Politik und Wohnungswirtschaft wollen steigende Kosten abfedern
Klimaschutz als Kostentreiber

Düsseldorf -

Es ist eine schwierige Mission. Hohe Mieten und Wohnungsmangel – da ist Klimaschutz als weiterer Kostenfaktor für Eigentümer und Mieter nicht unbedingt ein Gewinnerthema.

Montag, 20.01.2020, 20:14 Uhr
NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach
NRW-Bauministerin Ina Scharrenbach Foto: dpa

„Es wird nötig sein, dass Mieter einen Teil der Kosten mittragen“, betonte der Präsident von Haus und Grund Rheinland Westfalen, Konrad Adenauer, am Montag in Düsseldorf. Dort unterzeichnete er den von Bauministerin Ina Scharrenbach und Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (beide CDU) initiierten „Klimapakt Wohnen“, dem insgesamt sechs Fachverbände der Bau- und Wohnungsbranche sowie die Verbraucherzentrale beigetreten sind.

Der Pakt ist zunächst allerdings nicht mehr als eine Absichtserklärung, verfolgt aber zwei elementare Ziele: Die Mieten sollen bezahlbar bleiben, und die Investoren sollen weiter Wohnungen bauen, wenn Klimaschutz künftige eine größere Bedeutung erhält. Ministerin Scharrenbach kündigte an, das jetzt formierte Bündnis wolle den Zielkonflikt zwischen bezahlbarem Wohnraum und besserem Klimaschutz lösen. Über das Wie herrscht unter den Unterzeichnern allerdings noch keine Einigkeit: Sie haben sich verpflichtet, erst innerhalb der kommenden sechs Monate verbindliche Ziele zu formulieren. Dass man trotzdem jetzt schon das Licht der Öffentlichkeit sucht, begründete Scharrenbach mit den seit Jahresbeginn geltenden Förderangeboten des Bundes.

Alle Unterzeichner einte indes schon eines: Der Druck zu CO-Einsparungen bei Häusern und Wohnungen ist mit dem Bundesklimaschutzgesetz gestiegen. Bis 2030 sollen die Emissionen im Sektor Gebäude um 40 Prozent sinken, von 118 auf 70 Millionen Tonnen im Jahr. Dabei war er vorher schon hoch: Während bundesweit der CO-Ausstoß seit 1990 um rund 28 Prozent reduziert wurde, hinkt der Wohnungsbereich mit nur 18,5 Prozent Rückgang hinterher. Allerdings wurden in der gleichen Zeit 25 Prozent mehr Wohnungen gebaut, betonen die Bündnispartner.

Aktuell tragen die Haushalte in Nordrhein-Westfalen 11,5 Prozent zum gesamten CO-Ausstoß bei, wie Umweltministerin Heinen-Esser berichtete. Dass das Land damit unter dem Bundesschnitt von etwa 17 Prozent liegt, schrieb sie jedoch dem im Vergleich deutlich höheren Industrie- und Energieanteil in NRW zu. Die Ministerin warb für begrünte Dächer und naturnahe Vorgärten.

Damit sich etwas ändert, sollen Eigentümer und Bauherren ihre Planungen am Klimaschutz ausrichten. Vom Austausch alter Ölheizungen bis zum Einsatz klimaschonend produzierter Baustoffe reichen die neuen Anforderungen. Ebenso erfordert Mieterstrom, der etwa über Solarpaneele am Balkon gewonnen und ins Stromnetz eingespeist wird, neue Regelungen.

Ab Mitte dieses Jahrzehnts werde sich die CO-Bepreisung auf die Kosten niederschlagen – auch auf die Mieten, erklärte Alexander Rychter, Direktor im Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland-Westfalen: „Das wird zu einem relevanten Faktor werden.“ Es war das Stichwort für Wolfgang Schuldzinski, Chef der Verbraucherzentrale NRW: Gerade Menschen mit niedrigen Einkommen fehle oft Geld für moderne Geräte. „Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu Verlierern kommt.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7207709?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F197%2F199%2F
Narren trotzen der Naturgewalt
Trotz Sturmböen erhielten die Narren in Otti-Botti eine Starterlaubnis und der Umzug schlängelte sich durch die Narrenhochburg.
Nachrichten-Ticker