Analyse vor den Wahlen in Österreich
Neustart nach Absturz

Eine Parlamentswahl in Österreich – im Normalfall ein politisches Ereignis, das in anderen Hauptstädten wie Berlin, Paris oder London nur aus den Augenwinkeln beobachtet wird. Doch normal ist in Österreich nach dem Ibiza-Video nichts mehr. Auf der Insel schwätzte sich der damalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache gegenüber einer vermeintlichen russischen Oligarchin um Kopf und Kragen – und stürzte die Alpenrepublik in die wohl größte politische Krise seit ihrer Gründung 1945.

Samstag, 28.09.2019, 14:58 Uhr
 Durch das Misstrauensvotum von FPÖ, SPÖ und kleineren Parteien wurde Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gestürzt.
 Durch das Misstrauensvotum von FPÖ, SPÖ und kleineren Parteien wurde Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gestürzt. Foto: dpa

Eine Analyse der Situation in Österreich:► Die Ausgangslage: Durch das Misstrauensvotum von FPÖ , SPÖ und kleineren Parteien wie den Neos und den Grünen stürzte Kanzler Sebastian Kurz ( ÖVP ). Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der sich im Zuge der Regierungskrise hohes Ansehen erworben hat, ernannte Anfang Juni eine Übergangsregierung aus Experten und unabhängigen Persönlichkeiten. In dieser sitzen Fachminister, die zwar Parteien nahe stehen, aber keine reinen Parteipolitiker sind.► Die Hauptpersonen: Natürlich steht an erster Stelle der ehemalige Vizekanzler Heinz-Christian Strache . Der FPÖ-Politiker führte seine rechtskonservative (manche sagen rechtspopulistische) Partei nach dem Haider-Desaster von drei auf 23 Prozent. Gemeinsam mit dem jungen Kanzler Sebastian Kurz regierte Strache das Land, erfreute sich durchaus guter Umfragewerte. Doch dann kam das Ibiza-Video, das selbst dem strapazierfähigen Kanzler zu viel wurde. Die Regierung zerbrach. Strache musste Platz machen für Norbert Hofer, der jetzt der starke Mann in der FPÖ ist.► Der Überflieger: Sebastian Kurz ist der mit Abstand beliebteste Politiker in der Alpenrepublik. Umfragen sehen die ÖVP bei 34 Prozent, der 34-Jährige, den viele als größtes politisches Talent Europas sehen, dürfte wieder den Regierungsauftrag erhalten. Spötter sagen über den smarten Wiener, der politische Freundschaften unter anderen zu Bundesgesundheitsminister Jens Spahn pflegt, er sei der Beweis dafür, dass es auch bei Menschen „künstliche Intelligenz“ gibt. Zuletzt hatten mehrfach Skandale rund um die ÖVP allerdings leichte Kratzer am Image des Überfliegers hinterlassen.► Wie geht es weiter? Die ÖVP dürfte mit Kurz stärkste Partei werden. Die skandalgeprägte FPÖ wird verlieren – aber nicht so dramatisch, wie viele erwartet haben. Große Teile der Anhängerschaft sind zwar der Meinung, dass es Strache überzogen habe, doch die Bande sind stabil. Die einst stolze SPÖ muss hoffen, unter ihrer Vorsitzenden Pamela Rendi-Wagner stärker als die FPÖ zu werden. Wer mit Kurz koaliert, ist unklar.

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