Grüne in NRW bereiten sich auf neue Rolle vor
Bodenhaftung und Höhenflug

Düsseldorf -

Im Landtag sitzen sie als viertgrößte Fraktion. Doch bei der Europawahl und in einer drei Wochen alten Forsa-Umfrage haben die NRW-Grünen Zustimmungswerte von 23,2 und 24 Prozent erhalten, die ihnen die völlig neue Rolle als zweitstärkste politische Kraft hinter der CDU zuschreiben.

Freitag, 06.09.2019, 19:54 Uhr aktualisiert: 06.09.2019, 21:28 Uhr
Gestärkt durch den Höhenflug bei der Europawahl nimmt das Grünen-Führungsduo Mona Neubaur und Felix Banaszak in NRW für die Kommunalwahlen 2020 Großstädte und ländliche Regionen ins Visier.
Gestärkt durch den Höhenflug bei der Europawahl nimmt das Grünen-Führungsduo Mona Neubaur und Felix Banaszak in NRW für die Kommunalwahlen 2020 Großstädte und ländliche Regionen ins Visier. Foto: dpa

Die beiden Landesvorsitzenden Mona Neubaur und Felix Banaszak stellt das vor einen kniffligen Balanceakt: Sie müssen die Grünen für diesen Höhenflug vorbereiten – und dabei Bodenhaftung behalten. Es gilt nicht nur, für die Kommunalwahlen 2020 genügend eigene Kandidaten aufzustellen. Die guten Ergebnisse interpretiert das Führungsduo auch als Ausdruck von Projektionen.

„Wir nehmen ernst, was an Projektionen und an Erwartungen an uns gestellt wird“, sagt Banaszak am Freitag in Düsseldorf. An die Partei würden andere Hoffnungen gerichtet als noch vor fünf Jahren, von SPD und CDU enttäuschte Erwartungen würden nun auf die Grünen übertragen. Der Klimaschutz hat den Grünen Aufwind gegeben, aber jetzt müssen sie zu Fragen des sozialen Zusammenhalts, der Mieten, der Mobilität oder der Digitalisierung mit Antworten überzeugen. Banaszak ist das bewusst: „Für uns ist wichtig, in weiten Teilen des Landes ein personelles und programmatisches Angebot zu machen, das die Bereitschaft ausdrückt, Verantwortung zu übernehmen.“

Vor der Kommunalwahl steht das Personal im Fokus. Mit Katja Dörner, Vizechefin der Bundestagsfraktion, will eine prominente Grüne Bonner Oberbürgermeisterin werden. Im Kreis Lippe hofft die Partei darauf, dass Robin Wagener sich als Landrat durchsetzt. In Köln setzt die Partei auf Amtsinhaberin Henriette Reker. Für Düsseldorf ist neben anderen Neubaur im Gespräch. In Bochum, Dortmund, Münster und anderswo suchen und überlegen die Ortsverbände noch. Vielerorts seien Bündnisse mit anderen Parteien denkbar, sagt Neubaur, die das Augenmerk von den Spitzenkandidaten weg lenkt: Bei der Auswahl von Mandatsträgern gelte für die Grünen unbedingt, dass Frauen die Hälfte stellen. Überdies wolle die Partei junge Menschen für Kommunalpolitik gewinnen. Zielgruppe seien ebenso Fridays-for-Future-Akteure, meint Neubaur: „Das kann ich mir sehr gut vorstellen.“ Erste programmatische Pflöcke schlägt der Grünen-Landesvorstand mit einem Positionspapier zur Finanznot vieler Kommunen ein: Seit 16 Jahren gebe es einen Negativtrend bei den Investitionen, mahnt Neubaur. „Wir sehen zu, wie unsere Infrastruktur verfällt.“

Dass die Grünen sich künftig eher an CDU und SPD als an der FDP messen wollen, zeigt sich in einem anderen Detail. Mit rund 5000 Eintritten seit der verlorenen Landtagswahl 2017 und aktuell 17 700 Mitgliedern, habe man die FDP von Platz drei verdrängt, sagt Banaszak. Knapp: Die NRW-FDP hat nach Worten eines Sprechers 17 500 Mitglieder.

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