Digitalstrategie
Vorne Chancen, hinten Risiken

Düsseldorf -

Mehr Chancen als Risiken. Das ist der Tenor der Digitalstrategie des Landes. Doch ob dies reicht, ist höchst ungewiss.

Mittwoch, 10.04.2019, 18:35 Uhr aktualisiert: 10.04.2019, 19:59 Uhr
Das Land NRW will mit seiner Digitalisierungsstrategie vorn mitmischen, sagt der zuständige Minister.
Das Land NRW will mit seiner Digitalisierungsstrategie vorn mitmischen, sagt der zuständige Minister. Foto: Clipdealer

 Es sind Begriffe, bei denen vielen Menschen schwindelig wird. Schlagworte wie Blockchain, Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge lösen Unbehagen aus, weil sie technisch und undurchschaubar wirken – aber im Zuge der Digitalisierung bestimmende Faktoren sein werden. Wo die Chancen liegen, wo die Risiken, erscheint eher schwammig. Wirtschafts- und Digitalminister Andreas Pinkwart ist Optimist: „Die Chancen sind größer als die Risiken, wenn wir sie rechtzeitig erkennen und nutzen“, sagte er am Mittwoch im Landtag. Es war sein Resümee aus der neuen Digitalstrategie, die er den Abgeordneten vorstellte.

Seine Rechnung ist einfach: Je weiter vorne NRW im Prozess der Digitalisierung steht, um so größer sind die Chancen. Weiter hinten nehmen die Risiken zu. Seine Strategie setzt darauf, dass NRW die Digitalisierung in Wirtschaft und Arbeit, Schulen, Verkehr, Medizin, Energieversorgung und Behörden als Impuls für neue Entwicklungen nutzt. Bis zum Jahr 2025 soll sich das Land einen europäischen Spitzenplatz ergattert haben. Es startet vom Mittelfeld.

Von der Telemedizin profitieren

Insgesamt 44 konkrete Ziele enthalte das Konzept, warb Pinkwart. Viele davon finden sich in bereits angekündigten Programmen der einzelnen Ministerien. Einige Ziele wirken eher abstrakt – etwa mehr Firmengründungen aus den Hochschulen des Landes anzustoßen. Zudem sollen Spezialinstitute an den Unis zu zentralen Technologiefeldern wie Blockchain entstehen.

Unkonkret bleibt die Strategie auch beim Thema Schulen, weil der Prozess eher am Anfang steht. Fix ist das Ziel, bis 2022 alle Schulen ans Glasfaserkabel anzuschließen. Für konkretere Schritte will Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in Kürze ein Konzept vorlegen.

Patienten und Ärzte sollen von der Telemedizin profitieren. Indem bis 2020 Arztpraxen, Kliniken und Apotheken vernetzt werden, schaffe NRW erstmalig eine Struktur, die schon vor 15 Jahren gesetzlich vorbereitet wurde. Pinkwart zufolge gilt für viele Bereiche: „Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein riesiges Umsetzungsproblem.“

Sticheleien gegen das Pinkwart

Eher ein Versprechen formuliert die Strategie für die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Weil die Digitalisierung nicht nur neue Jobs bringt, sondern viele überflüssig macht, sollen neue Qualifikationsangebote entstehen. Das fordere eine höhere Bereitschaft umzulernen. Konkretere, aber vertraute Themen zum Verkehr: Autonomes Fahren soll in NRW entwickelt werden wie auch neue Mobilitätskonzepte über alle Verkehrsmittel oder dynamische Wegweiser.

„Ich erstarre in Ehrfurcht“, spottete darüber Grünen-Digitalexperte Matthi Bolte-Richter. Pinkwart bleibe eine echte Strategie schuldig. Auf die für viele Menschen drängenden Frage nach Arbeitsmodellen gebe er keine Antwort. Dem Bedürfnis der Menschen nach konkreten Maßnahmen werde der Minister nicht gerecht, kritisierte auch seine SPD-Kollegin Christina Kampmann. „Den Ankündigungsminister kennen wir, den Umsetzungsminister haben wir leider noch nicht kennengelernt, dafür kennen wir jetzt auch noch den Superlativminister Pinkwart“, stichelte der Grüne.

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