Fachkräftemangel erreicht die Hochschulen
Akademiker dringend gesucht

Düsseldorf -

Der Fachkräftemangel hat inzwischen auch die 70 Hochschulen in NRW erreicht. Nicht nur in Informatik fehlt es an Dozenten, sondern ebenso in geisteswissenschaftlichen Lehramtsfächern wie Germanistik und Geschichte haben die Universitäten zunehmend Probleme, freie Stellen zu besetzen. 

Montag, 23.09.2019, 19:38 Uhr aktualisiert: 23.09.2019, 19:49 Uhr
Jeder fünfte Studierende bricht das Studium ab.
Jeder fünfte Studierende bricht das Studium ab. Foto: dpa

Der Fachkräftemangel hat inzwischen auch die 70 Hochschulen in NRW erreicht. Nicht nur in Informatik fehlt es an Dozenten, sondern ebenso in geisteswissenschaftlichen Lehramtsfächern wie Germanistik und Geschichte haben die Universitäten zunehmend Probleme, freie Stellen zu besetzen. „Es ist schwierig, weil alle auf den Arbeitsmarkt für Akademiker zugreifen“, sagte der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Unis, Professor Lambert Koch , am Montag in Düsseldorf. Trotzdem setzen die Hochschulen große Hoffnung in den von Bund und Ländern geschlossenen Zukunftsvertrag, der mit jährlich 3,8 Milliarden Euro für mehr Qualität, vor allem durch mehr Dozenten und Professoren, sorgen soll. Dass die Mittel und damit die Stellen – anders als beim Hochschulpakt – unbefristet fließen sollen, sei ein großer Fortschritt für Unis und Fachhochschulen, betonte NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen . Das Betreuungsverhältnis werde damit für die jetzt 782 000 Studierenden in NRW verbessert.

► Lehrermangel: Eine Frage des Geldes wird das Ziel, zusätzliche Studienplätze für das Grundschullehramt zu schaffen, um dem Lehrkräftemangel zu begegnen. Koch betonte, wenn das Land mit den einzelnen Unis entsprechende Vereinbarungen schließe, könnten kurzfristig mehr als 1000 zusätzliche Studienplätze entstehen.

► Studierfähigkeit: Rund 103 000 Erstsemester starten zum Wintersemester ins Studium. Allerdings seien gerade bei Mathematik die Kenntnisse oft nicht ausreichend, wie Ute von Lojewski, Vizevorsitzende der Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen, berichtete. Die Hochschulen bieten dafür eigens Brückenkurse an, ein Studium der Naturwissenschaften oder Ingenieursfächer sei wegen der mathematischen Anforderungen oft angstbesetzt.

► Studienabbrecher: Geschätzt jeder fünfte Student bricht einen Studiengang ab, wie Pfeiffer-Poensgen erklärte. Sie setzt deshalb auf die mit dem neuen Hochschulgesetz eröffnete Möglichkeit, dass junge Leute sich in einem Onlinetest vorab vergewissern können, ob das gewünschte Studienfach zu ihnen passt. Zudem sollen Hochschulen und Studenten konkrete Studienverlaufspläne vereinbaren.

►  Anwesenheitspflicht: Der heftig geführte Streit über Anwesenheitspflichten war nach Einschätzung Kochs „ein Sturm im Wasserglas“. Die werde nur in solchen Seminaren gelten, die vom direkten wissenschaftlichen Diskurs lebten. Von Lojewski betonte, in der Praxis stoße eine solche Vorgabe auf Akzeptanz.

► Studienbeiträge: Ob die von CDU und FDP geplanten Beiträge für Studierende aus Nicht-EU-Ländern umgesetzt werden, will Pfeiffer-Poensgen im Herbst entscheiden. Die Erfahrung in Baden-Württemberg offenbare wegen vieler Ausnahmen einen hohen Verwaltungsaufwand, sagte sie. Nur 50 Prozent der Betroffenen müssten tatsächlich bezahlen. Koch und von Lojewski lehnten die Beiträge ab, die nur zu hohen Kosten umzusetzen seien. „Das wäre ein falsches Signal für einen offenen Forschungsstandort.“

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