Proteste gegen Kandidatur
Algeriens Präsident heimgekehrt - Streik gegen Bouteflika

Mehr als zwei Wochen laufen die Proteste gegen Algeriens Staatschef Bouteflika schon. Ein Ende des Widerstands gegen seine erneute Kandidatur ist nicht zu erkennen. Doch die Armee bleibt ihm treu. Jetzt greifen seine Widersacher zu anderen Mitteln.

Sonntag, 10.03.2019, 21:02 Uhr aktualisiert: 10.03.2019, 21:04 Uhr
In dem Konvoi befindet sich mutmaßlich der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika, der auf dem Militärflughafen südlich der Hauptstadt gelandet sein soll.
In dem Konvoi befindet sich mutmaßlich der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika, der auf dem Militärflughafen südlich der Hauptstadt gelandet sein soll. Foto: Toufik Doudou

Algier (dpa) - Trotz der Rückkehr des altersschwachen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika nach Algerien bleibt die Lage im Land angespannt. Nach rund zwei Wochen medizinischer Behandlung in der Schweiz landete der 82 Jahre alte Staatschef auf einem Militärflughafen südwestlich der Hautpstadt Algier.

Das Präsidialamt teilte mit, bei der Behandlung in Genf habe es sich um routinemäßige Untersuchungen gehandelt, wie die staatliche Agentur APS meldete. Die Proteste gegen Algeriens Bouteflika reißen auch nach mehr als zwei Wochen nicht ab. Am Sonntag folgten in mehreren Städten des nordafrikanischen Landes viele Geschäfte und Beschäftigte Aufrufen zu einem Generalstreik.

Der Streik richtet sich gegen eine weitere Kandidatur des Staatschefs bei der Präsidentenwahl am 18. April. Bouteflika ist seit 20 Jahren an der Macht und strebt eine fünfte Amtszeit an. Seine Gegner sehen ihn jedoch nicht mehr in der Lage zu regieren. Seit einem Herzinfarkt sitzt der 82-Jährige im Rollstuhl und hat große Probleme beim Sprechen. Vor zwei Wochen war er zu Untersuchungen nach Genf gereist. Sein genauer Gesundheitszustand ist Gegenstand von Spekulationen.

In Algier blieben tagsüber zahlreiche Läden und Märkte geschlossen. Ganze Straßenzüge waren menschenleer. Auch große staatliche und private Unternehmen waren von dem Ausstand betroffen, wie algerische Medien und Aktivisten meldeten. Im Zentrum Algiers zogen zudem Schüler protestierend durch die Straßen.

Mit dem Konzern Cevital schloss sich auch eines der größten Unternehmen des Landes an. Es solidarisiere sich mit dem Generalstreik, twitterte das Unternehmen.

Eine zentrale Rolle im Ringen um Bouteflikas Rolle spielt das Militär, eine der wichtigsten Machtsäulen im Land. Stabschef Ahmed Gaid Salah würdigte in einer Rede die «Einheit von Armee und Volk», machte aber keine Anzeichen, dass das Militär von Bouteflika abrückt.

Um den Protesten Einhalt zu gebieten, ordnete die Regierung überraschend an, die Frühlingsferien auf Sonntag vorzuziehen und auf fast vier Wochen zu verlängern. Die Demonstrationen hatten vor mehr als zwei Wochen begonnen. Am Freitag kam es in vielen Städten des Landes zum bislang größten Massenprotest gegen Bouteflika.

Bei Zusammenstößen am Rande der Demonstrationen wurden in Algier mehr als 200 Menschen verletzt. Die Polizei setzte Tränengas ein, es flogen Steine und Gummigeschosse. Offizielle Stellen sprachen von «Chaoten», die im Nationalmuseum für Altertümer und Islamische Kunst randaliert und geplündert hätten. Bilder zeigten ausgebrannte Räume und zerstörte Vitrinen. 195 Menschen wurden festgenommen.

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