merz die Wahl gewinnen

Münster -

Um es gleich vorweg zu nehmen: Der Autor dieser Zeilen vertritt die Auffassung, dass Friedrich Merz zum gegenwärtigen Zeitpunkt der richtige Kandidat für das Amt des CDU-Parteivorsitzenden ist; das schmälert nicht die beachtlichen bisherigen politischen Lebensleistungen der beiden Mitbewerber.

Donnerstag, 06.12.2018, 18:28 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 20:21 Uhr
Meinung: Darum sollte Friedrich Merz die Wahl gewinnen
Friedrich Merz Foto: dpa

 Diese Auffassung findet ihre Begründung auch darin, dass angesichts des Zustandes der anderen ehemals großen deutschen Volkspartei davon auszugehen ist, dass die CDU, in welcher Koalitionskonstellation auch immer, auch in nächster Zukunft den Bundeskanzler stellen wird. Deshalb ein Plädoyer für Friedrich Merz.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist keine „Mini-Merkel“ – dieses Attribut auf dem Höhepunkt des Kandidaten-Krimis wird der früheren saarländischen Ministerpräsidentin nicht gerecht. Allerdings: Jenseits der einen oder anderen programmtischen Absetzung dürfte es mit „AKK“ doch eine ganze Menge „Weiter so“ geben. Diese Sozialdemokratisierung der CDU, dieses eher mütterliche „Es-allen-recht-mach-en-wollen“, diese immer eher passiv reagierende als pro-aktiv agierende Politik – das war alles andere als unerfolgreich, aber es ist nun auch gut gewesen.

Diese Zeit und diese CDU brauchen jetzt neue Impulse, neuen Schwung, neuen Mut. Lust auf Gestaltung. Ohne dieses banale Schubladen-Denken „zu wirtschaftsnah“ bzw. „zu arbeitnehmer-nah“, zu weit rechts von der Mitte oder zu weit links von der Mitte.

Merz steht für eine Wende

Friedrich Merz, so widersprüchlich dies angesichts seiner 63 Lebensjahre auch klingen mag, steht für eine solche Wende, für eine Belebung in Zeiten geradezu bleiern werdender Merkel-Müdigkeit. Eine Wende in Stil, Sprache und Inhalt.

Natürlich liegen dem wirtschaftlich erfolgreichen Sauerländer Demutsgesten eher fern; seine finanzielle Einsortierung in die obere Mittelschicht dürfte ein solcher Ausrutscher gewesen sein... Seine Gesichtsmimik lässt nur allzu oft direkte Rückschlüsse auf seine Gedanken dahinter zu. Und was selbstgerechtes Auftreten und eine bisweilen durchaus arrogante Attitüde anbelangt – da trennen Merz und Merkel Welten.

Seine rhetorische Brillanz ist unbestritten. Viel wichtiger aber ist: Wenn Friedrich Merz redet, dann sagt er auch etwas. Der Mann formuliert die Dinge auf den Punkt. Ein scharfer Analytiker mit einer inhaltlichen Klarheit und Konkretheit, die auf der politischen Bühne in Berlin absolut zur Mangelware geworden ist. Man muss nicht jede seiner Positionen inhaltlich teilen, aber allein die Art, die Eloquenz, die Entschlossenheit und die Verve, mit der der Politik-Pausierer wieder in die Schlacht werfen möchte, machen den wohltuenden Unterschied aus. Ja, gegen Friedrich Merz wirkt der junge Jens Spahn schon ziemlich systemisch saturiert; aber dessen Zeit wird ja schon noch kommen.

Sicher in der Europa- und Außenpolitik

Europa- und außenpolitisch bewegt sich Merz auf ganz sicherem Terrain, insbesondere mit Blick auf die transatlantischen Beziehungen; ein Arnsberger mit großem intellektuellen und geografischen Radius. Seine Neigung, politische Inhalte zuzuspitzen, Differenzen eben nicht zuzukleistern sondern vielmehr deutlich zu machen, dürfte der CDU helfen, hier und da wieder am eigenen Profil zu feilen.

Digitalisierung, Migration, Sicherheit, die Zukunft des Industriestandortes, Infrastruktur, Sozialsysteme, die Steuerpolitik – obwohl es dem Wirtschaftswunderland Deutschland so gut wie lange nicht mehr geht, lädt es doch gleichzeitig ein zu einem geradezu gigantischen Baustellen-Rundgang. Gesucht werden Architekten, die Lösungen bauen. Und gern mal aus einem anderen Blickwinkel nach alternativen Varianten suchen.

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