Blick in die Glas-Kuppel
Wer regiert 2030 Deutschland?

Münster -

Die politische Landschaft in Deutschland im Jahr 2030 – wie könnte sie aussehen? Regieren immer noch die etablierten Parteien mit den bekannten Namen?  Oder sind ganz andere, unbekannte Politiker an den Schaltstellen der Macht?

Sonntag, 17.03.2019, 18:26 Uhr aktualisiert: 17.03.2019, 18:35 Uhr
Die politische Landschaft in Berlin 2030?Die dann im Bundestag handelnden und regierenden Personen könnten schon heute bekannt sein. Oder gibt es Überraschungen? dpa
Die politische Landschaft in Berlin 2030?Die dann im Bundestag handelnden und regierenden Personen könnten schon heute bekannt sein. Oder gibt es Überraschungen? Foto: dpa

Die Kabinettssitzung findet nicht mehr im Kanzleramt in Berlin-Mitte statt, Punkt 11 Uhr, im März des Jahres 2030. Keine ­Gespräche mehr rund um den Tisch, keine Fotos, kein Heran- und Wegfahren schwarzer Limousinen. Die zweite Regierung aus Union, Grünen und FDP tagt per Video­konferenz, tauscht sich über verschlüsselte Social-Media-Kanäle aus. Und der Oppositionsführer snapt seine Kommentare per Handy an die Öffentlichkeit.

Annegret Kramp-Karrenbauer noch CDU-Chefin?

Ein Ausblick auf die politische Landschaft 2030, ein Blick in die Glaskugel. Wer ist mächtig im Deutschland des Jahres 2030? Und welche Namen, die heute, zehn Jahre zuvor, hoch gehandelt werden, sind längst in Vergessenheit geraten? Klar ist, dass alle Parteivorsitzenden der etablierten Parteien aktuell in einem Alter sind, das ihnen ermöglicht, auch in zehn Jahren noch Spitzenämter zu übernehmen.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist heute 56 Jahre alt. Sollte sie – und das ist zu erwarten – in den kommenden Monaten das Kanzleramt übernehmen, wäre die Saarländerin durchaus in der ­ Lage, ihre Partei und – bei entsprechenden Wahlergebnissen – auch Deutschland bis 2030 zu regieren. Offen ist aber, ob die CDU erneut eine so lange Regierungszeit einer Person akzeptiert, sind doch die 14 Jahre Kanzlerschaft der Angela Merkel gerade in der Endphase zumindest innenpolitisch nicht allen in guter Erinnerung.

Konkurrenz in der Union

Die Union verfügt durchaus über gute Nachwuchskräfte, die sich schon heute – im Jahr 2019 – für eine Nach-Merkel-Zeit und Nach-Kramp-Karrenbauer-Zeit in Position gebracht haben. Jens Spahn, der zwar bei seinem ersten Anlauf zur ­Bewerbung als CDU-Parteichef im Dezember 2018 knapp gescheitert war, ist seit einem Jahr Bundesgesundheitsminister. Noch wichtiger: Der heute 38-Jährige gilt als Unterstützer eines möglichen Jamaika-Bündnisses und könnte mit Robert Habeck und Christian Lindner (beide kennen und schätzen sich) harmonieren.

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Jens Spahn Foto: dpa

Doch natürlich, in der Union gibt es ­keinen Aufstieg ohne Konkurrenz, auch für den selbst­bewussten Spahn nicht. Da wäre der unterschätzte Alexander Dobrindt. Vergessen seine zumeist unglücklichen Auftritte als Bundesverkehrsminister in den Jahren 2013 bis 2017. Die Zeit der Merkel-Dämmerung hat der 48-Jährige ­genutzt, um als CSU-Landesgruppen-Chef Netzwerke zu knüpfen. Sein oberstes Ziel: den bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Chef Markus Söder in München zu halten.

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Alexander Dobrindt Foto: dpa

Auch Julia Klöckner könnte auf ihre Chance warten, verfügt sie doch über Erfahrungen in vielen politischen Ämtern und ist gut vernetzt in der Partei. Sie hat Zeit.

Unbekannte politische Talente

Und in den Ländern gibt es weitere politische Talente, von denen 2019 kaum jemand spricht: Der Blick richtet sich ­einmal mehr ins Saarland. Seit Mai 2018 regiert dort ­Tobias Hans? Nie gehört? Der heute 41-Jährige ist Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer, gilt als heimatverbunden, modern und dennoch wert-konservativ, ein bekennender Christ.

Sein Thema: die Digitalisierung auch und gerade für und im ländlichen Raum „nutzbar“ zu machen. „Eine ­leistungsfähige digitale Infrastruktur ist Grundvoraus­setzung, um Potenziale wie digitale Behördengänge, in der Telemedizin und bei (Unternehmens-) Ansiedlungen zu schöpfen“, gibt der CDU-Politiker als Credo für seine Regierung aus. Auch Daniel Günther könnte es irgendwann in Kiel, wo er Ministerpräsident ist, langweilig werden.

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Tobias Hans Foto: dpa

Liberalen keine Opposition mehr

Und wie sieht es aus bei der Opposition? Natürlich muss Christian Lindner dann den Sprung in die Regierung ­geschafft haben. Die Liberalen können nicht ewig Opposition praktizieren, sondern müssen irgendwann einmal regieren.

Lindner, heute 40 Jahre alt und also 2030 im besten Ministeralter, könnte zeigen, wie in einer Welt nach Brexit und Trump auch liberale Werte wieder einer Gesellschaft gut zu Gesicht stehen.

Wie steht es um die SPD?

Darüber kann er in Berlin 2030 vielleicht mit Kevin Kühnert streiten. Der Blick in die Glaskugel, gerade bei der dauer­kriselnden SPD, noch schwerer: Gibt es diese einst so stolze Partei noch oder hat sie das Schicksal der Sozialdemokraten in Frankreich, in den Niederlanden oder Italiens geteilt und ist untergegangen? Hat sie, um zu überleben, mit der Linkspartei fusioniert? Oder gab es eine Renaissance der politischen Linken? Und wie viele Parteivorsitzende haben die ­Sozialdemokraten in der Zeit zwischen 2020 und 2030 verschlissen? Oder schafft Andrea Nahles eine neue Ära?

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Andrea Nahles Foto: dpa

Kevin Kühnert jedenfalls wird irgendwann seinen Juso-Rucksack abgelegt und sich in die erste Reihe gestellt haben müssen: „Manchmal muss man ein Zwerg sein, um irgendwann einmal ein Riese zu sein.“ Dieser Satz hat ihn als Juso-Chef ­berühmt gemacht.

2017 hat der 30-Jährige auf dem Parteitag in Bonn für das Nein gegen eine große Koalition geworben. Und verloren. Riese oder Zwerg? Es könnte die Zeit kommen, dass die poli­tische Realität zwischen Twitter und Instagram, zwischen Zeitungen und Fernsehen die Antwort erteilen wird.

Comeback auf der Weltkarte

Die weltweite Dynamik wird sowohl die gesellschafts- als auch die wirtschaftspolitischen Prozesse verändern. Sollte sich die USA in den Jahren zwischen 2020 und 2030 weiter auf ihre nationalistische Politik der Isolation ­zurückziehen und es in China zu keinen sozialen oder ­­  eth­nischen Konflikten kommen, dürfte Peking die be­stimmende Weltmacht sein. Das Riesenreich versucht schon jetzt, seinen Einfluss in Asien, in Afrika und auch in den Krisenländern Südeuropas auszubauen. Und Europa? Viel wird darauf ankommen, ob die Achse Deutschland-Frankreich sich neu beleben kann und die nationalen ­Kräfte zurückdrängt. Dann könnte die EU durchaus ein bemerkenswertes Comeback auf der Weltkarte erfahren.

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