Merkels Abschiedsrede
„Es war mir eine Ehre“

Hamburg -

Sie kann noch die ganze Palette der politischen Kunst, zwischen Weltkanzlerin und CDU-Vorsitzender, die indirekt, aber dafür umso wirksamer gegen alte Feinde austeilen kann. Schon vor ihrer letzten Rede als Parteichefin gibt es donnernden Beifall, Jubel. 

Freitag, 07.12.2018, 21:16 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 21:21 Uhr
Angela Merkel
Angela Merkel Foto: dpa

Am Ende sollten es knapp zehn Minuten stehende Ovationen werden – auch wenn sich bei einigen in den Applaus durchaus die Erleichterung gemischt haben wird, dass sie jetzt den Parteivorsitz in andere Hände gibt.

„Ich habe lange darüber nachgedacht, ob die Partei mir in den vergangenen 18 Jahren etwas vorenthalten hat“, sagt sie. „Und ich habe nichts gefunden. Anders herum war es manchmal anders, ich weiß. Doch es war mir immer eine Ehre.“

Jubel, große Würdigungen vieler Redner nach der Abschiedsrede auf dem Parteitag. Für einen Moment bekommt Merkel feuchte Augen. Zuvor erinnert sie an die umfassenden Umwälzungen auf der Welt, den Herausforderungen in einer sich verändernden Gesellschaft.

Natürlich spricht sie auch von der deutschen Einheit. „Ich bin froh, dass zur Zeit der Einheit ein so kluger Mann wie George Bush senior Präsident der USA war.“ Jeder weiß, wer gemeint ist, welchen Gegensatz sie meint.

Doch Merkel ist auch an diesem Tag noch nicht ganz entschwunden im Orbit der Weltpolitik, sondern auch und gerade CDU-Vorsitzende mit einer ganz eigenen Geschichte. „Ich erinnere mich noch genau an das Jahr meines Amtsantritts als CDU-Vorsitzende im Jahr 2000“, beginnt Merkel ganz harmlos. Doch die nächsten Sätze sind wie Giftpfeile in Richtung der alten politischen Kontrahenten. „Die CDU war aufgrund der Spendenaffäre politisch, moralisch und auch finanziell am Ende. Das war so.“ Jeder weiß, wer damals mit eine Verantwortung für die Spendenaffäre trug: der damalige CDU-Chef Wolfgang Schäuble. Viele klatschen, doch der Bundestagspräsident rührt keine Hand. Die Kameras schwenken auf den 75-Jährigen.

Noch zwei Mal wird Merkel das Wort „Spendenaffäre“ erwähnen. An Zufall glaubt wohl niemand. War es doch Schäuble, der in dieser Woche nicht nur ganz offen für Friedrich Merz geworben hat, sondern auch noch einmal ausgeholt hat gegen Merkel. Aber sie erwähnt ihn nicht, spricht auch keine direkte Wahlempfehlung für einen der drei Kandidaten aus. Direkt nicht, aber sie erwähnt bestimmt nicht zufällig die Wahlsiege der Landesverbände der CDU in NRW und in Schleswig-Holstein. Und natürlich auch die 40 Prozent, die die CDU-Saar im Saarland geholt hat. So macht man wohl Werbung für die Favoritin, ohne sie direkt anzusprechen.

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