Katharina Ahrendts beim Bürgerdialog des Außenministeriums in Münster
Münsteranerin bohrt „dicke Bretter“ im UN-Sicherheitsrat

Münster -

Wie funktioniert eigentlich Diplomatie? Was geschieht im Weltsicherheitsrat der vereinten Nationen in New York? Wie hat sich das Verhältnis zur den USA verändert? Solche Fragen hat am Dienstag Katharina Ahrendts, Leiterin des Grundsatzreferats Vereinte Nationen des Auswärtigen Amts, beim Bürgerdialog unter dem Titel „Was geht mich die Welt an?!“ in Münster beantwortet.

Mittwoch, 09.10.2019, 16:24 Uhr aktualisiert: 09.10.2019, 16:41 Uhr
Die gebürtige Münsteranerin Katharina Ahrendts (r.) beim Bürgerdialog des Außenamtes in Münster. Die Moderation hatte Claudia Kramer-Santel.
Die gebürtige Münsteranerin Katharina Ahrendts (r.) beim Bürgerdialog des Außenamtes in Münster. Die Moderation hatte Claudia Kramer-Santel. Foto: Jürgen Christ

Den Namen des US-Präsidenten nennt sie nicht. Sie formuliert ganz allgemein die Anliegen der deutschen Politik im UN-Sicherheitsrat . „Wir wollen dicke Bretter bohren, nicht von Tweet zu Tweet laufen“, sagt Katharina Ahrendts . Das ist diplomatisch formuliert, es kann aber auch als diplomatische „Backpfeife“ gelesen werden. Denn: Kaum ein Zuhörer in Münster wird nicht gleich an Donald Trump gedacht haben. Zwei Stunden lang stand Ahrendts, gebürtige Münsteranerin, Leiterin des Grundsatzreferats Vereinte Nationen des Auswärtigen Amts, am Dienstag Rede und Antwort beim Bürgerdialog „Was geht mich die Welt an?!“. Die Veranstaltung moderierte Claudia Kramer-Santel, Redakteurin in unserer Nachrichtenredaktion.

Bürgerdialog „Was geht mich die Welt an?!“

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Die Welt geht die Deutschen eine ganze Menge an. Kaum ein anderes Land profitiert so stark vom Multilateralismus, macht Ahrendts klar. Nur: „Wir erleben eine immer schwierigere Weltlage. Der Sicherheitsrat kommt in ganz vielen Problemen nicht mehr zu Lösungen“, berichtet die 48-Jährige aus dem UN-Gremium, in dem die Bundesrepublik derzeit als nichtständiges Mitglied vertreten ist. Zum Teil – etwa beim Thema Syrien – liege das an China und Russland. Aber: „Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, dass der Westen als geschlossener Block im Sicherheitsrat auftritt.“ Bei vielen Themen – die Diplomatin spricht von „Dossiers“ – gebe es weiter enge Übereinstimmung mit den USA. Bei einigen aber habe sich die Haltung der USA verändert – wie beim Klimawandel.

Und die Amerikaner schauten immer öfter auf ihre Innenpolitik. Beispiel: Das deutsche Drängen auf eine Resolution gegen sexualisierte Gewalt (systematische Vergewaltigungen) in Konflikten. Da habe es in einigen Punkten aus Rücksicht auf Wählergruppen daheim große Vorbehalte der USA gegeben – „dicke Bretter“ waren zu bohren. Dennoch sei es gelungen, „die Welt für Überlebende sexualisierter Gewalt“ ein wenig besser zu machen.

Auch darum zieht Ahrendts eine positive Bilanz der ersten neun Monate Deutschlands im Sicherheitsrat. „Vorausschauende Konfliktprävention“, „Multilateralismus“, eine „regelbasierte Weltordnung“ – das blieben in den nächsten 15 Monaten in dem Gremium deutsche Anliegen.

Müsste Berlin dann keinen Vorstoß im Sicherheitsrat gegen den Einmarsch der Türkei in Syrien unternehmen, fragt ein Zuhörer. Auch bei so „beunruhigenden“ Entwicklungen, antwortet Ahrendts diplomatisch, müsse sich Berlin fragen: „Haben wir ein Interesse daran, einen blockierten Sicherheitsrat vorzuführen?“ Der Job in New York ist kein leichter.

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