Markus Pieper: „Die Briten werden fehlen“
Ein neuer Aufbruch für Europa

Brüssel -

Zehn Jahre lang hat der CDU-Europaabgeordnete aus Lotte, Markus Pieper, mit der Britin Anthea McIntyre in Brüssel zusammengearbeitet. Das ist jetzt vorbei: Großbritannien verlässt die EU. „Die Briten werden fehlen“, sagt Pieper.

Freitag, 31.01.2020, 10:40 Uhr aktualisiert: 31.01.2020, 11:00 Uhr
Zehn Jahre lang arbeiteten die Britin Anthea McIntyre und Dr. Markus Pieper im Europaparlament eng zusammen.
Zehn Jahre lang arbeiteten die Britin Anthea McIntyre und Dr. Markus Pieper im Europaparlament eng zusammen. Foto: Martin Ellerich

Kleine dunkelrote Rauten oder eher Karos auf dunklem Grund. So sieht die Krawatte aus, die Markus Pieper am letzten echten Arbeitstag seiner britischen Abgeordnetenkollegen trägt. Die Krawatte ist am Mittwoch häufig zu sehen auf den Fluren des Brüsseler Parlamentsgebäudes. „Das ist die Krawatte der kroatischen Ratspräsidentschaft“, erklärt der Europaabgeordnete aus Lotte. Das junge EU-Land Kroatien hat derzeit die Präsidentschaft im EuropäischenRat, also dem Gremium derEU-Mitgliedsstaaten. „Die Krawattesoll ein Zeichen des Aufbruchs sein“, betont der CDU-Politiker. Ein neuer Aufbruch für Europa an ei­nem Tag der Tränen im Brüsseler Parlament.

„Ein trauriger Tag“, sagt Pieper, „wir müssen den Jubel der Europagegner ertragen.“ Und die Tränen der scheidenden britischen Freunde. „Ich habe ein Jahrzehnt lang sehr gut und eng mit Anthea McIntyre zusammengearbeitet“, sagt Pieper. Gemeinsam mit der Kollegin von den Torys habe er zum Beispiel durchgesetzt, dass die EU nun die Auswirkungen ihrer Richtlinien auf kleine und mittlere Unternehmen vorab untersuchen müsse. Vorbei. „Anthea konnte heute auch mehrmals die Tränen nicht zurückhalten“, sagt Pieper. Eine wahre Konservative und ei­ne überzeugte Europäerin – so klingt seine Beschreibung der scheidenden Kollegin.

Wo es um die Marktwirtschaft und marktwirtschaftliche Lösungsansätze gehe, habe man sich immer auf die Briten verlassen können. „Und zwar quer durch alle Parteien“, sagt Pieper und schließt Labour und die britischen Grünen mit ein. „Das wird fehlen.“ Eher nicht fehlen wird Pieper die Tendenz der Briten, immer mal wieder eigene Sonderwege zu gehen. „Opt-in, opt-out“, stöhnt er. Aber doch: „Die Briten werden fehlen.“

Auch in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Immerhin geht ein EU-Mitglied mit starker Armee, Frankreich ist künftig die einzige Atommacht der EU. Es geht ein Land mit großer diplomatischer Erfahrung und weltweiten Verbindungen. Und es gehen 18 bis 20 Prozent der europäischen Wirtschaftsleistung. Europa ist schwächer, die Briten werden fehlen. Aber: Die EU 27 ist im Prozess des Brexits zusammengerückt.

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