Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg
Analyse: Votum für Kontinuität

Rund 30 Jahre nach der deutschen Einheit fahren die Rechtspopulisten von der AfD im Osten historische Ergebnisse ein. Die CDU wird ihre Macht in Sachsen wohl trotzdem verteidigen können. Auch die SPD in Brandenburg kann hoffen, ihre Bastion halten zu können.  

Sonntag, 01.09.2019, 19:14 Uhr aktualisiert: 01.09.2019, 19:47 Uhr
Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg: Analyse: Votum für Kontinuität
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sind in ihren Ländern mit ihren Parteien jeweils stärkste Kraft geworden. Foto: dpa

Die Wahlergebnisse in der Analyse:

► Sachsen: Die CDU muss zwar deutliche Verluste hinnehmen, bleibt aber stärkste Partei vor der AfD, die ein Rekordergebnis erzielt. Die Linke bricht ein, für die SPD ist der Freistaat weiter Diaspora, die Grünen bleiben nach einem nur leichten Plus einstellig.

Für den AfD-Erfolg gibt es aus Sicht der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen viele Gründe: Gewählt wird die AfD demnach aus Protest, Unzufriedenheit oder Überzeugung von Bürgern mit spezifischen Ansichten, die viel Distanz zu Establishment und Eliten haben, sich oft benachteiligt fühlen und in der AfD eine Kommunikationsplattform sehen.

Unter allen Sachsen gibt es laut den Wahlforschern an der faktischen Politikkompetenz der AfD aber erhebliche Zweifel. Knapp zwei Drittel lehnen eine Regierungsbeteiligung der AfD ab. Bei der CDU fänden dagegen die meisten Sachsen eine erneute Regierungsverantwortung gut. Ein Grund hierfür ist zunächst ein starker Spitzenkandidat, bei Ansehen und Regierungsarbeit überzeugt die CDU jetzt weniger als früher.

Trotz CDU-Verlusten und starker Polarisierung war die Wahl für die Mehrheit der Sachsen auch ein Votum für politische Kontinuität und gegen AfD-Verantwortung, sagen die Wahlforscher. Während es 56 Prozent richtig finden (nicht richtig: 40 Prozent), dass die CDU eine Koalition mit der AfD ausgeschlossen hat, wollen 65 Prozent die CDU weiter als Regierungspartei (dagegen: 16 Prozent).

► Brandenburg: Es ist zu großen Bewegungen in der Parteienlandschaft gekommen: Die SPD kann ihre Position als stärkste Partei zwar behaupten, CDU und Linke haben aber deutliche Verluste und rutschen hinter die AfD, die bei starken Zugewinnen zweitstärkste Partei wird. Die Grünen können ihr Ergebnis von 2014 nur leicht verbessern.

Zwar erfährt der amtierende Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) mit Ausnahme der AfD-Anhänger lagerübergreifende Wertschätzung. 64 Prozent aller Befragten bescheinigen ihm laut Forschungsgruppe Wahlen eine gute Arbeit als Ministerpräsident (2014: 70 Prozent). Das ist aber im Vergleich zu anderen amtierenden Landeschefs ein eher mittelmäßiger Wert. Mit 1,6 wird er insgesamt klar positiv, jedoch schlechter als vor fünf Jahren bewertet (2014: 2,4). Sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer (CDU) wird in Sachsen mit 2,4 eingestuft.

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