Schon 15 Kandidaturen für US-Wahl 2020 angekündigt
Wer traut sich gegen Trump?

Münster -

Wer hat das Zeug, Donald Trump zu schlagen? Das ist die zentrale Frage, die die Demokraten Tag und Nacht umtreibt. Auch wenn die Wahl erst im November 2020 stattfindet, haben bereits 15 demokratische Kandidatinnen und Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen. Teils alte Bekannte, teils junge Hoffnungsträger. 

Freitag, 15.03.2019, 18:06 Uhr aktualisiert: 15.03.2019, 18:26 Uhr
Donald Trumps Kandidatur für eine zweite Amtszeit im Oval Office scheint derzeit wenig im Wege zu stehen – trotz aller Skandale und Probleme hält die Basis zu ihm.
Donald Trumps Kandidatur für eine zweite Amtszeit im Oval Office scheint derzeit wenig im Wege zu stehen – trotz aller Skandale und Probleme hält die Basis zu ihm. Foto: dpa

Für diesen frühen Start gibt es zwei Gründe: Erstens ist noch kein „Frontrunner“ in Sicht, kein Favorit, sodass sich viele jetzt noch eine Chance in dem völlig offenen Feld ausrechnen. Zweitens: Donald Trump wird als verwundbar wahrgenommen, was die Demokraten ermutigt.

Dabei hat ein Hauptfavorit – Polit-Veteran und Ex-Vizepräsident Joe Biden – noch gar nicht offiziell seine Kandidatur angemeldet. Dagegen hat der Shooting-Star von 2018, Beto O‘Rourke, gerade seine Kampagne angekündigt. Er gilt als „weißer Obama“, als bürgernahes Talent aus Texas. Allerdings besteht die Gefahr, dass ihm nach seiner knappen Niederlage bei den Midterms ein Verlierer-Image anheftet.

Wie kann man die Kandidaten einteilen? In kulturellen und sozialen Fragen unterscheiden sie sich nur wenig. Es fällt ihnen deshalb schwer, sich zu profilieren. Denn alle zeigen sich sehr liberal und progressiv. Doch das Neue für die Demokraten: Im ökonomischen Bereich gibt es starke Differenzen zwischen Vertretern einer linken, fast marxistisch präsentierten Agenda, die sich äußerst medienwirksam gegen Trump verkaufen lässt, und den eher pragmatischen Demokraten.

Ökonomischer Linkspopulismus

Noch in den 90er Jahren hat kaum jemand von demokratischem Sozialismus geredet, aber jetzt? Der Begriff ist bei den Demokraten ganz normal geworden. Besonders hat dazu Bernie Sanders beigetragen, ein alter Bekannter der Vorwahlen von 2016, der ganz links außen rangiert und trotz seiner 77 Jahre erneut kandidiert. Nicht zu vergessen die forsche Elizabeth Warren. Donald Trump ist für beide das rote Tuch. Sie setzen rhetorisch darauf, den Hass der Wähler auf den amtierenden Präsidenten abzuschöpfen.

Sanders prangert unermüdlich den unverhältnismäßigen Reichtum einer Minderheit an, spricht von „Revolution“. Auch Elisabeth Warren setzt auf eine große Veränderung, erwähnt immer wieder, man müsse den Sumpf in Washington austrocknen und dem Volk seine Macht zurückgeben. Sie propagiert also eine rigorose Zerstörung des Systems von innen – wie Trump, nur von links. Beide vertreten so eine Art ökonomischen Linkspopulismus. Warrens Problem: Trump veräppelt sie als „Pocahontas“ wegen eines Gentests, der ihre indianischen Wurzeln nachweisen sollte.

Diese Kandidaten wollen 2020 gegen Trump antreten

1/10
  • Bernie Sanders, 77: »Du kannst nicht Milliardär werden, indem du Kinder übersiehst, die auf der Straße schlafen.«

    ► Sein Leben: unabhängiger Senator aus Vermont, lebte auf dem Land und hatte diverse Jobs.

    ► Hauptpunkt: Mit seiner radikalen Wirtschafts- und Sozialpolitik steht er für den Linksruck der Demokraten, gilt als Gegenteil von Trump.

    ► Schwäche: Er ist inzwischen mit 77 in die Jahre gekommen. Kann er noch als Zugpferd für junge Wähler herüberkommen?

    ► Aussichten: Seine Anliegen wirkten 2016 revolutionär, doch sie sind inzwischen normal bei den Demokraten. Er erreicht afro-amerikanische Wähler kaum.

    Foto: Preston Ehrler
  • Elizabeth Warren, 69: »Wenn du nicht am Tisch sitzt, stehst du auf der Speisekarte. Deshalb brauchen wir starke Frauen.«

    ► I hr Leben: Frühere Jura-Professorin, Senatorin aus Massachusetts.

    ► Ihr Hauptpunkt: Als Vorkämpferin für Arme Einkommensungleichheiten abschaffen, die Wall Street kontrollieren, Verbraucher vor Konzernen schützen.

    ► Schwäche: Wirbel um ihre Behauptung, indianische Wurzeln zu haben. Trump verhöhnt sie als“Pocahontas“, ein DNA-Test brachte nur wenig indianisches zutage.

    ► Aussichten: Viel Rückhalt bei linken Demokraten, rechtere sehen sie als Hillary Clinton 2.0.

    Foto: Frank Franklin II
  • Kamala Harris, 54: »Meine Mutter sagt: Du könntest als Erste vieles erreichen. Sorg dafür, dass du nicht die Letzte bist.«

    ► Ihr Leben: Ehemalige Staatsanwältin, seit zwei Jahren Senatorin für Kalifornien, Mutter aus Indien, Vater aus Kenia. Sie ist mit dem Anwalt Douglas Emhoff verheiratet.

    ► Hauptpunkt: Die sieht sich als „fröhliche Kriegerin“, kämpft für die Krankenversicherung und eine Politik fürs ganze Volk.

    ► Schwächen: Bisher nur wenige bekannt.

    ► Aussichten: Sie gilt als weiblicher Obama, wirkt brillant, hat Starqualitäten und ist äußerst beliebt bei der Presse in den Metropolen. Gute Aussichten also.

    Foto: John Locher/AP/dpa
  • Cory Booker, 49: »Wir haben genug von Washington, das in Partei-Lager gespalten ist, sodass nichts erledigt wird.«

    ► Sein Leben: Jurist, Senator aus New Jersey, früher Bürgermeister der Stadt Newark. Er ist bekennender Veganer.

    ► Hauptpunkt: Er gilt als politische Wiedergeburt Barack Obamas, er möchte das US-Justizsystem völlig revolutionieren und liberalisieren.

    ► Schwäche: Er hatte in der Vergangenheit Finanzbeziehungen zur Banken- und Pharmalobby.

    ► Aussichten: Er ist sehr geschickt in der Nutzung sozialer Medien, wirkt sehr medienaffin, doch ihm fehlt eine Familie.

    Foto: EPA/SHAWN THEW
  • Kirsten Gillibrand, 52: »Gesundheitsvorsorge sollte ein Recht sein, kein Privileg. Wir brauchen Medicare für alle.«

    ► Ihr Leben: US-Senatorin für New York, frühere Anwältin, zweifache Mutter.

    ► Hauptpunkt: Sie kämpft für Frauenrechte und gegen sexuelle Gewalt. Sie will eine Krankenversicherung für alle garantieren und eine bessere Versorgung für Familien.

    ► Schwächen: Auch sie gilt als sehr direkt und resolut. Das gefällt nicht jedem.

    ► Aussichten: Linke Demokraten sehen sie als zu konservativ an. Doch sie hat sich in den letzten Jahren gewandelt, gilt inzwischen als führende liberale Stimme im Senat.

    Foto: Charlie Neibergall/AP/dpa
  • Beto O‘Rourke, 46: »Ich will alles geben, um dem Versprechen Amerikas gerecht zu werden.«

    ► Sein Leben: früherer Kongressabgeordneter aus Texas, 2018 Kandidatur für den Senat gegen Ted Cruz: Er verlor nur knapp.

    ► Hauptpunkt: Er ist dezidiert gegen den Mauerbau von Donald Trump, gibt sich ansonsten eher gemäßigt.

    ► Schwächen: Wenig Anbindung an die Demokraten, dies könnte aber auch seine größte Stärke werden.

    ► Aussichten: Er ist ein begnadeter Redner, nutzt geschickt die sozialen Medien: Eine attraktive Alternative zum demokratischen „Establishment“, ist aber auch für die Mitte wählbar.

    Foto: Charlie Neibergall
  • Amy Klobuchar, 58: »Ich träume davon, dass es irgendwann mehr Frauen im Senat gibt als Opfer von Harvey Weinstein.«

    ► Ihr Leben: demokratische Senatorin aus Minnesota seit 2007.

    ► Hauptpunkt: Sie gilt als eher konservativ für eine Demokratin.

    ► Schwächen: Sie hat den Rufe, eine cholerische Chefin zu sein. Als weder ein Mitarbeiter noch eine Stewardess ihr Plastikbesteck für eine Salat geben konnte, benutzte sie bei einem Flug einen Kamm. Diese Geschichte hängt ihr nach.

    ► Aussichten: Sie gilt als sachlich, erfahren. überparteilich, legt Wert darauf, mit Republikanern zusammenzuarbeiten.

    Foto: Glen Stubbe/Minneapolis Star Tribun
  • Weitere Kandidaten sind:

    Pete Buttigieg (37), Militär-Veteran, offen schwul.

    Julian Castro (44), früherer Bürgermeister aus San Antonio in Texas.

    John Delaney (55), frühere Kongressabgeordneter aus Maryland.

    Tulsi Gabbard (37), Kongressabgeordnete aus Hawaii.

    John Hickenlooper (67), frühere Gouvereur aus Colorado;

    Jay Islee, Governour des Staates Washington;

    Marianne Williamson (66), New-Age-Autorin.

    Andrew Yang (44), Unternehmer und Autor aus New York:

    William F. Weld, 73, frühere Gouverneur von Massachusetts.

    Foto: Jacquelyn Martin
  • Nicht antreten wollen:

    Hillary Clinton, 71, Ex-Außenministerin, will nicht noch einmal kandidieren. Doch sie gilt als Strippenzieherin.

    Oprah Winfrey, 64, einflussreiche Medienunternehmerin, sagt: „Das ist nichts für mich.“

    Michelle Obama, 55, ehemalige First Lady, möchte nicht ins Weiße Haus: „Ich will meinen Kindern das nicht noch einmal antun.“

    Foto: Michael Reynolds
  • Wer wartet noch?

    Joe Biden, 76, ehemaliger Vizepräsident: Er ist der beliebteste Demokrat und spricht auch die Arbeiterschaft an. Problem: das Alter.

    Steve Bullock, 52, Gouverneur in Montana, er könnte für das ländliche Amerika stehen.

    Foto: Andrew Harnik

Kandidaten aus der Mitte

Das Fatale: Ein linker Demokrat würde Trump helfen: Mit so einem Gegenspieler könnte der Präsident den Amerikanern einreden, nur er könne nun verhindern, dass Amerika in den Sozialismus abgleitet. Experten sehen die Demokraten deshalb gut beraten, auf einen Kandidaten der Mitte zu setzen.

In der linken, pragmatischen Mitte tummeln sich Kandidaten wie Cary Booker, Kamala Harris und Kirsten Gillibrand, die smarte Senatorin aus New York. Booker will mehr Bürgerrechte und das Justizsystem reformieren, Harris kämpft für die Krankenversicherung – ebenso Kirsten Gillibrand. Doch ihre eher moderate Herangehensweise ist taktisch gefährlich. Sie scheint in Zeiten, wo eine authentische Agenda zählt, für alles, aber für nichts Besonderes zu stehen. Beto O‘Rourke ist wirtschaftspolitisch ebenfalls ein Kandidat der Mitte, er wirkt aber trotzdem rhetorisch packend. Rechts im Kandidatenfeld ist beispielsweise Amy Klobuchar zu verorten.

Wer kann Trump schlagen?

Im Bereich der Wirtschaft fehlt den Demokraten also noch die markante „Gewinn-Botschaft“. Es werden in Kürze noch mehr Kandidaten einsteigen. Doch erst, wenn man weiß, wie sich die US-Wirtschaft im Wahljahr 2020 entwickelt, können die Demokraten eine Antwort auf die schwierige Frage geben, wie und wer Trump ernsthaft Paroli bieten kann.

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