Die neue Bodenhaftung
Was machen die Ex-Minister und -Ministerinnen?

Nach der Bundestagswahl 2017 mussten die Deutschen fast ein halbes Jahr auf die neue Bundesregierung warten. Für die neue große Koalition hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Kabinett umgebildet – und nur wenige ehemalige Minister haben sich weiterhin in der Politik zu Wort gemeldet. Was machen sie heute?

Montag, 14.01.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 14.01.2019, 11:25 Uhr
Die neue Bodenhaftung: Was machen die Ex-Minister und -Ministerinnen?
Sigmar Gabrielsitzt auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt des Außenministers noch für die SPD im Bundestag. Dass er dort aber so wenig anzutreffen war, sorgte für Unmut in der Fraktion. Foto: dpa

 Sigmar Gabriel ( SPD)

Der Niedersachse und ehemalige Außenminister (59) sitzt noch im Bundestag. Nebenbei schrieb er das Buch „Zeitenwende in der Weltpolitik“, für einige Zeitungen arbeitet er als Autor, und er hielt sich zu Forschungszwecken in Harvard (USA) auf. Am 21. September 2018 wurde er zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Goslar ernannt, für die SPD tingelt er weiterhin durch Ortsvereine quer durch die Repu­blik – vorzugsweise, um über die Weltpolitik zu reden.

Aufgrund seiner zahlreichen Verpflichtungen hat er einige Probleme mit der SPD-Fraktion. Im Oktober räumte er auf seiner Homepage ein: „In den Monaten nach meinem unfreiwilligen Ausscheiden aus dem Amt des Außenministers ist es zu einer Reihe von Terminkollisionen gekommen – mit der Folge, dass ich bei einer Vielzahl von namentlichen Abstimmungen im Deutschen Bundestag nicht anwesend war. Wer dieses kritisiert, dem muss ich recht geben.“

Der Vater von drei Töchtern ist mit einer Zahnärztin verheiratet. Das Quartett sorge, so erklärt Gabriel auf seiner Homepage, für seine Bodenhaftung. „Wenn ich nach Berlin muss, fragt mich meine Frau manchmal spöttisch: Na, musst du wieder mal die Welt retten? Hier zu Hause gäbe es auch genug zu tun!“

Barbara Hendricks (SPD) 

Die 66-jährige Katholikin vom Niederrhein hat ihre politische Laufbahn als Referentin in der Pressestelle der SPD-Bundestagsfraktion begonnen, sich beständig nach oben gearbeitet, sie sitzt seit 1994 im Bundestag und war von 2013 bis zum März 2018 Umweltministerin.

Dabei scheute sie nie das offene Wort. Im Februar 2017 veröffentlichte Hendricks‘ Ministerium auf der Homepage und auf Plakaten „Neue Bauernregeln“. Dabei handelte es sich um Sprüche wie „Steht das Schwein auf einem Bein, ist der Schweinestall zu klein“, oder „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm“. Die von den Bauernverbänden heftigst attackierte Kampagne sollte „auf Fehlentwicklungen in der Landwirtschaft“ hinweisen.

Im Bundestag liegen ihr nun vor allem soziale Themen und Probleme der Arbeitslosen am Herzen. Auch wenn sie kein Ministeramt mehr bekleidet, pflegt sie weiterhin klare Worte. In einer Rede am 12. Oktober 2018 gab Hendricks, die am 30. Oktober 2017 ihre Lebenspartnerin Valérie Vauzanges geheiratet hat, der AfD und deren homophoben Reden deutlich Kontra. Sie äußerte ihre Verwunderung darüber, dass die AfD für ihre Anträge das Grundgesetz beanspruchte – wo deren Abgeordnete doch konsequent § 1 und den Grundsatz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ verletzten.

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Barbara Hendricks Foto: dpa

Hermann Gröhe (CDU)

Der Rheinländer war von 2013 bis zum März 2018 Gesundheitsminister, davor stand er als CDU-Generalsekretär Angela Merkel zur Seite. Seit 1994 vertritt er den Wahlkreis Neuss im Bundestag. Der „Neusser Kreis“, zu dem Gröhe gehörte, zählte eine Zeit lang zu den einflussreichen Zirkeln in der CDU.

Als Unions-Fraktionsvize bestellt der 67-Jährige die Themenfelder Soziales und Entwicklungspolitik. Zudem will er das neue Parteiprogramm mitgestalten. In einem Interview mit seiner Heimatzeitung , der „Neuss-Grevenbroicher Zeitung“, betonte er die Zielrichtung: „Es geht darum, die CDU in der Mitte der Gesellschaft zu behaupten.“ Er sieht die Union auf gutem Weg, räumt aber auch ein: „Wir haben aber auch Vertrauen mit dem Dauerstreit zur Migration verspielt. Zudem war der Stil der Auseinandersetzung daneben. Da fragen sich dann die Bürger: Wo bleibe ich mit meinen Problemen? Vertrauen gewinnt man nur durch beharrliche Arbeit zurück.“

Gröhe ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Hermann Gröhe Foto: dpa

Alexander Dobrindt (CSU)

Sein Name wird stets mit der Pkw-Maut verbunden bleiben, die er als Bundesverkehrsminister (2013-2017) auf ­Biegen oder Brechen durchsetzen wollte – trotz der Bedenken der EU, der Datenschützer und auch der Finanzexperten. Er versprach, dass sie die deutschen Autofahrer nicht belasten wird – das ist aber noch nicht sicher. Die Pkw-Maut wurde formal zum 1. Januar 2016 eingeführt. Sie wird aber laut § 16 des Infrastrukturabgabengesetzes erst umgesetzt, wenn das zur Erhebung erforderliche System einsatzbereit ist. Das soll nun im Oktober 2020 der Fall sein.

Dobrindt liebt Alleingänge und deftige Töne. Griechenland sah er schon außerhalb der Eurozone, EZB-Präsident Draghi bezeichnete er als „Falschmünzer“. Dafür erhielt er von der Europa-Union den Negativpreis „Europa-Distel“. Seit September 2017 ist er Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag. Der ­48-Jährige ist verheiratet und hat einen Sohn.

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Alexander Dobrindt Foto: AFP

Thomas de Maizière (CDU)

Der 64-Jährige, der in Münster Jura studierte, gehörte eine Zeit lang zu den einflussreichsten Politikern im Land, war ein enger Wegbegleiter von Angela Merkel. Er war erst Kanzleramtschef, dann Innenminister, Verteidigungs- und wieder Innenminister – das Handy lag immer eingeschaltet griffbereit auf dem Nachttisch. Jetzt ist er ganz normaler Abgeordneter – mit mehr Zeit und mehr persönlichen Freiheiten. „Jeder, der Minister wird, muss so arbeiten, als wäre seine Amtszeit unbegrenzt – und er muss die innere Einstellung haben zu wissen, dass es ein Amt auf Zeit ist“, schreibt de Maizière auf seiner Homepage.

Echte Freunde in der Politik habe er ganz wenige, verriet er der „Berliner Morgenpost“ im Interview. Außerhalb dieser Käseglocke Parlament seien sie ihm wichtig. De Maizière ist seit 1987 mit Martina de Maizière verheiratet, das Paar hat drei Kinder: eine Tochter und zwei Söhne.

Der gebürtige Bonner ist durch die Zeit unter Kurt Biedenkopf in Sachsen besonders geprägt – im Bundestag vertritt er den Wahlkreis Meißen. Und im Paul-Löbe-Abgeordnetenhaus liegt sein Büro auf einem, wie er berichtet, „rein sächsischen Flur, der weithin sichtbar mit Flaggen in den Landesfarben geschmückt ist“.  

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Thomas de Maizière Foto: Michael Kappeler

Die Reihe wird fortgesetzt.

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