UN-Generalsekretär geehrt
Karlspreis für den «Multilateralisten» António Guterres

Die Karlspreisverleihung an den UN-Generalsekretär ist mehr als die Würdigung des Europäers. Die Aachener verbinden damit die Botschaft an Europa und die Welt: Keine Alleingänge, arbeitet zusammen.

Mittwoch, 29.05.2019, 08:57 Uhr aktualisiert: 29.05.2019, 09:00 Uhr
Der Karlspreis 2019 an António Guterres geht zwar an einen Europäer, aber der Portugiese sitzt als UN-Generalsekretär im 38. Stock des UN-Hauptquartiers in New York.
Der Karlspreis 2019 an António Guterres geht zwar an einen Europäer, aber der Portugiese sitzt als UN-Generalsekretär im 38. Stock des UN-Hauptquartiers in New York. Foto: Cyril Zingaro

Aachen (dpa) - Es ist schon ungewöhnlich, dass der renommierte europäische Preis nach der Verleihung nicht in Europa bleibt: Der Karlspreis 2019 geht zwar an einen Europäer, aber António Guterres sitzt als UN-Generalsekretär im 38. Stock des UN-Hauptquartiers in New York.

Die Aachener ehren den Portugiesen als Streiter für europäische Werte wie Pluralismus, Dialog, offene und solidarische Gesellschaften. Aber sie zeichnen ihn beim Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses am Donnerstag vor allem für seinen Einsatz für eine multilaterale Zusammenarbeit der Staaten aus.

Multilateralismus ist für Guterres in der internationalen Zusammenarbeit eine prinzipielle Notwendigkeit, wie er unlängst in der «Aachener Zeitung» deutlich machte - vor allem wegen globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Migration oder Terrorismus. In seiner Studentenzeit hätten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion auf der Welt den Ton angegeben: «Jetzt leben wir in einer chaotischeren Welt, in der die Machtverhältnisse unklar geworden sind, und wir brauchen dringend einen Rahmen, um zu wiederbelebten multilateralen Formen des Regierens zu finden.»

Nur in der Zusammenarbeit der Staaten seien die globalen Herausforderungen zu lösen, stellt auch der Sprecher des Karlspreis-Direktoriums, Jürgen Linden, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur fest: «Mit dieser Botschaft heben wir uns ab von all den Politikern, die in dieser Zeit den neuen Nationalismus, Abschottung oder auch Protektionismus predigen und meinen, dass sie die Probleme nationalstaatlich lösen können.» Bei der Europawahl hatten Rechtspopulisten und Nationalisten Sitze hinzugewonnen.

Dagegen versuchen EU und UN bei der Lösung globaler Probleme zu einvernehmlichen Lösungen zu kommen, wie der Berliner Politikwissenschaftler Thomas Risse sagt. Beim Thema Multilateralismus gehe es um grundsätzliche Fragen der Weltordnung und der europäischen Ordnung. «Dinge, von denen wir eigentlich gedacht haben, sie sind selbstverständlich, das brauchen wir nicht mehr neu zu verteidigen, müssen wir jetzt offenbar wieder verteidigen.»

In den letzten Jahren habe sich gezeigt, dass bestimmte Selbstverständlichkeiten nicht mehr selbstverständlich seien. «Wir konnten uns doch nicht vorstellen, dass die Vereinigten Staaten einfach mal so aus diversen internationalen Abkommen austreten. Wir konnten uns nicht vorstellen, dass wir innerhalb der EU illiberale Regime haben», sagt Risse mit Blick auf Ungarn: So werde in dem Land die Wissenschaftsfreiheit «mit Füßen getreten».

Die USA hatten das internationale Atomabkommen mit dem der Iran aufgekündigt und waren aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen. In Ungarn schränken mehrere Gesetze die Wissenschaftsfreiheit ein.

Der spanische König Felipe VI. will in seiner Festrede wenige Tage nach der Europawahl zu europapolitischen Themen sprechen: Dieser Zeitpunkt verlange geradezu danach, einen Neuaufbruch für die multilaterale Zusammenarbeit und einen Neubeginn des europäischen Projektes zu initiieren, hatte er mitgeteilt.

Zuletzt hatte mit seinem Vater Juan Carlos I. ein König die Laudatio auf einen Karlspreisträger gehalten - auf den damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog (1997). In seiner Rede hatte Roman Herzog davor gewarnt, Europa nur als Währungsraum zu sehen.

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