NRW-SPD sackt bei EU-Wahl auf Platz drei
Doppeltes Desaster im einstigen Stammland

Düsseldorf -

Auch in NRW sind die Grünen erstmals bei einer bundesweiten Wahl an der SPD vorbeigezogen. Die einen kommen aus dem Feiern nicht raus, die anderen stehen vor einem doppelten Desaster.

Sonntag, 26.05.2019, 21:50 Uhr aktualisiert: 26.05.2019, 21:54 Uhr
NRW-SPD sackt bei EU-Wahl auf Platz drei: Doppeltes Desaster im einstigen Stammland
Die Spitzenkandidatin der SPD, Katarina Barley (l) und Andrea Nahles (SPD), Parteivorsitzende, äußern sich auf einer Pressekonferenz der SPD zum Ergebnis der Europawahl. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Nach ersten Infratest-Hochrechnungen zur Europawahl lagen die Grünen in NRW mit 23,2 Prozent fast fünf Punkte vor der SPD (18,7). Es sei das beste je erzielte Ergebnis, jubelte die Grünen-Landesvorsitzende Mona Neubaur am Sonntagabend. Der Wahlkampf für mehr Klimaschutz, für ein friedliches Europa und gegen Nationalisten habe besonders junge Wähler erreicht, sagte Neubaur dieser Zeitung: „Die Grünen haben gerade von denen gewonnen, die sich noch nie oder lange nicht mehr bei einer Wahl beteiligt haben.“ Die Landespartei entsendet künftig vier statt zwei Abgeordnete ins Europaparlament.

Für die NRW-SPD bedeutet das Ergebnis ein doppeltes Desaster. Sie sackt im einstigen Stammland auf Platz drei ab, und ihr Sicherheitsabstand zum Bundestrend schmilzt von einst sieben, acht Punkten darüber auf nur gut drei Prozentpunkte Vorsprung. Düstere Aussichten für Berlin und Düsseldorf. Die NRW-Jusos sprechen von „Marginalisierung“ und stellen die Groko in Frage. Bei der Jugend werde die SPD nicht als progressive Partei wahrgenommen.

SPD-Politiker warnen vor hektischen Schritten

Derweil hielten sich Gerüchte, Ex-Kanzlerkandidat und NRW-Genosse Martin Schulz betreibe die Ablösung der Bundes- und Fraktionsvorsitzenden Andreas Nahles. Dagegen warnte SPD-Landeschef Sebastian Hartmann, das Problem auf solche Fragen zu reduzieren. „Uns hilft keine hektische Ja-Nein-Debatte über die Groko oder die Parteivorsitzende“, sagte er dieser Zeitung. Am Montag werde es eine ehrliche Analyse geben, und die müsse tiefer liegende Fragen aufgreifen. Von der SPD würden andere und klare Antworten auf die gesellschaftliche Entwicklung verlangt, „wenn sie wieder die Führungsrolle im linken, progressiven Lager übernehmen will“. Vor Hektik warnte auch der Chef der SPD-Landesgruppe im Bundestag, Achim Post. Seine verhaltene Reaktion war bemerkenswert, weil er zuletzt als möglicher Nahles-Nachfolger in der Fraktion galt.

„Nicht den Grünen hinterher laufen“

Ruhe für Analysen des „nicht zufriedenstellenden“ Abschneidens will sich auch die auf laut Hochrechnungen 26,9 Prozent abgerutschte NRW-CDU nehmen, wie Generalsekretär Josef Hovenjürgen erklärte. Ein Problem benannte er bereits: „Es kommt entscheidend darauf an, dass wir gerade auf die jungen Menschen noch stärker zugehen.“ Die CDU müsse ihnen ihre Antworten besser vermitteln. Dass die andere sein müssen, als der Trend gerade verlangt, betonte der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung, Hendrik Wüst. „Die Volkspartei CDU darf den Grünen jetzt aber nicht hinterher laufen“, sagte er dieser Zeitung. „Sie muss eine Antwort geben, die auch Arbeitsplätze, bezahlbare Energie und Mobilität berücksichtigt.“

Zufriedener bilanzierte FDP-Landeschef Joachim Stamp die Europawahl: Mit dem bisherigen Landtagsabgeordneten Moritz Körner sei wieder ein Liberaler aus NRW in Brüssel vertreten. Für die FDP gebe es aber auch Analysebedarf.

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