Ab Sommer
Renten steigen spürbar - Plus 4,2 Prozent im Osten

Viele gute Nachrichten gibt es nicht derzeit. Millionen Rentner aber können sich freuen. Bei ihren Bezügen läuft es in diesem Sommer noch etwas besser als bereits vorhergesagt.

Freitag, 20.03.2020, 18:06 Uhr aktualisiert: 20.03.2020, 18:08 Uhr
Die Renten steigen spürbar.
Die Renten steigen spürbar. Foto: Lino Mirgeler

Berlin (dpa) - Die rund 21 Millionen Rentner können sich im Sommer auf spürbare Rentensteigerungen freuen. In Westdeutschland steigt die Rente um 3,45 Prozent, in den neuen Ländern um 4,20 Prozent. Das teilte das Bundessozialministerium am Freitag in Berlin mit.

Damit wachsen die Renten am 1. Juli noch etwas stärker als zunächst vorhergesagt.

Eine monatliche Rente von 1000 Euro, die nur auf West-Beiträgen beruht, erhöht sich dadurch um 34,50 Euro, eine gleich hohe Rente mit Ost-Beiträgen um 42,00 Euro.

Die Renten in Ostdeutschland nähern sich weiter an die West-Bezüge an. Der aktuelle Rentenwert im Osten steigt auf 97,2 Prozent des Rentenwerts West. Bis zum Jahr 2024 soll er aufgrund einer Gesetzesvorgabe von 2017 schrittweise auf 100 Prozent klettern.

Der Rentenwert gibt konkret in Euro an, wie viel ein Entgeltpunkt in der Rentenversicherung wert ist; ein Entgeltpunkt - berechnet anhand einer komplizierten Formel - ist maßgeblich für die Höhe der Rente.

Das Rentenniveau beträgt 48,21 Prozent - es zeigt an, wie hoch das Absicherungsniveau der Rente im Vergleich zu den Löhnen ist.

Grundlage für die Rentenanpassung ist die Lohnentwicklung im vergangenen Jahr. Die für die Rentenanpassung relevante Lohnsteigerung beträgt 3,28 Prozent in den alten Ländern und 3,83 Prozent in den neuen Ländern. Auch die Beitragsentwicklung und das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentnern spielen eine Rolle.

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft sind in den Festlegungen noch nicht berücksichtigt. Auf die Rentenerhöhung im Sommer hat sie demnach keine Auswirkungen.

Die Höhe der Rentenanpassung wird vom Sozialressort in einer Verordnung festgelegt. Der Bundesrat muss zustimmen.

Auch in den vergangenen Jahren stiegen die Renten. 2019 hatten die Bezüge in Westdeutschland um 3,18 Prozent zugelegt, im Osten um 3,91 Prozent. 2018 waren es 3,22 Prozent (West) und um 3,37 Prozent (Ost).

Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) betonte: «Auch in ungewissen Zeiten steht die Rentenversicherung für Verlässlichkeit.» Die aktuelle Rentenanpassung sichere den Rentnern ihre Teilhabe an der Lohnentwicklung und sorge so für höhere Renten. Die Präsidentin der Rentenversicherung, Gundula Roßbach, sagte: «Das ist in diesen schwierigen Zeiten wirklich eine gute Nachricht.» Die Rentenversicherung könne damit in der aktuellen wirtschaftlichen Lage ein positives Signal setzen.

Mit dem Übertritt der geburtenstarken Jahrgänge in die Rente kommen in den nächsten Jahren weniger Beitragszahler auf zahlreichere Rentner. Der Beitragssatz von 18,6 Prozent dürfte laut dem jüngsten Rentenversicherungsbericht bis 2024 stabil bleiben. Bis 2025 darf er laut Gesetz auch nicht über 20 Prozent steigen. Dann dürfte er ansteigen.

Die Rentenerhöhung im Sommer dürfte dem Staat zusätzliche Einkommensteuer in dreistelliger Millionenhöhe bringen. Aufgrund einer zunächst niedriger vorhergesagten Steigerung war das Bundesfinanzministerium bereits von 420 Millionen Euro ausgegangen. 2019 waren es 390 Millionen Euro, in den Jahren zuvor 350 und 220 Millionen.

Die Rentenkommission der Regierung will laut einem Bericht des «Spiegel» ein Sicherungsniveau zwischen 44 und 49 Prozent empfehlen. Einen Konsens über ein konkretes Konzept für die Zeit nach 2025 habe es in dem Gremium nicht gegeben. Im Abschlussbericht der Runde seien mehrere Sondervoten zu erwarten. Bei wesentlichen Parametern habe sich die zehnköpfige Runde nur auf breite Korridore einigen können. Trotz der vielen Absagen derzeit soll die Präsentation des Berichts der Rentenkommission voraussichtlich Ende nächster Woche wie geplant stattfinden, wie Heil der «Wirtschaftswoche» sagte. Gute, zielführende Ideen wolle er noch vor der Bundestagswahl 2021 auf den Weg bringen.

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