Prozessionen in aller Welt
Papst beklagt bei Kreuzweg Gleichgültigkeit und Egoismus

Ein Lichtermeer vor dem erleuchteten Kolosseum: Vor spektakulärer Kulisse ist in Rom an den Weg von Jesus ans Kreuz erinnert worden. Im Mittelpunkt standen aber diejenigen, die heute leiden.

Freitag, 19.04.2019, 23:20 Uhr aktualisiert: 19.04.2019, 23:24 Uhr
Papst Franziskus (M) leitet die Kreuzwegprozession vor dem Kolosseum in Rom.
Papst Franziskus (M) leitet die Kreuzwegprozession vor dem Kolosseum in Rom. Foto: Andrew Medichini

Rom/Jerusalem (dpa) - Papst Franziskus hat am Karfreitag beim Kreuzweg in Rom «von politischem Kalkül gepanzerte Herzen» beklagt.

Im Zentrum der stimmungsvollen Prozession am Kolosseum, mit der am Abend an die Leiden Jesu erinnert wurde, stand das Schicksal missbrauchter Frauen und der Opfer von Menschenhandel. 15.000 Gläubige verfolgten laut Vatikan die Zeremonie. Im Petersdom hatte Papst Franziskus zuvor die Karfreitagsliturgie gefeiert.

Der Kreuzweg ist eine Jahrhunderte alte Tradition und stellt in 14 Stationen Jesus' Leidensweg bis zur Kreuzigung nach. Papst Franziskus sprach am Ende ein Gebet. Darin beklagte er nicht nur die Abschottung vor Migranten, sondern auch die Gleichgültigkeit und den Egoismus der Menschen. Er lenkte den Blick auch auf den Klimawandel: Die Erde leide «ernsthaft», allerdings seien die Augen der Menschen egoistisch und durch Gier und Macht erblindet.

Franziskus gedachte zudem der Kinder, die «in ihrer Unschuld und Reinheit verletzt» wurden, was wiederum als Anspielung auf den sexuellen Missbrauch durch Geistliche verstanden werden kann. Die Kirche, die sich laut Franziskus «ständig von innen und außen angegriffen» fühle, steckt wegen Skandalen um Missbrauch und dessen Vertuschung in mehreren Ländern der Welt in einer tiefen Krise.

Die an den Stationen des Kreuzwegs verlesenen Worte hatte die italienische Nonne Eugenia Bonetti verfasst. Sie engagiert sich für Frauen, die zur Prostitution gezwungen werden. Was sie schildert, geht ins Mark: So wurde etwa von «einer Minderjährigen mit einem zierlichen kleinen Körper» erzählt, «die ich eines Nachts in Rom traf, wo Männer in luxuriösen Wagen Schlange standen, um diese Mädchen auszubeuten». Auch wurde das Sterben von Flüchtlingen in der Wüste oder im Mittelmeer angeprangert.

Ostern ist für Christen das wichtigste Fest. Den Höhepunkt stellt die Osternacht dar, die der Pontifex am Samstagabend im Petersdom mit einer Liturgie begeht. Dabei wird an die für den christlichen Glauben zentrale Auferstehung von Jesus Christus erinnert. Am Sonntag spendet der Papst dann den Segen «Urbi et Orbi».

Auch in Jerusalem und in vielen anderen Städten in aller Welt erinnerten Christen an die Kreuzigung und den Tod von Jesus. In mehreren Prozessionen zogen sie durch die Jerusalemer Altstadt. Mönche liefen in ihren braunen und schwarzen Gewändern über die Via Dolorosa, Gläubige sangen und trugen Holzkreuze. Protestanten gingen den Pilgerweg zur evangelischen Erlöserkirche, Katholiken zur Grabeskirche.

Die Grabeskirche in Jerusalem steht an der Stelle, wo Jesus dem christlichen Glauben nach gestorben und wiederauferstanden ist. An Karsamstag und Ostersonntag werden in der Grabeskirche auch Messen gefeiert. Die israelische Regierung sagte am Freitag zu, dass auch Hunderte Christen aus dem von dem Land blockierten Gazastreifen zu Ostern nach Ost-Jerusalem und in das Westjordanland reisen dürfen.

Der Karfreitag fiel auch mit dem Beginn des jüdischen Pessach-Festes zusammen. Da es sich um ein Pilgerfest handelt, wird in diesen Tagen auch mit vielen jüdischen Besuchern in Jerusalem gerechnet.

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