Hinter den Kulissen des Brexit-Dramas
Der Strippenzieher des Premiers

Münster/London -

Im britischen Parlament kommt es zur Machtprobe zwischen Premier Boris Johnson und den Abgeordneten. Ein Mann steht im Hintergrund und gibt dem Regierungschef den Kurs vor: Dominic Cummings – die neue Hassfigur der Brexitgegner.

Mittwoch, 04.09.2019, 18:14 Uhr
Boris Johnson (l.) und sein „spezieller Berater“ Dominic Cummings am Hinterausgang der Downing Street Nummer 10
Boris Johnson (l.) und sein „spezieller Berater“ Dominic Cummings am Hinterausgang der Downing Street Nummer 10 Foto: AFP

Als der Labour-Chef Tony Blair an die Macht kam und die ehrwürdige alte Arbeiterpartei umkrempelte zu „New Labour“, gab es einen Strippenzieher im Hintergrund, der an der Themse nur der „schwarze Prinz“ hieß. Peter Mandelson war der Architekt des Kurses von links zur Mitte – der Blair zeitweise so erfolgreich machte. Aber viele in der Partei trauten Mandelson nicht.

Auch der neue Premier in der Downing Street hat seinen „speziellen Berater“, der ihn auf einen strammen populistischen Kurs getrimmt hat: Dominic Cummings . Doch dieser stößt bei zahlreichen Torys auf Ablehnung. Ex-Schatzkanzler Philip Hammond brachte es bei der Debatte am Dienstagabend deutlich zum Ausdruck. Er erklärte, seine Partei gegen „Neulinge zu verteidigen“, die die einst breite Volkspartei auf einen schmalen Pfad einschwören wollen. Er sprach von „Leuten, die im Zentrum dieser Regierung sitzen, die vielleicht noch nicht einmal Mitglieder der konservativen Partei sind und denen die Zukunft der Partei egal ist“. Und jeder wusste: Das zielte eindeutig auf Cummings.

Der 47-Jährige aus dem nordenglische Durham wurde bekannt, als er beim Brexit-Referendum 2016 den Wahlkampf für die Aktion „Vote Leave“, die den Austritt befürwortete, leitete. Cummings war dabei unter anderem für einen roten Bus verantwortlich, auf dem er den Satz „We send the EU £350 million a week – let’s fund our NHS instead“ („Wir schicken der EU 350 Millionen Pfund pro Woche – lasst uns damit unser Gesundheitssystem ausstatten“) hatte anbringen lassen. Eine populistische Finte, denn die Aussage war falsch – ein Beispiel für die etlichen Unwahrheiten, die das ­„Leave“-­Lager verbreitetet. Im britischen Fernsehdrama „Brexit: The Uncivil War“ wurde Cummings übrigens vom berühmten Benedict Cumberbatch dargestellt.

Johnson rüttelt mit seinen Aktionen ganz offen an den Grundfesten der britischen Demokratie. Auch das könnte er auf Geheiß von Cummings so handhaben. Denn dieser macht keinerlei Hehl daraus, dass er ein Anhänger der These ist, dass man erst zerstören muss, um dann in seinem Sinne wieder aufbauen zu können. Nach der Klatsche am Dienstagabend gerät Cummings aber nun unter Druck – Johnson und er steuerten das Land ins Chaos, heißt es.

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